KI übernimmt die „Kontrolle“ über das 6G-Kernnetz: Sitzungsverarbeitungseffizienz um 40 % gesteigert, Kommunikationsnetze treten in das „Zeitalter des autonomen Fahrens“ ein
2026-06-18 14:58
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In herkömmlichen Mobilfunknetzen muss für jedes Video-Telefonat und jede Aktualisierung eines Kurzvideos manuell ein dedizierter Dienstkanal eingerichtet werden. Heute hat ein Forschungsteam des koreanischen Elektronik- und Telekommunikationsforschungsinstituts (ETRI) die KI diese Aufgabe übernehmen lassen – das Netz benötigt keine manuellen Eingriffe mehr, sondern die KI entscheidet autonom, wie Sitzungen aufgebaut, Ressourcen zugewiesen und Pfade gesteuert werden.

Im Juni 2026 berichtete die neueste Ausgabe des IEEE Communications Magazine, dass das ETRI-Forschungsteam erfolgreich eine von künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerte Schlüsseltechnologie für das 6G-Kernnetz entwickelt hat und damit erstmals in Südkorea ein „intelligentes 6G-Kernnetz“ realisierte. Diese Technologie steigert die Sitzungsverarbeitungseffizienz um etwa 40 % im Vergleich zu herkömmlichen Architekturen und markiert den Beginn einer neuen Ära, in der sich Mobilfunknetze der nächsten Generation von „statischer Konfiguration“ hin zu „autonomer Intelligenz“ entwickeln.

Die „statische Sackgasse“ des herkömmlichen Kernnetzes

In Mobilfunknetzen bezeichnet eine „Sitzung“ einen Dienstkanal, den das Netz für eine bestimmte Dienstleistung einrichtet – sei es für ein Video-Telefonat, das Ansehen von Kurzvideos, das Spielen von Spielen oder das Herunterladen von Dateien. Das Netz muss für diese Dienste Sitzungen aufbauen und verwalten, einschließlich der Ressourcenzuweisung, der Auswahl von Übertragungspfaden sowie der Sicherstellung von Latenz und Bandbreite.

Allerdings basieren herkömmliche 5G-Kernnetze auf einer relativ starren Sitzungsverwaltungsstruktur, bei der der Datenfluss hauptsächlich durch vordefinierte Regeln gesteuert wird. Diese „statische“ Architektur zeigt im 6G-Zeitalter, das durch eine zunehmende Vielfalt an Dienstarten und strengere Anforderungen an die Dienstqualität gekennzeichnet ist, deutliche Schwächen wie mangelnde Flexibilität, geringe Ressourcennutzung und hohe Betriebskosten.

Wie kann das Kernnetz „lebendig“ gemacht werden, sodass es sich in Echtzeit an die unterschiedlichsten Dienstbedürfnisse anpassen kann? Dies ist zur zentralen Herausforderung der 6G-Technologieentwicklung geworden.

Die drei Säulen der KI-„Übernahme“ des Netzes

Das ETRI-Forschungsteam hat auf den drei Ebenen Architektur, Pfad und Strategie systemische Innovationen realisiert und dem 6G-Kernnetz ein „KI-Gehirn“ verpasst.

Architekturwandel: KI-native Steuerungs- und Benutzerebene

Das Team entwickelte eine KI-native Architektur für die Steuerungs- und Benutzerebene und durchbrach damit das Designparadigma der relativ isolierten Steuerungs- und Benutzerebenen in herkömmlichen 5G-Kernnetzen. Diese Architektur bettet KI tief in die Steuerungslogik des Netzes ein, sodass das Netz mit minimalen manuellen Eingriffen kontinuierlich lernen, autonom entscheiden und den Betrieb verwalten kann.

Pfadwandel: SRv6 ermöglicht „bedarfsgerechte Routenwahl“ für Daten

Das Forschungsteam integrierte die auf IPv6 basierende Segment-Routing-Technologie (SRv6) in das System, sodass das Netz basierend auf den Dienstmerkmalen automatisch Datenübertragungspfade konfigurieren und Sitzungen sowie Routen dynamisch aufbauen und anpassen kann. Im Vergleich zur herkömmlichen GTP-Architektur, die auf festen Übertragungspfaden beruht, ermöglicht die neue Technologie differenzierte Routen für verschiedene Anwendungsszenarien.

Strategiewandel: Verstärkungslernen treibt „dreistufige KI-Automatisierung“ an

Das Team führte einen auf Verstärkungslernen basierenden Strategieempfehlungsmechanismus in das Netzsteuerungssystem ein und realisierte eine dreistufige End-to-End-KI-Automatisierung. Dies bedeutet, dass die Sitzungsverwaltung und Verkehrssteuerung ohne menschliches Zutun automatisch ablaufen können und die KI netzweit autonom Steuerungsstrategien entwickeln und umsetzen kann.

Die dreistufige KI-Automatisierung bezeichnet die Evolutionsstufen des Netzes von manuell unterstützten Entscheidungen bis hin zum vollständig autonomen Betrieb. Das Erreichen der Stufe 3 bedeutet, dass die KI über vollständig autonome Entscheidungs- und Ausführungsfähigkeiten verfügt und Sitzungs- und Verkehrssteuerung ohne jegliche manuelle Eingriffe durchführen kann.

Die „harten Kennzahlen“ hinter der 40%igen Effizienzsteigerung

Laut offiziellen Angaben des ETRI zeigen die Leistungsbewertungsergebnisse, dass die Sitzungsverarbeitungseffizienz des neuen Systems im Vergleich zu herkömmlichen festen Routenpfaden auf Basis der GTP-Architektur um etwa 40 % gesteigert wurde.

Neben der Effizienzsteigerung ermöglicht das System auch eine präzise Steuerung von Dienstgüteparametern (QoS) wie Latenz und Bandbreite und kann differenzierte Dienstgarantien für verschiedene Dienstbedürfnisse bieten.

Derzeit wurde diese Architektur der Standardisierungsarbeitsgruppe 3GPP SA2 zur Diskussion vorgelegt. Im Zusammenhang mit dieser Technologie wurden über 60 Kernpatente angemeldet, und die Forschungsergebnisse wurden in führenden akademischen Zeitschriften wie dem IEEE Communications Magazine veröffentlicht.

Schaffung einer „intelligenten Basis“ für die 6G-Kommerzialisierung

Deutliche Senkung der Betriebskosten für Netzbetreiber

Durch die KI-gesteuerte Automatisierung werden manuelle Eingriffe im Netzbetrieb minimiert. Dies ist für Telekommunikationsbetreiber, die mit einem exponentiellen Anstieg der Netzkomplexität und ständig steigenden Betriebskosten konfrontiert sind, von großer Bedeutung. Autonome KI-Entscheidungen bedeuten weniger Betriebspersonal, schnellere Fehlerreaktionen und eine höhere Ressourcennutzung.

Unterstützung vielfältiger 6G-Dienstszenarien

Das 6G-Zeitalter wird eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsszenarien hervorbringen – von immersivem XR über holografische Kommunikation bis hin zu industriellem Internet und Kommunikation mit niedrigen Erdumlaufbahnen (LEO). Diese Technologie ermöglicht differenzierte Routen und Dienstgütegarantien für verschiedene Dienstbedürfnisse und bietet eine Kernnetzunterstützung für die Vision der „dienstprogrammierbaren“ 6G-Netze.

Vorbereitung der Integration von LEO-Satellitenkommunikation

Als nächsten Schritt plant das Forschungsteam die Entwicklung einer Technologie zur Integration von Kernnetz und Transportnetz, die die LEO-Satellitenkommunikation unterstützt, um eine neue 6G-Kernarchitektur zu schaffen, die Dienste, Berechnung und Netzwerke vereint. Dies bedeutet, dass zukünftige 6G-Netze nicht nur terrestrische Nutzer bedienen, sondern auch eine nahtlose Kommunikationsverbindung zwischen Himmel und Erde herstellen werden.

Die „koreanische Lösung“ im globalen Wettbewerb

Taesik Cheung, Leiter der Netzwerkforschungsabteilung des ETRI, erklärte: „Diese Arbeit ist ein wichtiger Meilenstein, der zeigt, dass sich das 6G-Kernnetz von einem einfachen Datenverarbeitungssystem zu einer intelligenten Plattform entwickelt, die von KI autonom entschieden und gesteuert wird.“

Die Forschung wurde durch das „6G-Kerntechnologie-Entwicklungsprogramm“ des koreanischen Ministeriums für Wissenschaft und IKT (MSIT) und des Instituts für Informations- und Kommunikationstechnologie-Planung und -Evaluierung (IITP) finanziert und in Zusammenarbeit mit großen koreanischen Telekommunikationsunternehmen wie SK Telecom, LG Uplus und SNETICT durchgeführt.

Von technologischen Durchbrüchen über Patentportfolios bis hin zu akademischen Veröffentlichungen und der Förderung internationaler Standards hat das ETRI-Team eine vollständige Innovationskette aufgebaut. Während der globale Wettbewerb um 6G-Standards in eine entscheidende Phase eintritt, wird diese KI-Kernnetztechnologie mit einer „40%igen Steigerung der Sitzungsverarbeitungseffizienz“ zu einer wichtigen Trumpfkarte Südkoreas auf der 6G-Rennstrecke.

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