de.wedoany.com-Bericht: Das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen Airspan Networks (spezialisiert auf private 4G-/5G-Netze und 5G-Netze sowie Infrastruktur für offene Funkzugangsnetze) gab am 4. Juni 2026 seinen Beitritt zur ARES-Allianz (Asymmetric Response European System) bekannt. Dieser Schritt unterstreicht die strategische Frage, vor der Europa steht: Wie kann ein autonomes, resilientes und interoperables Kommunikationssystem für Verteidigung, öffentliche Sicherheit und kritische Infrastrukturen aufgebaut werden?

ARES wird hauptsächlich von deutschen und niederländischen Unternehmen (insbesondere Oramach und iVent Mobile) vorangetrieben und zielt darauf ab, terrestrische Netze, Satellitenkommunikation, Luft-Boden-Verbindungen und sichere digitale Dienste in einen einheitlichen Betriebsrahmen zu integrieren. Ziel ist es, militärische Nutzer, Grenzschutzbehörden, Rettungsdienste, Katastrophenschutzorganisationen und Betreiber kritischer nationaler Infrastrukturen zu bedienen und eine resiliente Kommunikationsfähigkeit bei militärischen Operationen, Cyberangriffen, elektronischer Kriegsführung, Naturkatastrophen und großflächigen Notfällen sicherzustellen. Airspan bringt als Technologieanbieter seine Erfahrung in privaten Funknetzen, taktischer Kommunikation, Open-RAN-Technologie und einsetzbarer 4G-/5G-Infrastruktur ein, übernimmt jedoch nicht die Rolle eines strategischen Systemarchitekten oder Hauptauftragnehmers. Seine Beteiligung verändert das Gleichgewicht der europäischen Verteidigungsindustrie nicht.
ARES ergänzt die EU-Initiative für souveräne Satellitenkommunikation IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite). IRIS² zielt auf sichere Satellitenkommunikation und souveräne weltraumgestützte Konnektivität ab, während ARES als integrierender und orchestrierender Rahmen über mehrere Kommunikationsdomänen wie Boden und Weltraum hinweg fungiert. Darüber hinaus bietet die bereits betriebene große Konstellation von Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn von Eutelsat OneWeb Europa bestehende strategische Weltraumressourcen. Die europäische Kommunikationslandschaft umfasst bereits IRIS², Eutelsat OneWeb, nationale militärische Kommunikationssysteme, terrestrische Telekommunikationsinfrastruktur und neue Integrationsinitiativen wie ARES. Die Herausforderung verlagert sich nun auf Fragen der Governance und Interoperabilität.
Zu den strukturellen Zwängen, vor denen Europa steht, gehören begrenzte Mittel und mehrere konkurrierende Prioritäten (wie Modernisierung der Verteidigung, digitale Souveränität, Weltraumprogramme usw.), was bedeutet, dass Wettbewerb zwischen Projekten, Architekturen und Industrieallianzen unvermeidlich ist. Das derzeitige europäische Ökosystem der Verteidigungskommunikation wird weiterhin von großen Industrieakteuren wie Airbus, Thales, Leonardo, Eutelsat, SES, Nokia und Ericsson dominiert, wobei Airbus, Thales und Leonardo aufgrund ihrer Fähigkeit zur Integration kompletter Systeme eine zentrale Position einnehmen. Anders als das US-Modell (bei dem das Verteidigungsministerium als systemischer Föderator fungiert und eine Kombination aus industrieller Vielfalt und architektonischer Kohärenz erreicht) fehlt es Europa an einem klaren Föderator, der oberhalb einzelner Projekte und Hauptauftragnehmer agiert, um Standards zu definieren und konkurrierende Interessen zu schlichten. Dies könnte zu Projektüberschneidungen, Normenkonflikten und Investitionsdoppelungen führen.
Die bloße Einrichtung eines Föderators allein garantiert jedoch keinen Erfolg. Das Projekt des militärischen Transportflugzeugs Airbus A400M liefert eine wichtige Lehre: Trotz multinationaler politischer Unterstützung, gemeinsamer Governance-Struktur und klarem Hauptauftragnehmer führten Anforderungsausweitung, politische Arbeitsverteilung und übermäßige Systemkomplexität zu erheblichen Verzögerungen, technischen Schwierigkeiten und Budgetüberschreitungen. Dies zeigt, dass eine erfolgreiche europäische Kommunikationsarchitektur für kritische Missionen möglicherweise vier Bedingungen gleichzeitig erfüllen muss: einen systemischen Föderator, strenge Architekturdisziplin (Kontrolle der Anforderungsakkumulation), eine leistungsbasierte industrielle Verteilung (unter Berücksichtigung politischer Souveränitätsaspekte) sowie modulares und interoperables Design. Die Kernfrage ist, ob Europa einen Rahmen schaffen kann, der in der Lage ist, Prioritäten effektiv zu setzen und langfristige Konsistenz zu wahren, während er die Beziehungen zwischen Souveränität und Effizienz, Koordination und nationaler Flexibilität ausbalanciert.
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