de.wedoany.com-Bericht: Der globale LNG-Markt befindet sich in einem strukturellen Wandel, wobei geopolitische Risiken Käufer dazu veranlassen, Energiesicherheit über Kosten zu stellen, was die Marktposition nordamerikanischer Anbieter langfristig stärken könnte. Diese Einschätzung äußerte die Ratingagentur Morningstar DBRS auf einer Kreditkonferenz in Calgary.
Ravikanth Rai, Managing Director und stellvertretender Leiter des Bereichs Energie- und Rohstoffbewertung bei Morningstar DBRS, wies darauf hin, dass die Unberechenbarkeit des Iran-Konflikts in den letzten drei Monaten bedeute, dass selbst ein Friedensabkommen keine langfristige Stabilität garantieren könne. Geopolitische Risiken würden den LNG-Handel weiterhin beeinflussen. Da Beschaffer ihre Lieferketten aus Sicht der Energiesicherheit neu bewerten, dürften Lieferquellen aus politisch stabilen Regionen bevorzugt werden.
Die Straße von Hormus trug zuvor etwa 20 % des weltweiten Rohöl- und Seetransports von Erdgas. Daten von Morningstar DBRS zeigen, dass die Tankerpassagen in dieser Wasserstraße nach Ausbruch des Konflikts um rund 80 % eingebrochen sind. Angriffe auf katarische LNG-Exportanlagen führten zudem zu erheblichen Versorgungslücken. Katar trägt fast ein Fünftel zur weltweiten LNG-Produktion bei, und die beschädigten Kapazitäten könnten drei bis fünf Jahre benötigen, um vollständig wiederhergestellt zu werden.
Andrew O'Conor, Senior Vice President für Energie- und Rohstoffbewertung, erklärte, dass die globale Öllücke durch diese Versorgungsunterbrechung etwa 8 bis 10 Millionen Barrel pro Tag betrage, was 9 % der weltweiten Gesamtnachfrage entspreche. Zur Kompensation der Produktionsausfälle wurden sowohl kommerzielle als auch strategische Reserven angezapft. Schätzungen von Morningstar DBRS zufolge sind die globalen Rohölbestände um 3 % bis 5 % gesunken, die Bestände an raffinierten Produkten sogar um 8 % bis 10 %, was die Pufferfähigkeit des Marktes gegenüber weiteren Schocks deutlich verringert hat.
Obwohl Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über Pipelinesysteme einen Teil ihres Rohöls unter Umgehung der Straße von Hormus exportieren können, fehlt den LNG-Exporten der Golfregion eine vergleichbare alternative Route.
Der nordamerikanische Erdgasmarkt ist derzeit relativ gut versorgt. Die US-amerikanischen Gasspeicher liegen etwa 7 % über dem Fünfjahresdurchschnitt, die kanadischen etwa 4 % darüber. Die anhaltend hohe Produktion in den Becken von Permian, Montney und Duvernay stützt das Angebot und drückt die regionalen Preise. Gleichzeitig sind die LNG-Benchmarkpreise in Europa und Asien seit Ausbruch des Konflikts um rund 50 % gestiegen, doch die Verflüssigungsanlagen in den USA und Kanada arbeiten nahezu an ihrer Kapazitätsgrenze, sodass sie kurzfristig nur begrenzt von den höheren internationalen Preisen profitieren können.
Morningstar DBRS betont, dass der Konflikt die Bedenken des Marktes hinsichtlich der Konzentration des Angebots und maritimer Engpässe verstärkt habe, was Käufer dazu bewege, Versorgungssicherheit und geopolitische Stabilität stärker zu gewichten. Die kanadische LNG-Industrie profitiert von kürzeren Schifffahrtswegen von British Columbia direkt nach Asien, die die Straße von Hormus und den Panama-Kanal umgehen. Die USA wiederum behalten ihre Vorteile durch reichhaltige Erdgasvorkommen, ein gut ausgebautes Pipelinesystem und eine kontinuierlich wachsende Verflüssigungskapazität. Diese Faktoren festigen gemeinsam die Position Nordamerikas als bevorzugte LNG-Lieferquelle.
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