de.wedoany.com-Bericht: Das brasilianische Ministerium für Bergbau und Energie wird am 2. und 4. Dezember die ersten Auktionen des Landes für Batteriespeichersysteme (BESS) durchführen. Markterwartungen zufolge könnte die buchbare verfügbare Kapazität von ursprünglich geschätzten 2 GW auf bis zu 6 GW steigen. Dieser Schritt markiert ein neues Kapitel in der Stromwirtschaft, und die Branche erwartet, dass diese Technologie eine strategische Rolle im Betrieb des nationalen Verbundsystems (Sistema Interligado Nacional, SIN) spielen wird, um die Flexibilität und Sicherheit des Stromnetzes vor dem Hintergrund des rasanten Ausbaus erneuerbarer Energien zu erhöhen.

Ursprünglich hatte das brasilianische Ministerium für Bergbau und Energie angegeben, dass mit diesen Auktionen mindestens 2 GW Kapazität vergeben werden könnten. Die tatsächlich gebuchte Menge der zweiten Kapazitätsreserve-Auktion (LRCAP) im März dieses Jahres betrug 19,5 GW und lag damit unter den zuvor vom Markt erwarteten 20 bis 25 GW. Laut Analyse von Débora Yanasse, Partnerin der Anwaltskanzlei Tauil & Chequer (in Zusammenarbeit mit Mayer Brown), könnte die verbleibende Kapazität durch Speichersysteme gefüllt werden, sodass die theoretisch buchbare verfügbare Kapazität der BESS-Auktionen 6 GW erreicht, was die Attraktivität des Marktes erhöht.
Trotz des großen Buchungspotenzials gibt die Auktionsstruktur Anlass zu Bedenken bei den Teilnehmern. Die Regierung hat die Ausschreibung in zwei Runden aufgeteilt: eine speziell für Projekte, die lokalisierte Inhalte verwenden, und eine andere, die für alle Systeme offen ist. Der Markt sorgt sich um die Verteilung der Nachfrage, da Projekte mit lokalisierten Inhalten höhere Kosten verursachen und bei Preissenkungen weniger wettbewerbsfähig sind, was zu einer größeren Belastung für die Verbraucher führen könnte. Yanasse wies darauf hin, dass die Politik zur Förderung der heimischen Industrie zwar sinnvoll sei, jedoch die Kosten für die Verbraucher gegen die sozialen Vorteile der Industrialisierung abgewogen werden müssten.
Auch der zeitliche Ablauf des Netzanschlusses gibt Anlass zur Sorge. Die technische Stellungnahme, die die verbleibende Kapazität der Anschlusspunkte des nationalen Verbundsystems angibt, wird gemeinsam vom brasilianischen nationalen Netzbetreiber (Operador Nacional do Sistema Elétrico, ONS) und der Energie-Forschungsgesellschaft (Empresa de Pesquisa Energética, EPE) erstellt und soll am 30. September veröffentlicht werden. Die technische Registrierungsfrist für Projekte endet jedoch am 31. Juli – eine Differenz von etwa zwei Monaten. Diese zeitliche Planung dient der Abstimmung mit der ersten Anschlussperiode der nationalen Politik für den Zugang zum Übertragungssystem (Política Nacional de Acesso ao Sistema de Transmissão, PNAST). Yanasse warnte, dass die zeitliche Lücke zwischen der Projektregistrierung und der Bekanntgabe der verfügbaren Kapazität die Wettbewerbsfähigkeit der Gebote beeinträchtigen und Investitionen behindern könnte. Sie betonte, dass die Anschlusspunkte ein zentrales Element der Projektentwicklung seien und ein Mangel an Vorhersehbarkeit das Risiko erhöhen könne. Die Branche plädiert dafür, die Übertragungskapazität vor der Festlegung der Anschlusspunkte bekannt zu geben oder zu erlauben, die ursprünglich gewählten Anschlusspunkte nach Veröffentlichung der technischen Stellungnahme zu ändern.
Obwohl das Gesetz Nr. 15.269/2025 die regulatorische Grundlage für Speicher schafft und die brasilianische nationale Elektrizitätsbehörde die Vorschriften für unabhängig und hybrid installierte Batterieprojekte genehmigt hat, bestehen weiterhin erhebliche Fragen zur Kostenverteilung. Ein Schwerpunkt liegt auf der ERCAP-Gebühr, die zur Finanzierung der Verträge für Speichersysteme dient. Erste Signale deuten darauf hin, dass diese Gebühr möglicherweise von den Stromerzeugern getragen wird, eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus. Yanasse schätzt, dass regulatorische Unsicherheiten Raum für künftige Anfechtungen und Streitigkeiten lassen könnten. Sie wies auch darauf hin, dass kürzlich erlassene Vorschriften die Doppelbelastung von durch den ONS gesteuerten Batteriesystemen beseitigt haben, was ein großer Fortschritt für die wirtschaftliche Machbarkeit von Projekten sei.
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