de.wedoany.com-Bericht: Das australische Cleantech-Unternehmen MCi Carbon hat auf Koorgang Island in Newcastle die multifunktionale Kohlenstoffraffinerie „Myrtle" offiziell in Betrieb genommen. Es handelt sich nach eigenen Angaben um die weltweit erste Anlage dieser Art, die Kohlendioxidemissionen in für die Industrie nutzbare Materialien umwandeln soll. Der australische Minister für Klimawandel und Energie, Chris Bowen, nahm die Eröffnung der Anlage vor.

MCi Carbon erklärte, die Anlage „Myrtle" basiere auf 15 Jahren Forschung und Entwicklung. Sie nutze die Mineralisierungstechnologie, um Kohlendioxid mit minderwertigen mineralischen Rohstoffen in kohlenstoffhaltige Materialien umzuwandeln, die in Produkten wie Beton, Gipskartonplatten, Farben, Papier, Glas und Klebstoffen eingesetzt werden können. Das Unternehmen betonte, dass das Verfahren den Kohlenstoff dauerhaft in Materialien binde, die bereits in der globalen Lieferkette verwendet würden.
Der Gründer und CEO von MCi Carbon, Marcus Dawe, bezeichnete die Technologie als einen kommerziellen Weg für die Schwerindustrie, der sowohl Emissionsreduktionen als auch Einnahmen ermögliche. Er wies darauf hin, dass die Plattform durch die Umwandlung von Kohlendioxid und minderwertigen Mineralien in kohlenstoffhaltige Materialien, die von der Zement-, Stahl-, Kunststoff-, Glas- und Bauindustrie beschafft werden, die Dekarbonisierung als lohnende Investition und nicht als zu verwaltende Kosten umdefiniere. Die Anlage sei als Validierungsplattform für Industriepartner konzipiert, die schnell verschiedene Kohlendioxidquellen und Rohstoffe testen und die erforderlichen technischen, produktbezogenen und kommerziellen Daten liefern könne.
Minister Bowen erklärte, das Projekt zeige die Rolle regionaler Industriezentren beim Übergang zu emissionsarmen Fertigungsprozessen. MCi Carbon gab an, dass die Technologie die Emissionen schwer zu reduzierender Industrien je nach Anwendungsszenario um bis zu 90 % senken könne und die Dekarbonisierung als Investitionsmöglichkeit und nicht als Compliance-Kosten positioniere. Das Unternehmen erwartet, dass der globale Markt für kohlenstoffhaltige Baumaterialien bis 2050 jährlich 1 Billion US-Dollar erreichen könnte.
Die Anlage „Myrtle" kann jährlich bis zu 2.500 Tonnen Kohlendioxid verarbeiten und bis zu 10.000 Tonnen verkaufsfähige Materialien produzieren. Das Unternehmen gab an, dass die Plattform so konzipiert sei, dass sie auf die Verarbeitung von mehreren Hunderttausend Tonnen Kohlendioxid pro Jahr skaliert werden könne. Zu den industriellen Unterstützern des Projekts gehören der Gründungsinvestor Orica sowie die internationalen Partner ITOCHU Corporation, Mizuho Bank, Sumitomo Mitsui Trust Bank und Mitsubishi UBE Cement Corporation. Der erste kommerzielle Kunde von MCi Carbon ist RHI Magnesita, das bereits in die Technologie investiert hat und plant, bis 2030 eine kommerzielle Fabrik zu errichten.
Sophia Hamblin Wang, Chief Operating Officer von MCi Carbon, erklärte, die Anlage beweise, dass Kohlenstoff in Produktionsinputs umgewandelt werden könne, und betonte, dass die Technologie ohne einen Kohlenstoffpreis auskomme und ihr Geschäftsmodell eigenständig sei. Die in „Myrtle" hergestellten Materialien werden bereits in ersten Versuchen mit Industriepartnern wie Boral in Betonanwendungen getestet; an den entsprechenden Forschungsprojekten sind die Verkehrsbehörde von New South Wales und die University of Technology Sydney beteiligt.
MCi Carbon wies darauf hin, dass der Mineralisierungsprozess Kohlendioxid dauerhaft in stabilen Mineralverbindungen binde, ohne Abfall zu erzeugen oder eine langfristige Überwachung zu erfordern. Die Technologie könne direkt an Industriestandorten oder über zentrale Hub-and-Spoke-Anlagen eingesetzt werden. Das Unternehmen schätzt, dass „Myrtle" im Vollbetrieb bis zu 50 technische Arbeitsplätze unterstützen könnte, und erklärte, dass die breitere Plattform im Zuge des Wandels der Fertigungs-, Zement-, Stahl- und Chemieindustrie neue Rollen schaffen könne. Das Projekt „Myrtle" erhielt über Bundes- und Landesprogramme von New South Wales staatliche Unterstützung in Höhe von über 40 Millionen Australischen Dollar.
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