50 Minuten und 26 Sekunden: Der Zieleinlauf eines Roboters und der Sprung einer Industrie
2026-04-22 16:43
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Am Morgen des 19. April drang die Sonne durch den Dunst und fiel auf die schnurgerade Asphaltstraße. Mit dem Startschuss begann der 2026 Beijing Yizhuang Halbmarathon, zugleich der Halbmarathon für humanoide Roboter.Der autonome humanoide Roboter „Blitz

Auf der 21,0975 Kilometer langen Strecke starteten über 100 humanoide Roboter gemeinsam mit mehr als zehntausend menschlichen Läufern. Am Ende gewann ein Roboter namens „Blitz“ mit einer Nettozeit von 50 Minuten und 26 Sekunden den Roboter-Wettbewerb – mehr als sechs Minuten schneller als der menschliche Weltrekord im Halbmarathon.

Blenden wir ein Jahr zurück: Der erste Beijing Yizhuang Halbmarathon für humanoide Roboter war damals ebenfalls ein heißes Thema im Internet. Die Abschlussquote lag unter 30 Prozent, Stürze und Abweichungen von der Strecke waren an der Tagesordnung. Nur ein Jahr später, als die öffentliche Aufmerksamkeit erneut auf Yizhuang gerichtet ist, hat die anfängliche Neugier der Internetnutzer der Faszination Platz gemacht. Die stabile Leistung der Roboter verdeutlicht die rasante technologische und industrielle Entwicklung.

Anfang dieses Jahres sah der deutsche Bundeskanzler Merz in China live die Roboter-Show „Wu Bot", die bereits in der CCTV-Silvestergala gezeigt wurde, und lobte die hervorragende Darbietung. Bei immer mehr Gelegenheiten ernten Chinas humanoide Roboter Bewunderung von in- und ausländischen Beobachtern.

Durch dieses Ereignis können wir klar erkennen, dass sich Chinas humanoide Roboter im praktischen Einsatz schnell weiterentwickeln. Auf der globalen „Rennstrecke“ der Roboterindustrie liegt China in der Spitzenposition. Das aus Politik, Markt und Lieferkette bestehende System bietet eine starke Antriebskraft für den kontinuierlichen Fortschritt der Branche.

Chinas humanoide Roboter beschleunigen

Der beste Prüfstand für den Reifegrad einer Spitzentechnologie ist stets die reale Welt mit ihren Unsicherheiten. Im Gegensatz zu der relativ flachen und kontrollierbaren simulierten Strecke des Vorjahres, verlief die diesjährige Rennstrecke durch eine reale, komplexe und unstrukturierte Außenumgebung mit langen Geraden, aber auch Steigungen, scharfen Kurven und anderen Herausforderungen. Zudem mussten die Roboter mit stark wechselnden Lichtverhältnissen und wechselnden Straßenbedingungen zurechtkommen.

Während er den Robotern beim Laufen zusah, lobte Zhao Mingguo, Mitglied des Expertenkomitees für Wettbewerbsregeln und Forscher am Institut für Automatisierung der Universität Tsinghua, die diesjährige Gesamtleistung sehr. Auf die Bewegungen der Roboter zeigend, analysierte er, dass die Fortschritte allumfassend seien: Die Zuverlässigkeit der Hardware habe sich drastisch verbessert, ebenso wie die Laufgeschwindigkeit und die Bewegungssicherheit.

Ein besonders anschaulicher Indikator ist der Fortschritt in der Akkulaufzeit. „Im letzten Jahr mussten die Teams häufig die Batterien wechseln oder nachladen. Das diesjährige Siegerteam benötigte auf der gesamten 21-Kilometer-Distanz nur einen Batteriewechsel“, betont Zhao Mingguo. „Das zeigt einen qualitativen Durchbruch im Energiemanagementsystem und in der Effizienz der Kernmotoren.“

Das Team Rongyao Qitiandasheng (Ehre & Großer Heiliger, Äquivalent zum Himmel) war die „Überraschung“ des Wettbewerbs. Mit einem selbst entwickelten Motor und einem 0,95 Meter langen, biomimetischen Bein war ihr Roboter erfolgreich. Neben dem mit einer Goldmedaille geschmückten Roboter erklärte die Testentwicklungsingenieurin Du Xiaodi gegenüber Reportern, dass ihr Team bereits im letzten Jahr mit der technischen Anpassung begonnen habe, indem es die ausgereiften Technologien im Energiemanagement und der Präzisionssteuerung aus dem Mobilfunkbereich auf den Roboter übertragen habe.Langstreckenläufer und der autonome humanoide Roboter „Unitree H1

„Das Langstreckenlaufen im Freien erzeugt enorme Hitze. Unsere selbst entwickelte Flüssigkühlungstechnologie löst das Problem der Wärmeabfuhr bei hohen Temperaturen und gewährleistet den stabilen Betrieb des Roboters bei hohen Geschwindigkeiten“, sagt Du Xiaodi. In Zukunft werden die auf der Rennstrecke validierten Technologien vorrangig in den Einzelhandelsszenarien der Marke zum Einsatz kommen.

Für humanoide Roboter ist dieses Rennen eigentlich eine „Übergangszone" zwischen Labor und realen Anwendungsszenarien. Die Roboter streben nicht nur nach der Ziellinie auf der Rennbahn, sondern auch nach unserem Lebensraum. Wie Cai Jizheng, Direktor des Büros für Robotik und intelligente Fertigungsindustrie des Beijing Economic-Technological Development Area (Yizhuang), betonte, ist das Ziel des Wettbewerbs, technologische Innovationen durch reale Szenarien voranzutreiben und eine wichtige Validierungsplattform für die industrielle Umsetzung von Robotern zu schaffen.

Der Technologiesprung zur „globalen Spitzenposition“

Die beeindruckenden Leistungen auf der Rennstrecke sind im Kern ein lebendiges Abbild der substanziellen Durchbrüche, die die chinesische Industrie für humanoide Roboter in mehreren Kerntechnologien erzielt hat.

Der Durchbruch zeigt sich zunächst im „Gehirn“ des Roboters – der Fähigkeit zum autonomen Betrieb. In diesem Wettbewerb machten vollständig autonome Navigationsroboter etwa 40 Prozent der startenden Teams aus, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Einige besonders leistungsstarke Roboter konnten bereits bei hohen Geschwindigkeiten eine Körperneigung und flüssige Kurvenfahrten realisieren.

Fu Yili, stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Robotik der Polytechnischen Universität Harbin, interpretiert den Sprung der humanoiden Roboter vom „ferngesteuerten Torkeln“ zum „autonomen Laufen“ als Ergebnis des gemeinsamen Wirkens von inländischer Hardware, Algorithmusoptimierung und einer starken Industrieökologie. Global betrachtet liegt China bei der Gesamtauslieferungsmenge, der Produktionskapazität, der Vollständigkeit der Lieferkette und der Geschwindigkeit der kommerziellen Umsetzung vorn und hat sich zum „Zentrum für Serienproduktion und Anwendung" humanoiden Roboter entwickelt. Daten zeigen, dass 2025 weltweit etwa 17.000 humanoide Roboter ausgeliefert wurden, wovon chinesische Unternehmen 14.400 Stück beisteuerten – ein Anteil von über 84 Prozent.

Die Expansion der Industrie bedeutet eine stärkere technologische Stimme. Yang Zhen, außerordentlicher Forscher am Institut für Industrieökonomie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, wies darauf hin, dass China nicht mehr nur der weltweit größte Roboterproduzent sei, sondern sich auch zu einem bedeutenden Technologielieferanten entwickle. Der Anteil Chinas an Patenten und Unternehmen in diesem Bereich liege bei über 60 Prozent. In der Spitzendisziplin der humanoiden Roboter dominieren chinesische Unternehmen nahezu die Ranglisten.

„Der industrielle Größenvorteil hat sich in das Recht zur Standardsetzung verwandelt", erklärte Guo Jishun, General Manager der Wuhan Glan Robot Intelligence Robot Co., Ltd., Reportern. Derzeit hätten chinesische Unternehmen bereits die Führung bei der Erstellung des internationalen ISO-Standards für Datensätze humanoiden Roboter übernommen, was die gleichzeitige Weiterentwicklung von Standards und Serienproduktion ermögliche.

Neben den Durchbrüchen auf technologischer und normativer Ebene ist auch die Bewegung der chinesischen humanoiden Roboterindustrie hin zum Verbrauchermarkt beachtlich. Guo Jishun sagte, die Lokalisierungsrate der Kernkomponenten liege bereits bei über 90 Prozent, die Gesamtkosten eines Roboters seien auf etwa 100.000 RMB (ca. 12.700 Euro) gesunken – nur ein Fünftel bis ein Zehntel der Kosten vergleichbarer ausländischer Produkte. Die Kommerzialisierung für die breite Masse rücke somit in greifbare Nähe.

Eine seit langem vorbereitete systemische Explosion

Die rasante Entwicklung der chinesischen Industrie für humanoide Roboter ist das Ergebnis einer tiefgreifenden „Resonanz" von politischem Umfeld, industrieller Ökosystemkette und Marktnachfrage. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Durchbruch eines Unternehmens, sondern um eine lange vorbereitete systemische Explosion.

Wang Yaonan, Akademiker der Chinesischen Ingenieurakademie und Professor an der Fakultät für Elektro- und Informationsingenieurwesen der Universität Hunan, sieht in der zukunftsorientierten politischen Planung den stärksten Antrieb für die Industrie.

Der Fünfjahresplan für den Zeitraum des „15. Fünfjahresplans“ (2026-2030) sieht die vorausschauende Planung von Zukunftsbranchen vor und fördert Verkörperte Intelligenz (Embodied Intelligence) zu einem neuen wirtschaftlichen Wachstumspunkt. Humanoide Roboter sind eine wichtige Erscheinungsform der Verkörperten Intelligenz. Von den „Richtlinien zur Entwicklung der Roboterindustrie im 14. Fünfjahresplan“ bis zu den „Richtlinien zur innovationsorientierten Entwicklung humanoiden Roboter" hat China auf der obersten Planungsebene das Ziel klar definiert, Durchbrüche bei Kerntechnologien zu erzielen.

Gleichzeitig haben Peking, Shanghai, Hubei und andere Regionen nacheinander Investitionsfonds in Milliardenhöhe aufgelegt, um Verkörperte Intelligenz und humanoide Roboter als neue Produktivkräfte vorausschauend zu fördern. Dieses Modell – staatliche Vorabinvestitionen gefolgt von privatem Kapital – überbrückt effektiv das „Tal des Todes" zwischen Labor und Markt.

Wang Yaonan betont zudem, dass China über die weltweit umfassendste Lieferkette für Elektronik und mechanische Fertigung verfüge, was eine schnelle Integration aller benötigten Komponenten zu relativ geringen Produktionskosten ermögliche. Darüber hinaus habe China in den letzten Jahren bedeutende Durchbrüche in der Steuerungstechnik für humanoide Roboter erzielt, insbesondere in der autonomen Bewegungssteuerung und -stabilität.

Angetrieben von politischer Unterstützung, technologischem Fortschritt und dem großen inländischen Markt, behält die chinesische Industrie für humanoide Roboter ihren starken Wachstumstrend bei. Yang Zhen analysiert, dass Unternehmen auf der Wertschöpfungsstufe – gestützt auf den „Halbstunden-Lieferkettenkreis“ in den Regionen Jangtse-Delta und Perlfluss-Delta – Technologieiterationen mit extrem hoher Frequenz durchführen können. Auf der Nachfrageseite biete der riesige und vielfältige Markt immense Spielräume für Profit und Fehlertoleranz für technologische Verbesserungen.

Trotz der rasanten Entwicklung und der vielversprechenden Zukunft müssen wir dennoch nüchtern bleiben. „Der tatsächliche Einzug in Fabriken und Haushalte erfordert noch einen langen Weg“, räumt Fu Yili ein. Bei Basistechnologien wie hocheffizienten Gelenken, hochsensiblen Kraft- und Tastsensoren sowie Algorithmen für die Entscheidungsfindung der Verkörperten Intelligenz müssten Forscher weiterhin große Anstrengungen unternehmen.

Obwohl dieser Wettbewerb beendet ist, ist der Fortschritt der humanoiden Roboterindustrie noch lange nicht an der Ziellinie angekommen. Der vom Entwicklungsforschungszentrum des Staatsrates veröffentlichte „China Development Report 2025" prognostiziert, dass der chinesische Markt für Verkörperte Intelligenz bis 2030 ein Volumen von 400 Milliarden RMB (ca. 51 Milliarden Euro) erreichen und bis 2035 die Marke von einer Billion RMB (ca. 127 Milliarden Euro) überschreiten könnte. Die chinesische Roboterindustrie sprintet mit stetigen Schritten weiter auf die globalen technologischen Höchstleistungen zu.

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