de.wedoany.com-Bericht: Die Gesamtinvestitionen von TSMC für den Bau von Fabriken im US-Bundesstaat Arizona sind auf 165 Milliarden US-Dollar gestiegen, eine deutliche Erhöhung gegenüber dem ursprünglichen Plan. Allerdings stehen sowohl der Baufortschritt als auch die Kostenkontrolle vor erheblichen Herausforderungen.

TSMC-Gründer Morris Chang hatte sich bereits mehrfach zur Expansion des Unternehmens in die USA geäußert. In einer Rede im Jahr 2022 wies er darauf hin, dass die Herstellung von Chips in den USA ganze 50 Prozent teurer sei als in Taiwan, und betonte, dass TSMC auf Drängen Washingtons in die USA gehe. Chang sagte zudem öffentlich, dass die Welt nicht mehr im Zeitalter des Freihandels lebe und es die einzig richtige Entscheidung sei, die Hauptproduktionskapazitäten in Taiwan zu belassen. Er erinnerte an den gescheiterten Versuch von TSMC in den 1990er Jahren, eine Fabrik im US-Bundesstaat Washington zu bauen, und meinte, dass diese Erfahrung zeige, dass die USA Schwierigkeiten hätten, sich an den Betriebsrhythmus von TSMC anzupassen.
Das Investitionsvolumen von TSMC in den USA wächst kontinuierlich. Ursprünglich wurde im Jahr 2020 der Bau einer 5-Nanometer-Waferfabrik in Arizona mit einem Budget von 12 Milliarden US-Dollar angekündigt. Nach dem Spatenstich im Jahr 2021 stiegen die Investitionen schrittweise an, erreichten 2023 40 Milliarden US-Dollar und im April 2024 weitere 65 Milliarden US-Dollar. Geplant ist der Bau einer dritten Waferfabrik bis 2030. Am 3. März 2025 kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass TSMC weitere 100 Milliarden US-Dollar in den USA investieren werde, um drei neue Waferfabriken, zwei moderne Verpackungsanlagen und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum zu bauen. Damit belaufen sich die kumulierten Gesamtinvestitionen von TSMC in den USA auf 165 Milliarden US-Dollar.
Die hohen Investitionen brachten jedoch keine Zollbefreiung. Das US-Magazin Wired berichtete am 5. März 2025 unter Berufung auf Insider, dass das Weiße Haus weiterhin die Möglichkeit habe, Zölle von bis zu 100 Prozent auf TSMC zu erheben.

Auf US-amerikanischer Seite kann die TSMC Arizona-Tochtergesellschaft gemäß dem Chips and Science Act direkte Zuschüsse von bis zu 6,6 Milliarden US-Dollar, zinsgünstige Darlehen von bis zu 5 Milliarden US-Dollar sowie Steuervergünstigungen erhalten. TSMC-Vorstandsvorsitzender C.C. Wei verriet jedoch, dass große US-Kunden wie Apple, AMD, Broadcom, Nvidia und Qualcomm eine Erhöhung der US-Produktionskapazitäten fordern, während die Preise für in den USA hergestellte Chips bereits um 25 bis 30 Prozent gestiegen seien.
Was den Baufortschritt betrifft, so war die erste Fabrik in Arizona ursprünglich für die Massenproduktion von 5-Nanometer-Chips im Jahr 2024 geplant, wurde dann auf 4 Nanometer umgestellt und begann schließlich 2024 mit der Massenproduktion. Sie beschäftigt über 3.000 Mitarbeiter. Die Inbetriebnahme der zweiten Fabrik wurde von 2026 auf 2028 verschoben. Die dritte Fabrik konzentriert sich auf 2-Nanometer- und darunter liegende Verfahren und wird voraussichtlich erst zwischen 2029 und 2030 in die Massenproduktion gehen. Analysten zufolge sind die Verzögerungen auf Probleme wie den durch die Pandemie beeinträchtigten Seetransport, mangelnde Erfahrung des lokalen Genehmigungsteams und Personalprobleme zurückzuführen. Das in Taiwan übliche Modell von TSMC, bei dem die besten 5 Prozent der Absolventen von Spitzenuniversitäten eingestellt werden und Ingenieure rund um die Uhr in Schichten arbeiten, ist in den USA nur schwer zu reproduzieren. Das Unternehmen hat mit Rekrutierungsschwierigkeiten, hohen Arbeitskosten und dem Druck von Gewerkschaften zu kämpfen.

Auf technischer Ebene weisen Analysten darauf hin, dass die US-Präsenz die Branchenstruktur nicht grundlegend verändern wird, da die Kernfertigung fortschrittlichster Chips weiterhin in Taiwan konzentriert bleibt. Daten von Omdia-Forschungsdirektor Hui He zufolge befinden sich 90 Prozent der 5-Nanometer-Produktionskapazitäten von TSMC in Taiwan, und die neuesten 3-Nanometer-Chips werden ebenfalls ausschließlich in Taiwan hergestellt.

Die Expansion von TSMC ins Ausland beschränkt sich nicht nur auf die USA. Das Unternehmen arbeitet in Deutschland mit Bosch, Infineon und NXP am ESMC-Projekt und in Japan mit Sony und Toyota zusammen, wo bald eine zweite Fabrik (JASM-Linie) gebaut wird. Politische Unsicherheiten sind ein weiteres Risiko; ein alle vier Jahre stattfindender Regierungswechsel im Weißen Haus könnte zu Änderungen der Zusagen führen. Auch der interne öffentliche Druck bei TSMC hält an.

Rückblickend wird der Weg von TSMC in die USA als eine passive Entscheidung unter dem Druck strategischer Notwendigkeiten angesehen. Angesichts der Vorwürfe aus Washington, Taiwan habe die US-Chipindustrie gestohlen, kann das Unternehmen nur durch kontinuierlich steigende Investitionen seinen Handlungsspielraum sichern.

Als taiwanesisches Unternehmen ist die Lage von TSMC zudem mit komplexen Faktoren wie den Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße, dem Wettstreit zwischen China und den USA sowie der Neugestaltung globaler Lieferketten verwoben.
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Branchenanalysten sind der Ansicht, dass die Aussichten für die globale Expansion von TSMC noch abzuwarten sind und sich die Konzentration der Kernproduktionskapazitäten in Taiwan kurzfristig nicht ändern wird.

Die früheren Einschätzungen von TSMC-Gründer Morris Chang – dass die Kosten in den USA doppelt so hoch seien, es an Talenten mangele, die Globalisierung beendet sei und auf amerikanischem Boden keine billigen Chips hergestellt werden könnten – werden nun nach und nach durch die Realität bestätigt.

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