de.wedoany.com-Bericht: Die Handelspolitik für weltweiten Aluminium- und Kupferschrott tritt in eine Phase der Verschärfung ein. Die VAE haben bereits vorübergehende Exportbeschränkungen für bestimmte Schrottarten verhängt, Saudi-Arabien verschärft die Kontrolle der Exportgenehmigungen, und die EU plant eine Steuer von 15 % auf Aluminiumschrott-Exporte. Die politischen Änderungen dieser wichtigen Exportregionen zielen gemeinsam auf ein Ziel ab: recycelbare Metalle im Inland zu verarbeiten.
Aluminium- und Kupferschrott, früher als Industrieabfall betrachtet, wird von vielen Regierungen inzwischen als strategischer Rohstoff eingestuft. Hinter diesem Wandel stehen Dekarbonisierungsziele, Ressourcensicherheit und der Expansionsbedarf der heimischen Fertigungsindustrie. Der Energieverbrauch beim Recycling von Aluminium liegt etwa 95 % unter dem der Primäraluminiumherstellung aus Bauxit, auch der Energieverbrauch beim Kupferrecycling ist deutlich niedriger als bei der Primärkupferproduktion. Die Sicherung der inländischen Schrottversorgung ist daher Teil der Industriepolitik geworden und mit der Kreislaufwirtschaft sowie der nachgelagerten Fertigungsindustrie verknüpft.
Vor diesem Hintergrund gestalten mehrere Schrottexportländer die globale Schrotthandelslandschaft neu.
Die VAE haben konkrete Maßnahmen ergriffen. Im Juni 2026 verhängte das Land eine vier Monate dauernde vorübergehende Exportbeschränkung für bestimmte Aluminium-, Kupfer- und Eisenschrotte, gültig bis zum 8. Oktober 2026, mit dem Ziel, das inländische Recycling und die nachgelagerte Fertigung zu stärken. Obwohl die vorübergehende Beschränkung zeitlich begrenzt ist, hat sie bereits Auswirkungen auf die Marktaktivität. Jawed Ahmed, Gründer und CEO von Al Qaryan International DMCC, erklärte, dass neue Exportverträge praktisch nicht mehr genehmigt werden; bestehende Verträge könnten noch genehmigt werden, aber das Zusatzgeschäft befinde sich faktisch im Stillstand.
Die vorübergehende Beschränkung ist nur ein Teil der Strategie der VAE. Ahmed wies darauf hin, dass die Recyclingkapazität von Emirates Global Aluminium (EGA) bereits die inländische Aluminiumschrott-Erzeugung übersteigt; langfristig werde der inländische Schrottverbrauch weiter steigen, wodurch das Exportangebot entsprechend sinke.
Ähnliche Entwicklungen in der Golfregion zeigen sich auch in Saudi-Arabien. Laut Ahmed beginnt Saudi-Arabien, den Export von Nichteisenmetallschrott über Exportgenehmigungen und Quotenmechanismen zu regulieren und die inländische Verarbeitung zu fördern. Mehrere Regierungen drängen Unternehmen dazu, im Inland Sekundärschmelzkapazitäten aufzubauen, anstatt Schrott zu exportieren. Saudi-Arabien hat zwar noch kein offizielles Verbot oder formelle Beschränkungen angekündigt, doch der Einsatz von Genehmigungs- und Quoteninstrumenten zeigt bereits die Absicht, inländisches Recycling und nachgelagerte Fertigung zu priorisieren.
Die Diskussionen in der EU zielen ebenfalls auf Exportkontrollen ab. Die Europäische Kommission plant, im September 2026 einen Vorschlag vorzulegen, eine Steuer von 15 % auf Aluminiumschrott-Exporte zu erheben. Hintergrund ist, dass die EU-Aluminiumschrott-Exporte im Jahr 2025 mit 1,27 Millionen Tonnen (Mio. t) einen Rekordwert erreichten, fast 50 % über dem Niveau von 2019. Der Vorschlag zielt darauf ab, die Versorgung mit Sekundärrohstoffen zu sichern und das inländische Recycling, die nachgelagerte Fertigung sowie die kohlenstoffarme Aluminiumproduktion zu unterstützen.
Dieser Vorschlag hat in der Recyclingbranche eine Debatte ausgelöst. Befürworter sehen darin die Sicherung strategischer Rohstoffe; Branchenakteure argumentieren, dass offener internationaler Handel es ermögliche, dass Aluminiumschrott unterschiedlicher Qualitäten zu den Märkten mit der höchsten Recyclingeffizienz fließe; Exportbeschränkungen müssten nicht zwangsläufig die inländische Recyclingquote erhöhen, sondern könnten im Gegenteil die Sammelbereitschaft schwächen, Investitionen dämpfen und die Gesamteffizienz der Kreislaufwirtschaft verringern. Diese Debatte verdeutlicht den politischen Zielkonflikt in Europa: einerseits die Sicherung der inländischen Ressourcen und der industriellen Wettbewerbsfähigkeit, andererseits die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Recyclingbranche und der Effizienz der globalen Lieferkette.
Ahmed fasst diese politischen Änderungen als einen breiteren Trend zusammen – nicht nur in den VAE, sondern in der gesamten Region betrachten Regierungen recycelbare Metalle als strategische Ressource und fördern die inländische Wertschöpfung statt des Schrottexports.
Für Importländer wie Indien bedeuten diese Veränderungen möglicherweise steigende Beschaffungskosten, einen verstärkten Wettbewerb um verfügbare Materialien und einen größeren Druck zur Diversifizierung der Versorgungswege. Die indische Sekundäraluminiumindustrie ist weiterhin stark von importiertem Aluminiumschrott abhängig; die Verschärfung der Exportpolitik in den Herkunftsländern wird sich direkt auf ihre Rohstoffversorgung auswirken. Umgekehrt unterstreichen diese Entwicklungen die Notwendigkeit für Indien, die inländische Schrottsammlung, den Aufbau von Recycling-infrastruktur und Kreislaufwirtschaftssystemen zu stärken, um die langfristige Importabhängigkeit zu verringern.
Der globale Schrottmarkt tritt in eine neue Phase ein, in der der Einfluss der Regierungspolitik ebenso wichtig ist wie die Angebots- und Nachfragegrundlagen. Ob vorübergehende Exportbeschränkungen, Exportsteuern oder strengere Regulierungen – Länder versuchen, recycelbare Metalle im Inland zu behalten, um das eigene Recycling zu unterstützen und die Ressourcensicherheit zu verbessern. Mit der Weiterentwicklung dieser Politiken könnten die Handelsströme von Aluminium- und Kupferschrott neu gestaltet werden, was auch die Beschaffungsstrategien der Länder und die Rolle von Sekundärmetallen in der globalen Fertigungsindustrie verändern wird.
Diese Themen stehen im Mittelpunkt der Sondersitzung „Sekundäraluminium: Schrottversorgung, politische Lücken & Legierungsmarktausblick“ auf dem Global Commodities Conference (GCC) 2026. Vor dem Hintergrund des indischen Wandels hin zu einer Kreislauf-Nichteisenmetallwirtschaft durch politische Reformen, Recycling und nachhaltige Fertigung bringt die Konferenz politische Entscheidungsträger, Produzenten, Recycler, Händler, nachgelagerte Verbraucher und Führungskräfte globaler Rohstoffunternehmen zusammen, um Markttrends, Handelspolitik, Technologie, Nachhaltigkeit, Geschäftsmöglichkeiten sowie die Zukunft des indischen Nichteisenmetall- und Recycling-Ökosystems zu diskutieren. Die Konferenz wird von der Multi Commodity Exchange of India (MCX) ausgerichtet, mit BigMint als Veranstaltungspartner, und findet vom 12. bis 14. August 2026 im Jio World Convention Centre in Mumbai statt.










