de.wedoany.com-Bericht: Ein Jahr nach dem Start der portugiesischen nationalen Hafenstrategie 5+ (Estratégia Nacional Portos 5+) enthüllte Vitor Caldeirinha, Präsident der Hafenbehörden von Lissabon und Setúbal, bei der Verleihung des Logistik-Exzellenzpreises 2026 die Fortschritte der Strategie. Ziel ist es, den Güterumschlag der beiden Häfen von 18 Millionen auf 35 Millionen Tonnen und den Containerumschlag von 620.000 TEU auf 1 Million TEU zu steigern.

In den letzten zehn Jahren hinkte das Kapazitätswachstum der portugiesischen Häfen hinter dem der spanischen Konkurrenz hinterher. Aufgrund unzureichender öffentlicher Investitionen und nicht rechtzeitig vergebener Konzessionen führte dies zu einer hohen Auslastung der Häfen, längeren Wartezeiten und der Abwanderung eines Teils der Güterströme in benachbarte Häfen. Caldeirinha erklärte, die Häfen stünden vor einem entscheidenden Wendepunkt: Wenn die Kapazität nicht wachse, würden Schiffe und Fracht in andere Häfen abwandern. Die vorrangige Aufgabe zur Lösung des Problems sei das Infrastrukturwachstum und Investitionen. Obwohl öffentliche Mittel knapp seien, sei privates Kapital aktiv. Der strategische Plan sehe vor, innerhalb von zehn Jahren 15 neue Konzessionen zu vergeben, mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 4 Milliarden Euro, davon 3 Milliarden Euro aus privatem Kapital. Die Konzessionslaufzeiten könnten bis zu 75 Jahre betragen. Die mit Spannung erwartete Konzession für den Containerterminal Leixões solle noch in diesem Jahr vergeben werden, die Ausschreibungsunterlagen für den Terminal Barreiro seien überarbeitet worden, um mehr Bieter anzuziehen.
Die Häfen von Lissabon und Setúbal werden als „ähnliche, aber unterschiedliche Zwillinge" positioniert, die die bevölkerungsreichste Region des Landes bedienen. Zu den Zielen gehören gemeinsame Investitionen von 1,2 Milliarden Euro in die beiden Häfen und eine Reduzierung der CO₂-Emissionen um 80 %. Der Fusionsprozess der beiden Hafenbehörden werde derzeit untersucht, die Häfen blieben jedoch unabhängig. Der Hafen Lissabon als Haupthafen der Hauptstadt konzentriert sich auf Container, Kreuzfahrten, Agrarprodukte und die blaue Wirtschaft. Das interne Wachstum wird durch Effizienz- und Auslastungssteigerungen erreicht. Der Hafen Setúbal ist ein RoRo-Hafen (Roll-on/Roll-off-Güter, hauptsächlich Autos) und Industriehafen. Ende des Jahres soll die Ausschreibung für einen neuen RoRo-Terminal starten. Lisnave habe Potenzial in den Bereichen Offshore, Bau und Schiffsumbau, und es zeichneten sich neue zivile und militärische Doppelnutzungen ab. Dieser Hafen sei der letzte in der Region mit großen Erweiterungsflächen, aber 75 % seines Territoriums lägen in Umweltschutzgebieten.
Im Bereich Nachhaltigkeit liegt der Schwerpunkt auf der Elektrifizierung: Das Landstromversorgungssystem (On-Shore Power Supply) werde entwickelt, vorrangig für den Kreuzfahrtterminal in Lissabon. Dies umfasst den Bau einer neuen Umspannstation mit beispielloser Kapazität, die den Hafen an das Stromnetz anschließt. Gleichzeitig müssten Busse, lokale Flotten und Elektrogeräte berücksichtigt werden. Anschließend folge eine Ausschreibung zur Nutzung von Solarenergie in den Hafengebieten, und in neue Ausschreibungsunterlagen würden grüne Anforderungen aufgenommen. Im Bereich der kombinierten Verkehrsträger befinde sich neben dem Ausbau der Eisenbahnkapazität in Setúbal das Tejo-Schifffahrtsprojekt in der Umweltprüfungsphase. Die Baggerarbeiten würden es Lastkähnen ermöglichen, bei jedem Gezeitenstand hundert Container zu transportieren, wodurch jährlich tausende Kilometer LKW-Transporte auf der Straße eingespart werden könnten. Dies verbinde die Logistikplattform Carregado/Castanheira mit dem iberischen Netz.
Im Bereich der Digitalisierung investieren die beiden Hafenbehörden in künstliche Intelligenz und erzielen bereits Ergebnisse im täglichen Betrieb. Ein System zur Unterstützung der Erstellung von Dokumenten für öffentliche Vergabeverfahren befinde sich in der Endphase. Anschließend werde ein Chatbot für die Beziehungen zur Hafengemeinschaft eingeführt. Die zweite Phase umfasse die Dokumentenanalyse und die Vorbereitung von Entscheidungsvorschlägen, stets unter menschlicher Aufsicht. Der Anschluss aller Terminals an das einheitliche Logistikfenster (Janela Única Logística) werde voraussichtlich im nächsten Jahr abgeschlossen, die Terminaltore würden digitalisiert. Die portugiesischen Häfen hätten gemeinsam EU-Mittel für eine gemeinsame digitale Plattform beantragt. Das Smart-Port-Projekt in Lissabon integriere Umweltsensoren, Kameras und Netzwerküberwachung und bilde eine neue Aufsichts- und Managementebene. Caldeirinha fasste zusammen, dass der Wandel mit der administrativen Automatisierung beginne, das Ziel jedoch die operative Intelligenz sei. Er wies auch auf die aktuellen Probleme der Häfen hin, wie unzureichende Instandhaltung der Infrastruktur und einen Mangel an Ingenieuren. Zu den Maßnahmen gehörten die Renovierung des Hauptgebäudes der Hafenbehörde Lissabon mit privater Unterstützung, der Kauf von drei Lotsenversetzbooten pro Hafen in diesem und im nächsten Jahr, die Erneuerung der Schlepperkapazitäten mit Feuerlöschausrüstung sowie die Integration der Uferzonen von 14 Gemeinden in den beiden Hafengebieten von Almada bis Barreiro und von Moita bis Montijo.






