Ein Forschungsteam des KTH Royal Institute of Technology in Schweden und der Tampere University in Finnland hat kürzlich eine neue Studie zur Wiederverwendung von Beton veröffentlicht. Sie entwickelten ein Rahmenwerk, das Bauunternehmen ermöglicht, alte Betonbauteile sicher wiederzuverwenden. Dadurch kann die Lebensdauer des Materials um 50 bis 100 Jahre verlängert und die Umweltauswirkungen der Bauindustrie verringert werden.

Kjartan Gudmundsson, Leiter der Abteilung für nachhaltiges Bauen an der KTH School of Architecture and Built Environment, betont: „Die Wiederverwendung von Beton ist eine der effektivsten Methoden, um Emissionen zu reduzieren. Unser Rahmenwerk bietet Planern und Ingenieuren Werkzeuge für fundierte Entscheidungen, reduziert Abfall und Verschmutzung und verlängert die Lebensdauer von Materialien – das ist der Kern der Kreislaufwirtschaft.“ Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Materials and Structures“ veröffentlicht.
Das Team nutzte Daten aus zwei abgerissenen Gebäuden in Schweden und Finnland und führte Tausende von Computersimulationen durch. Damit können sie die Lebensdauer von Beton unter verschiedenen Szenarien genau vorhersagen, wie z. B. Wiederverwendung im Innen- oder Außenbereich sowie mit oder ohne Sanierung. Der Hauptautor und KTH-Doktorand Arlind Dervishaj erklärt, dass diese leistungsbasierten probabilistischen Vorhersagen zuverlässiger sind, da sie auf realen Messdaten von Beton nach jahrzehntelanger Nutzung basieren und nicht auf allgemeinen Regeln.
Die Studie zeigt auch, wie Feuchtigkeit und Kohlendioxidgehalt den Karbonatisierungsprozess beschleunigen, was für die Betonwiederverwendung entscheidend ist. Dervishaj sagt: „Dies ist besonders wichtig, wenn sich die Expositionsbedingungen während des Wiederverwendungsprozesses ändern.“ Karbonatisierung verringert die Alkalität des Betons und kann zur Korrosion der Bewehrung führen, z. B. wenn Beton von einer trockenen Innenumgebung in eine feuchte Außenumgebung verlegt wird. Die Forschung zeigt, dass die Anwendung von wasserabweisenden Beschichtungen oder silikonbasierten Behandlungen die Korrosionsrate um bis zu 70 % senken kann, was die strukturelle Integrität und Lebensdauer erheblich verlängert.
Laut der Studie können Betonbauteile sicher saniert und wiederverwendet werden, auch wenn sie bereits jahrzehntelang im Einsatz waren, solange ihr Zustand bewertet und geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Dervishaj hebt hervor, dass die Stärke dieser Forschung in ihrem ganzheitlichen Ansatz liegt, der sowohl den Beginn als auch das Fortschreiten der Korrosion simuliert und Faktoren wie Lagerungszeit, Expositionsänderungen und Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt. Gudmundsson ergänzt, dass diese Arbeit zur Entwicklung nationaler Standards für die Wiederverwendung von vorgefertigten Betonbauteilen wie Hohlplatten, Trägern und Stützen beiträgt und so die Nachhaltigkeit in der Bauindustrie vorantreibt.
Veröffentlichungsdetails: Autoren: KTH Royal Institute of Technology; Titel: „New research enables safe reuse of concrete“; veröffentlicht in: „Materials and Structures“ (2026).














