de.wedoany.com-Bericht: Die indische Regierung plant ein finanzielles Unterstützungspaket für Langzeitspeichertechnologien (LDES), um die wachsende Kluft zwischen dem rasanten Ausbau erneuerbarer Energien und der unzureichenden Speicherkapazität zu schließen. Das Paket ist Teil der „India Battery Storage Vision 2047“ und wird gemeinsam vom Ministerium für Elektrizität und dem Ministerium für Schwerindustrie entwickelt. Es soll vor dem Haushaltsjahr 2028 vorgelegt werden, wobei das Elektrizitätsministerium (Ministry of Power) die administrative Aufsicht übernimmt.

In den letzten fünf Jahren hat Indien 178,88 Gigawatt (GW) an erneuerbarer Kapazität hinzugefügt, sodass saubere Energie nun 51,5 % der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität des Landes ausmacht. Bis 2030 sollen weitere rund 100 GW hinzukommen. Die Speicherinfrastruktur konnte jedoch nicht mit dem schnellen Ausbau der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten Schritt halten, was die Fähigkeit des Stromnetzes einschränkt, grünen Strom außerhalb der Sonnen- und Windspitzenzeiten effizient aufzunehmen und zu verteilen. Nach Schätzungen der Central Electricity Authority (CEA) wird Indien bis zum Haushaltsjahr 2027 eine Batteriespeicherkapazität von etwa 47 Gigawattstunden (GWh) benötigen, bisher wurden jedoch nur 795 Megawattstunden (MWh) installiert, hauptsächlich in Form von Kurzzeit-Batteriespeichersystemen (BESS).
Im Gegensatz zu Batteriespeichersystemen, die typischerweise 1 bis 4 Stunden Strom liefern können, bieten Langzeitspeichertechnologien eine Stromversorgung von 8 Stunden oder mehr. Dazu gehören Pumpspeicher, Redox-Flow-Batterien, Druckluftspeicher (CAES) und fühlbare Wärmespeicher. Wie eingeweihte Kreise berichten, arbeitet die Regierung an einem Viability-Gap-Funding-Mechanismus (VGF) für Langzeitspeicher und erwägt möglicherweise auch Zinsvergünstigungen, um den Zugang zu Liquidität zu verbessern und die Technologieeinführung zu beschleunigen. Ein Beamter erklärte, dass eine starke Abhängigkeit von Kurzzeitspeichern die Energiesicherheit schwäche, die Systemkosten erhöhe und die Machbarkeit einer 100-prozentigen Durchdringung mit grünem Strom einschränke. Langzeitspeicher seien für die optimale Integration erneuerbarer Energien von entscheidender Bedeutung. Ein anderer Beamter fügte hinzu, dass hohe Speicherkosten und eine geringe technologische Reife im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batteriesystemen die großflächige Einführung von Langzeitspeichertechnologien bisher behindert hätten.
Neben finanziellen Anreizen bereitet das Elektrizitätsministerium auch einen breiteren politischen Rahmen vor. Dazu gehören eine technologieneutrale Definition für Langzeitspeicher, die Aufnahme von Speicherzielen in den National Electricity Plan (NEP) und den Energy Storage Obligation (ESO)-Rahmen sowie die Erstellung einer nationalen Einführungs-Roadmap. Darüber hinaus sind Pilotprojekte geplant, um die Leistung von Langzeitspeichertechnologien unter verschiedenen Netzgegebenheiten zu testen und Geschäftsmodelle zu etablieren. Derzeit gibt es in Indien zwei Tranchen von Viability-Gap-Funding für Batteriespeicherprojekte mit einem Gesamtvolumen von 43,22 GWh. Zudem werden Pumpspeicher und zugehörige Batteriespeicherprojekte bis Juni 2028 von den Gebühren für das zwischenstaatliche Übertragungssystem (ISTS) befreit. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren auf an das Bundesministerium für Elektrizität und das Ministerium für Schwerindustrie gesendete Anfragen noch keine Antworten eingegangen.
Diese politische Initiative Indiens spiegelt einen globalen Trend hin zu Langzeitspeicherlösungen wider. Laut einem Weißbuch des Long Duration Energy Storage Council vom April 2026 befinden sich die Regierungen des Vereinigten Königreichs, Deutschlands, der US-Bundesstaaten Kalifornien und New York sowie des australischen Bundesstaates New South Wales in unterschiedlichen Phasen der Bewertung von Langzeitspeicherdiensten. Der Rat empfiehlt, dass Langzeitspeichersysteme durch die Speicherung überschüssiger Energie das Problem der erzwungenen Abregelung von Solarstrom in Indien lösen könnten. Im vergangenen Jahr waren mehrere Projekte in Rajasthan aufgrund fehlender Übertragungskapazitäten von erheblichen Abregelungen betroffen. Laut einem Bericht des Energiewende-Thinktanks Ember wurden zwischen Mai und Dezember 2025 in Indien 2,3 Terawattstunden (TWh) Solarstrom abgeregelt, was etwa 18 % der durchschnittlichen monatlichen Solarstromerzeugung von 13 TWh entspricht.
Alekhya Datta, Direktor der Abteilung für Elektrizität und erneuerbare Energien am The Energy and Resources Institute, erklärte, dass Batteriespeicher in puncto Geschwindigkeit hervorragend seien, während Langzeitspeicher für die Ausdauer entscheidend seien. Langzeitspeicher seien nicht in allen Szenarien Batteriespeichern überlegen, aber besser geeignet, wenn das Netz über 6 Stunden bis zu mehr als 24 Stunden und in manchen Fällen sogar über Tage oder Jahreszeiten hinweg kontinuierlich mit Strom versorgt werden müsse. Dies sei wichtig für verlängerte Abendspitzen, Zeiten mit geringer Sonnen- oder Windeinstrahlung, die Festigung erneuerbarer Energien, die Ressourcenadäquanz, die Entlastung von Engpässen und die Widerstandsfähigkeit bei langanhaltenden Stressereignissen. Die Wirtschaftlichkeit bleibe jedoch eine Herausforderung. Pumpspeicherprojekte erforderten typischerweise Investitionen von 5 bis 9 Milliarden Rupien pro GWh, während Redox-Flow-Batteriesysteme mit einer 8-Stunden-Speicherkonfiguration etwa 21,04 Milliarden Rupien pro GWh kosteten.
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