Astronomen haben mit dem Chandra-Röntgenobservatorium der NASA erstmals eine ausgedehnte Röntgenemissionsstruktur um einen jungen, sonnenähnlichen Stern aufgenommen. Der Stern namens HD 61005 befindet sich etwa 120 Lichtjahre von der Erde entfernt, hat eine ähnliche Masse und Temperatur wie die Sonne, ist aber mit einem Alter von etwa 100 Millionen Jahren deutlich jünger als die 5 Milliarden Jahre alte Sonne.
Diese von Carey Lisse von der Johns Hopkins University in Baltimore geleitete Studie zeigt, dass HD 61005 von einer blasenartigen Struktur umgeben ist, die von seinem Sternwind ausgeblasen wird, einer sogenannten Astrosphäre. Teilchenströme von der Sternoberfläche breiten sich kontinuierlich aus, injizieren heißes Gas in diese Region und interagieren schließlich mit dem kühleren Material der Milchstraße in der Umgebung. Lisse erklärt: „Wir erforschen die Heliosphäre der Sonne seit Jahrzehnten, können sie aber nicht von außen betrachten. Diese neue Beobachtung der Astrosphäre eines ähnlichen Sterns durch das Chandra-Röntgenobservatorium ermöglicht es uns, die Form der Heliosphäre der Sonne zu verstehen und wie sie sich im Laufe von Milliarden Jahren mit der Entwicklung der Sonne und ihrer Bewegung durch die Galaxie verändert hat.“ Die Forschungsergebnisse wurden vom „Astrophysical Journal“ zur Veröffentlichung angenommen und auf dem arXiv-Preprint-Server veröffentlicht.
HD 61005 wird von Astronomen aufgrund seiner im Infrarotbereich sichtbaren Staubstruktur liebevoll „Motte“ genannt. Dieser Staub stammt von Überresten nach der Sternentstehung und seine Verteilung ähnelt Mottenflügeln. Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops zeigen, dass die Dichte des interstellaren Materials um diesen Stern etwa 1000-mal höher ist als in der Umgebung der Sonne. Der starke Sternwind, die dichte galaktische Umgebung und die relative Nähe des Sterns ermöglichten gemeinsam die Detektion dieser Astrosphäre durch das Chandra-Teleskop. Ihr Durchmesser beträgt etwa das 200-fache der Entfernung von der Erde zur Sonne.
Da HD 61005 sehr jung ist, ist sein Sternwind viel stärker als der der Sonne, mit einer Geschwindigkeit, die etwa dreimal so hoch ist, und einer Dichte, die etwa 25-mal so hoch ist. Scott Wolk vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics merkt an: „Dieses Bild der Astrosphäre um HD 61005 gibt uns wichtige Hinweise darauf, wie der Sonnenwind in seiner frühen Entwicklungsphase möglicherweise ausgesehen hat.“ Die Forscher glauben, dass die Sonne in ihrer Jugend eine ähnliche Phase durchlaufen haben könnte oder möglicherweise durch dichtere Regionen der Milchstraße gereist ist.
Im Jahr 2014 führte das Chandra-Teleskop eine kurze Beobachtung von HD 61005 durch und entdeckte erstmals Anzeichen für Röntgenemissionen. Im Jahr 2021 gelang es Astronomen schließlich, die ausgedehnte Astrosphärenstruktur durch eine fast 19-stündige Beobachtung zu detektieren.
Veröffentlichungsdetails: Autoren: CM Lisse et al., Titel: „First Resolved Astrosphere of a Main Sequence G Star with Chandra“, erschienen in: arXiv (2025), Astrophysical Journal (2026). Zeitschrifteninfo: Astrophysical Journal, arXiv












