de.wedoany.com-Bericht: Ein internationales Forschungsteam, bestehend aus der London School of Hygiene & Tropical Medicine, der Cornell University und weiteren Institutionen, hat in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature eine Studie veröffentlicht, die mithilfe von Modellen die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen einer Transformation des globalen Ernährungssystems bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die mit Landnutzungsänderungen verbundenen CO₂-Emissionen bis 2050 um 85 % reduziert werden könnten, wobei auch der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche sinken würde – allerdings stünden die Tierhaltung und der Pflanzenbau vor einer erheblichen Umverteilung der Wertschöpfung.

Die Studie wurde von den beiden genannten Hochschulen gemeinsam mit zehn Modellierungsexpertenteams durchgeführt und analysierte eine Transformation des globalen Ernährungssystems, die den Vorschlägen der EAT-Lancet-Kommission ähnelt. Die Modelle schätzen, dass die weltweite landwirtschaftliche Flächennutzung bei Umsetzung der Empfehlungen um 6 % gegenüber dem aktuellen Trend sinken könnte. Gleichzeitig könnte der Gesamtwert der tierischen Produktion im Vergleich zu 2020 um 42 % zurückgehen, was einer Reduktion von etwa 536 Milliarden Euro entspricht.
Am stärksten betroffen wäre die Produktion von Wiederkäuern, darunter Rinder, Schafe und Ziegen. Bis 2050 könnte der globale Wert dieses Sektors um etwa 70 % sinken, mit einem erwarteten Verlust von 233 Milliarden Euro; die weltweite Zahl der Wiederkäuer würde gegenüber 2020 um etwa 400 Millionen Tiere zurückgehen.
Die Produktion pflanzlicher Lebensmittel zeigt hingegen eine gegenläufige Entwicklung. Der kombinierte Produktionswert von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten könnte weltweit um 57 % steigen, was einem Zuwachs von etwa 757 Milliarden Euro entspricht. Zu den Hülsenfrüchten zählen Kulturen wie Bohnen, Erbsen, Linsen und Kichererbsen; die Studie weist darauf hin, dass diese Produkte wichtige Quellen für Protein und Ballaststoffe darstellen und ihre Produktion in der Regel weniger Ressourcen benötigt als viele tierische Lebensmittel.
Der Hauptautor der Studie, Matt Gibson, startete diese Arbeit an der Cornell University, bevor er zur London School of Hygiene & Tropical Medicine wechselte. Er erklärte, dass die Transformation des Ernährungssystems erhebliche gesundheitliche und ökologische Vorteile mit sich bringen würde, gleichzeitig aber auch eine tiefgreifende Umgestaltung der globalen Landwirtschaft bedeute, die Millionen von Landwirten und Lebensmittelproduzenten betreffe. Er wies weiter darauf hin, dass Regierungen schwierige Entscheidungen zwischen dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt treffen müssten, um den Herausforderungen etablierter Interessen im aktuellen Ernährungssystem zu begegnen, das derzeit weder die Bedürfnisse der Produzenten noch die der Verbraucher ausreichend erfülle.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Transformation nicht nur ein Umwelt- oder Public-Health-Thema ist, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben wird – einige Agrarsektoren würden schrumpfen, während andere weiter wachsen. Am Beispiel Europas könnte der Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion um 35 % sinken, was einem Rückgang von 162 Milliarden Euro entspräche; davon könnte die pflanzliche Produktion um 8 % (etwa 19 Milliarden Euro) und die tierische Produktion um 66 % (mit einem Verlust von etwa 143 Milliarden Euro) zurückgehen.









