Wenn sich Solarmodule über Ackerflächen erstrecken, verändert sich das Wachstumsumfeld der Pflanzen – Licht nimmt ab, Verdunstung sinkt, Bodenfeuchtigkeit steigt. Wie soll dann gedüngt werden? Wissenschaftler unter anderem vom französischen Centre national de la recherche scientifique (CNRS) liefern die Antwort: Agrivoltaik kann die Pflanzenproduktivität in wasserarmen Regionen steigern und die Umweltkosten senken, aber es gibt kritische Düngemittelschwellenwerte. Werden diese überschritten, treten Kompromisseffekte auf.
I. Die „Dünger-Blindstelle“ der Agrivoltaik
Agrivoltaik ist eine sich schnell entwickelnde Photovoltaik-Landwirtschafts-Synergietechnologie, die durch die Installation von Solarmodulen über Ackerflächen einen doppelten Nutzen aus „Stromerzeugung oben, Nahrungsmittelanbau unten“ zieht. Im Mittelmeerraum kombiniert diese Technologie saubere Energieerzeugung mit dem Potenzial für höhere Ernteerträge und schneidet besonders unter wasserknappen Bedingungen gut ab.
Doch eine Schlüsselfrage blieb unbeantwortet: Die Solarmodule verändern die Licht-, Temperatur- und Wasserbedingungen für das Pflanzenwachstum – wie muss dann die Düngung angepasst werden?
Dünger ist ein entscheidender Input für die Pflanzenproduktivität, aber auch ein Hauptverursacher von Umweltbelastungen – Überdüngung führt zu Stickstoffauswaschung und erhöhten Treibhausgasemissionen. Hat sich unter dem „neuen Mikroklima“, das die Solarmodule schaffen, die Reaktion der Pflanzen auf Dünger verändert? Gibt es einen optimalen Düngungsbereich? Dazu gab es bisher kaum Forschung.
II. Innovations-Highlights: 30 Jahre Klimadaten + Landoberflächenmodell decken erstmals Kopplungseffekte zwischen Agrivoltaik und Düngung auf
Am 1. März 2026 veröffentlichte ein Forschungsteam des CNRS, der École normale supérieure de Paris und anderer Institutionen in „npj Sustainable Agriculture“ eine Studie, die erstmals die Gesamtleistung von Agrivoltaik-Systemen unter verschiedenen Düngungsszenarien systematisch bewertet.
Highlight 1: ORCHIDEE-Landoberflächenmodell simuliert 30 Jahre Klimadaten der Iberischen Halbinsel
Das Team verwendete das ORCHIDEE-Landoberflächenmodell, um Klimadaten der Iberischen Halbinsel von 1991 bis 2020 zu simulieren und ein regionales Agrivoltaik-Modell zu erstellen. Dies ist die erste Kombination von Langzeit-Klimadaten mit einem gekoppelten Pflanzen-Photovoltaik-Modell, um die Systemreaktionen unter verschiedenen synthetischen Düngergaben zu untersuchen.
Highlight 2: Umfassende Bewertung mit vier Indikatoren – nicht nur Ertrag
Die Studie bewertete die Agrivoltaik-Systeme umfassend aus vier Perspektiven:
Pflanzenproduktivität: Ertragsleistung der Pflanzen unter den Solarmodulen
Stickstoffnutzungseffizienz: Output pro Einheit Stickstoffinput
Wassernutzungseffizienz: Wassereinspareffekt durch veränderte Evapotranspiration unter Modulen
Düngerinduzierte Treibhausgasemissionen: Veränderungen bei Emissionen wie Lachgas
Highlight 3: Entdeckung kritischer Schwellenwerte – Mehr Dünger ist nicht besser
Die Studie enthüllt eine Kernregel: Agrivoltaik kann die Pflanzenproduktivität unter wasserknappen Bedingungen steigern und die Umweltkosten senken. Allerdings gibt es einen Schwellenwert-Effekt für den Düngemitteleinsatz – Wird eine bestimmte Menge überschritten, treten Kompromisseffekte im System auf:
| Indikator | Unter Schwellenwert | Über Schwellenwert |
|---|---|---|
| Pflanzenertrag | Steigt | Abnehmender Grenznutzen |
| Stickstoffnutzungseffizienz | Steigt | Sinkt |
| Treibhausgasemissionen | Kontrolliert | Deutlich erhöht |
Dieser Schwellenwert variiert je nach Pflanzentyp und Klimabedingungen; es gibt keinen universellen „Einheitsstandard“.
Highlight 4: Regionale spezifische Strategien – Schluss mit „Erfahrungsdüngung“
Die Studie stellt klar: Regionale spezifische Strategien, die Klima, Pflanzenreaktion und Umweltauswirkungen kombinieren, sind nötig, um das nachhaltige Potenzial der Agrivoltaik zu optimieren. Das bedeutet, dass das Düngemanagement in der Photovoltaik-Landwirtschaft künftig „maßgeschneidert pro Standort und pro Kulturpflanze“ sein muss.
III. Technische Implikationen: Wie Solarmodule das Schicksal des Düngers verändern
Im Diskussionsteil analysierte das Team die physikalischen Mechanismen, wie Solarmodule die Düngewirkung beeinflussen:
Mikroklimaveränderung: Solarmodule reduzieren die Sonneneinstrahlung (bis zu 44 %), senken Bodentemperatur und Verdunstung, der Bodenwassergehalt steigt um 34 %. Diese Umweltveränderung beeinflusst direkt die Auflösung, Verlagerung und Aufnahme des Düngers durch die Pflanzen.
Licht-Stickstoff-Kopplungseffekt: Geringere Lichtintensität kann die Stickstoffassimilation hemmen, wodurch sich die Reaktionskurve der Pflanzen auf Stickstoff verschiebt und die optimale Stickstoffdüngermenge sich ändert.
Wasser-Nährstoff-Synergie: Höhere Bodenfeuchtigkeit erhöht die Düngemitteleffizienz, kann aber auch das Risiko der Stickstoffauswaschung beschleunigen, was eine präzise Steuerung erfordert.
IV. Anwendungsperspektiven: „Präzisionsdüngungs-Navigation“ für die Photovoltaik-Landwirtschaft
1. „Grüner Hebel“ für wasserarme Regionen
Die Studie zeigt, dass Agrivoltaik die Produktivitätssteigerung und Senkung der Umweltkosten unter Wasserknappheit am deutlichsten verbessert. Für Photovoltaik-Landwirtschaftsprojekte in wasserarmen Gebieten wie dem Mittelmeerklima oder trockenen Regionen Nordwestchinas liefert diese Studie eine wissenschaftliche Grundlage für präzise Düngung.
2. Integration mit Smart-Farming-Technologien
Die aufgedeckten Schwellenwert-Regeln können in intelligente Entscheidungssysteme (wie das AgriSmart-Framework) eingebettet werden, um in Kombination mit Echtzeit-Wetterdaten und Bodensensoren eine dynamische Präzisionsdüngung in der Photovoltaik-Landwirtschaft zu ermöglichen.
3. Leitlinien für die Gestaltung von Agrarflächen in Solarparks
Für neue Agrivoltaik-Projekte legt die Studie nahe: Die Lichtdurchlässigkeit und Anordnungsdichte der Solarmodule sollte basierend auf dem optimalen Düngungsbereich der Zielkulturpflanzen optimiert werden, um ein synergetisches „Licht-Dünger-Wasser“-Design zu erreichen.
4. Bereitstellung von Referenzdaten für den Kohlenstoffhandel
Die Studie quantifiziert die düngerinduzierten Treibhausgasemissionen und liefert damit eine wissenschaftliche Basis für die Kohlenstoffminderungsbilanzierung von Agrivoltaik-Projekten.
V. Bedeutung für die Branche: Von „Photovoltaik + Landwirtschaft“ zu „Photovoltaik × Landwirtschaft“
Der tiefere Wert dieser Studie liegt darin, die Agrivoltaik von einer „einfachen Überlagerung“ zu einer „tiefen Integration“ zu führen. Bisher wurde Agrivoltaik als physische Überlagerung von „Nahrungsmittelanbau unten, Stromerzeugung oben“ verstanden; diese Studie beweist, dass es komplexe physiologisch-ökologische Wechselwirkungen zwischen Solarmodulen und Pflanzen gibt, und das Düngemanagement ist der entscheidende Hebel für einen Multiplikatoreffekt.
Wie der korrespondierende Autor Philippe Drobinski sagte: „Regionale spezifische Strategien sind der Schlüssel zur Optimierung des nachhaltigen Potenzials der Agrivoltaik.“ Wenn die Photovoltaik-Landwirtschaft von „Erfahrungsanbau“ zu „datengetrieben“ übergeht, wird jedes Gramm Dünger unter den Solarmodulen maximale Wirkung entfalten.
Quelle: Centre national de la recherche scientifique (CNRS), École normale supérieure de Paris (ENS), École normale supérieure Paris-Saclay; Autoren: Lia Rapella, Nicolas Viovy, Davide Faranda, Philippe Drobinski; Titel: Optimizing fertilizer use for sustainable crops with Agrivoltaics in Mediterranean climates; Veröffentlicht in: npj Sustainable Agriculture (1. März 2026).













