de.wedoany.com-Bericht: Mauretanien hat am 29. Juni in Nouakchott offiziell das nationale Cloud-Projekt gestartet, das darauf abzielt, die digitalen Daten und Dienste der Regierungsverwaltung in einer Infrastruktur im eigenen Land zu hosten. Die Auftaktveranstaltung fand im nationalen Rechenzentrum von Nouakchott statt.

Die nationale Cloud wird den Regierungsbehörden gemeinsame Ressourcen in den Bereichen Netzwerk, Server, Speicher und Anwendungen bereitstellen. Ziel ist es, die nationalen digitalen Dienste schrittweise zu integrieren und die derzeit dezentralen Infrastrukturen der einzelnen Behörden zu ersetzen. Die Anlage basiert auf dem nach Tier III zertifizierten nationalen Rechenzentrum von Nouakchott, das im Rahmen des West African Regional Digital Integration Program (WARDIP) errichtet wurde.
Derzeit hat das Ministerium noch keinen konkreten Zeitplan für die tatsächliche Migration der Anwendungen und Datenbanken der Behörden in die neue nationale Cloud veröffentlicht, ebenso wenig wie Angaben zu deren Speicherkapazität oder den Gesamtkosten der Infrastruktur.
Die nationale Cloud ist Teil des digitalen Transformationsprozesses, der seit der Gründung des für die digitale Transformation zuständigen Ministeriums im Jahr 2021 vorangetrieben wird. Die nationale Agenda für die digitale Transformation 2022–2025 hat sich zum Ziel gesetzt, den Mehrwert des digitalen Sektors auf rund 700 Millionen US-Dollar zu steigern, was fast 8 % des mauretanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Das Budget des Ministeriums für 2026 beträgt 24,2 Millionen US-Dollar, ein Anstieg von 104,6 % gegenüber dem vorherigen Haushaltsjahr. Derzeit laufen Verhandlungen mit der Islamischen Entwicklungsbank (Banque islamique de développement) über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 50 Millionen US-Dollar.
Die digitalen Indikatoren des Landes liegen weiterhin auf einem niedrigen Niveau: Laut DataReportal belegt Mauretanien im UN E-Government Development Index (EGDI) 2024 den 165. Platz, und die Internetverbreitung lag Anfang 2026 bei 37,4 %. Die nationale Strategie für digitale Sicherheit 2022–2025, die den Aufbau eines nationalen Zentrums für Cybersicherheitsvorfälle und Notfallreaktion (CERT/CSIRT) vorsieht, befindet sich noch in der Umsetzung.
Mauretaniens Vorstoß ist Teil des Trends zur Lokalisierung digitaler Infrastruktur in Afrika. Laut dem Bericht „Africa Data Centres 2026“ der Africa Data Centres Association (ADCA) beträgt die derzeit aktive IT-Kapazität auf dem afrikanischen Kontinent 360 Megawatt, weitere 238 Megawatt sind im Bau und 656 Megawatt in Planung. Die Gesamtkapazität könnte bis 2030 nahezu 1,2 Gigawatt erreichen. Allerdings entfallen auf Afrika nur etwa 0,6 % der globalen IT-Kapazität, während es fast ein Fünftel der Weltbevölkerung beherbergt.
Auf institutioneller Ebene befürwortet die auf dem afrikanischen Telekommunikationsministergipfel im April 2026 verabschiedete „Algier-Erklärung zur afrikanischen Telekommunikationssouveränität“ die Entwicklung souveräner Cloud-Lösungen und Rechenzentren auf dem Kontinent, als Teil der „Afrikanischen Digitalen Transformationsstrategie 2020–2030“ der Afrikanischen Union. Laut ADCA haben bereits über 40 afrikanische Länder Datenschutzgesetze erlassen, und rund 15 Länder haben eine spezielle nationale Strategie für Künstliche Intelligenz verabschiedet.









