de.wedoany.com-Bericht: Der deutsche Energieversorger E.ON hat angekündigt, noch vor Jahresende in seinem gesamten deutschen Verteilnetz standardisierte flexible Anschlussverträge (FCA) für Batteriespeichersysteme einzuführen. Diese Entscheidung basiert auf einem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt mit dem Speicherentwickler Eco Stor in der Stadt Böllingstedt in Schleswig-Holstein.
Dieses Vertragsmodell zielt darauf ab, den Netzanschlussprozess für Batterieprojekte zu beschleunigen, gleichzeitig Investitionssicherheit zu gewährleisten, Systemkosten zu senken und die Netzstabilität zu erhalten. Im Rahmen des flexiblen Anschlussvertrags wird der Betrieb der Batterie enger an die aktuellen Netzbedingungen und das Niveau der erneuerbaren Stromerzeugung angepasst. Bei Netzengpässen kann die Lade- und Entladekapazität vorübergehend begrenzt werden; bei geringer Netzauslastung kann die Batterie die verfügbare Kapazität hingegen besser nutzen. E.ON gibt an, dass dieses Modell Projekten den Anschluss an Standorte ermöglicht, die zuvor eine Netzverstärkung erfordert hätten.
E.ON plant, dieses Modell auf alle seine Verteilnetzbetreiber auszuweiten, deren Versorgungsgebiet etwa 65 % der Landfläche Deutschlands abdeckt. Laut E.ON haben seine Netzgesellschaften bereits Anschlusszusagen für rund 25 Gigawatt Batteriespeicherkapazität erteilt und Anschlussanträge für über 500 Gigawatt zusätzlicher Projekte erhalten. Das Unternehmen beabsichtigt zudem, die Anwendung flexibler Anschlussverträge auf andere Bereiche auszudehnen, darunter Co-Location-Projekte von Batterien und erneuerbaren Energien, Biogasanlagen sowie hybride Erneuerbare-Energien-Anlagen. E.ON betont, dass flexible Anschlussverträge die traditionelle Netzverstärkung ergänzen, nicht ersetzen sollen.
Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor und gleichzeitig Vorstandsmitglied des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES), erklärte, das Pilotprojekt habe gezeigt, wie Batterien helfen können, die Nutzung der bestehenden Netzinfrastruktur zu optimieren und mehr Anschlussmöglichkeiten zu schaffen. Er ist der Ansicht, dass standardisierte Verträge Investoren mehr Sicherheit bieten und die Integration erneuerbarer Energien sowie den Speicherausbau unterstützen könnten.
Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) begrüßt die breitere Nutzung flexibler Anschlussverträge, warnt jedoch gleichzeitig, dass bei der Einführung eines bundesweiten Rahmens ohne ausreichende Konsultation der Speicherbranche Vorsicht geboten sei. Der Verband weist darauf hin, dass E.ON in der frühen Phase der Entwicklung des standardisierten Modells für flexible Anschlussverträge Branchenteilnehmer eingebunden habe, diesen Dialog jedoch vor der Ankündigung der bundesweiten Einführung nicht während des gesamten Prozesses aufrechterhalten habe. Urban Windelen, Geschäftsführer des BVES, erklärte, flexible Anschlussverträge könnten helfen, den Batterieausbau zu beschleunigen und Netzengpässe pragmatisch zu lösen, ihr Design müsse jedoch wirtschaftliche Tragfähigkeit, technische Transparenz und Verhältnismäßigkeit wahren.
Nach Angaben des Verbands deuten die im Pilotprojekt offengelegten Bedingungen darauf hin, dass einige der vorgeschlagenen Betriebsbeschränkungen für viele Speicherentwickler kommerziell oder betrieblich nicht tragfähig sein könnten. Der BVES warnt zudem, dass flexible Anschlussverträge kein Ersatz für Investitionen in die Digitalisierung, Transparenz und Modernisierung des Netzmanagements sein sollten. Der Verband ist der Ansicht, dass der vollständige Netzanschluss weiterhin die Standardoption für Batterieprojekte bleiben sollte. Der BVES fordert einen standardbasierten Rahmen, der an die lokalen Netzbedingungen angepasst werden kann und nur wirklich notwendige Beschränkungen anwendet, anstatt einen starren bundesweiten Vertrag zu verwenden. Darüber hinaus ist der Verband der Meinung, dass Entwickler, die über flexible Anschlussverträge Netzdienstleistungen erbringen, entsprechende Ermäßigungen der Netznutzungsentgelte erhalten sollten.
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