Südafrikas Anthem-Windkraftprojekt mit 420 MW soll Ende 2026 in Betrieb gehen
de.wedoany.com-Bericht: Der unabhängige südafrikanische Stromerzeuger Anthem baut in der Karoo-Region das Windparkprojekt Northern Cluster mit einer Gesamtleistung von 420 Megawatt. Obwohl ungewöhnlich starke Regenfälle zwischen Februar und Juni dazu führten, dass Auftragnehmer höhere Gewalt erklärten, wird das Projekt voraussichtlich bis Ende 2026 den kommerziellen Betrieb aufnehmen.
Der Northern Cluster besteht aus den drei jeweils 140 Megawatt starken Windparks Khangela, Umsinde und Ishwati Emoyeni, die sich über mehrere Farmen in der Nähe der beiden Kleinstädte Murraysburg und Richmond in der Karoo verteilen. Die beiden Städte liegen an der Grenze zwischen der Provinz Westkap und der Provinz Nordkap. Das Projekt wird von Anthem gemeinsam mit dem Mitgesellschafter Reatile Renewables entwickelt, mit einer Gesamtinvestition von fast 15 Milliarden Rand. Dazu gehört der Bau einer gemeinsamen Hauptübertragungs-Umspannstation (MTS) und einer etwa 70 Kilometer langen, selbst errichteten 132-kV-Übertragungsleitung, um den Strom ins nationale Netz einzuspeisen.
Während der Bauphase werden mehr als 1.400 Arbeitsplätze geschaffen, im Betrieb werden über 50 Stellen bereitgestellt, und in den nächsten 20 Jahren werden mehrere Millionen Rand in lokale Entwicklungsprojekte fließen. Alle drei Projekte werden durch 20- bis 25-jährige Stromabnahmeverträge (PPA) für Gewerbe und Industrie (C&I) gestützt, die 2024 mit privaten Abnehmern unterzeichnet wurden.
Khangela verkauft seinen Strom an Richards Bay Minerals in der Provinz KwaZulu-Natal, Umsinde wird vom Edelmetallbergbauunternehmen Sibanye-Stillwater abgenommen, und der Stromproduzent und -händler NOA hat den Strom des Ishwati-Windparks vertraglich gebunden. Khangela und Umsinde werden voraussichtlich zuerst mit der Stromerzeugung beginnen – beide erreichten im Mai 2024 den Finanzierungsabschluss, Ishwati folgte im September desselben Jahres.
Anthem-CEO James Cumming sagte gegenüber Engineering News, dass er trotz der höheren Gewalt, die Auftragnehmer nach den starken Regenfällen von Februar bis Juni erklärt hatten, optimistisch sei, im vierten Quartal 2026 den kommerziellen Betrieb aufzunehmen.
Der Windturbinenhersteller Vestas liefert für die drei Projekte 96 Turbinen des Typs V163 mit einer Nennleistung von je 4,5 Megawatt. Das südafrikanische Bauunternehmen Raubex wurde mit den Tiefbau- und Elektroarbeiten für die zugehörige Infrastruktur beauftragt. Alle Türme werden aus dem GRI-Werk in Atlantis in der Provinz Westkap bezogen. Nach der Ankunft der Ausrüstung im Hafen von Ngqura in der Provinz Ostkap sind mehr als 1.000 Lkw-Fahrten erforderlich, um sie zur Baustelle zu transportieren, was gelegentlich zu Verkehrsbehinderungen führt.
Die gemeinsame Hauptübertragungs-Umspannstation Gamma B des Northern Cluster wird von einem Joint Venture aus Adenco Construction und CSV Construction gebaut, wobei die Bauspezifikationen von der südafrikanischen National Transmission Company South Africa (NTCSA) festgelegt wurden. Die Anlage wurde inzwischen von der NTCSA übernommen. Die Umspannstation umfasst 400-kV- und 132-kV-Infrastruktur sowie einen 500-MVA-Transformator und bietet Platz für künftige Abgangsleitungen und Transformatoren. Gamma B wurde Anfang 2026 unter Spannung gesetzt – ein entscheidender Meilenstein für den Netzzugang des Projekts und das erste Hauptübertragungs-Umspannstationsprojekt, das Anthem gebaut hat. Cumming sagte, diese Erfahrung habe Anthem wichtige Erkenntnisse gebracht.
Anthem baut derzeit in der Provinz Freistaat eine weitere Hauptübertragungs-Umspannstation für das 475-MW-Solarprojekt Notsi und erwartet, später in diesem Jahr oder Anfang 2027 mit einer weiteren zu beginnen.
Dass alle drei Projekte von kommerziellen Unternehmen abgenommen werden, ist für Anthem von großer Bedeutung. Anthem entstand 2025 aus dem Zusammenschluss von African Clean Energy Developments und EIMS Africa, die zuvor wichtige Akteure im staatlichen Beschaffungsprogramm für erneuerbare Energien von unabhängigen Stromerzeugern (REIPPPP) waren. Cumming sagte, dass öffentliche und private Beschaffung zwar viele Ähnlichkeiten aufweisen und Anthem das REIPPPP weiterhin unterstütze, die C&I-Abnehmer jedoch in gewissem Maße dazu beigetragen hätten, den Finanzierungsabschluss zu beschleunigen, und eine Flexibilität böten, die die öffentliche Beschaffung nicht habe. Anthem werde auch künftig sowohl öffentliche als auch private Beschaffungsmöglichkeiten verfolgen.
Cumming erwartet, dass angesichts bevorstehender regulatorischer Änderungen und der Verschiebung des südafrikanischen Großhandelsstrommarkts auf Anfang 2027 die Projektankündigungen unabhängiger Stromerzeuger (IPPs) vorübergehend zurückgehen werden, bis diese die neuen Markttreiber verstanden haben. Er geht davon aus, dass die Projektaktivität pausieren könnte, bis die Marktreform und die Art und Weise, wie Großhandelsmarkt und bilateraler Markt interagieren, klarer sind. Darüber hinaus wird der Stilllegungsplan für die Kohlekraftwerke des staatlichen Stromversorgers Eskom voraussichtlich im September veröffentlicht, und die Umsetzungsgeschwindigkeit des Übertragungsentwicklungsplans hängt weitgehend von der NTCSA und privaten unabhängigen Übertragungsprojektgesellschaften ab.
Neben der Weiterentwicklung seiner Projektpipeline, die sich hauptsächlich in Südafrika, aber auch in Sambia befindet, investiert Anthem erhebliche Anstrengungen in die Analyse der Marktreform und die Vorbereitung von Stellungnahmen zu den verschiedenen Vorschriften, die derzeit von der südafrikanischen Energieregulierungsbehörde geprüft werden. Cumming sagte, dass weder auf Unternehmensebene noch auf nationaler Ebene ein Investitionsstopp verkraftet werden könne. Daher müsse Anthem sowohl die Entwicklungsdynamik seiner Projektpipeline aufrechterhalten und Projekte so weit wie möglich vorantreiben als auch die entscheidenden Punkte der Marktreform im Blick behalten.
Anthem betreibt derzeit 17 Anlagen für erneuerbare Energien mit einer Gesamtkapazität von über 1,1 Gigawatt, hat über 1 Gigawatt im Bau und weitere über 700 Megawatt mit abgeschlossenem Finanzierungsabschluss. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 eine installierte Kapazität von 6 Gigawatt zu erreichen, und integriert derzeit Batteriespeichersysteme, um auf Kundenanforderungen und sich ändernde Marktregelungen zu reagieren.
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