Europas Rechenzentren benötigen bis 2030 127 % mehr Strom – Politikrahmen muss angepasst werden
2026-06-06 10:18
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de.wedoany.com-Bericht: Politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden müssen den Energiemarktrahmen so anpassen, dass Rechenzentren von einer Belastung für das Stromnetz zu einer flexiblen Systemressource werden. Mit der beschleunigten Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie sowie dem massiven Ausbau erneuerbarer Energien steht das europäische Stromnetz unter beispiellosem Druck. Der stark steigende Strombedarf von Rechenzentren verschärft diese Herausforderung zusätzlich. Prognosen zufolge wird der Strombedarf europäischer Rechenzentren bis 2030 161 Terawattstunden erreichen, ein Anstieg von 127 % gegenüber 2024.

Die Infrastruktur der Stromnetze ist in vielen europäischen Ländern veraltet, und die Anträge auf Netzanschluss für große Projekte im Bereich erneuerbarer Energien stauen sich erheblich. Nach konservativen Schätzungen warten allein in 16 europäischen Ländern rund 1.700 Gigawatt an Projekten für erneuerbare Energien auf einen Netzanschluss. Laut Daten des irischen Zentralamts für Statistik (Ireland's Central Statistics Office) macht der Stromverbrauch von Rechenzentren in Irland bereits etwa ein Fünftel des landesweiten Gesamtverbrauchs aus. In Knotenpunkten wie Dublin, Amsterdam, Frankfurt und London kann die Wartezeit für den Anschluss neuer Hyperscale-Rechenzentrumsprojekte an das überlastete Stromnetz mehr als zehn Jahre betragen. Die britische Regulierungsbehörde für Gas- und Strommärkte (Ofgem) warnt, dass der sprunghafte Anstieg der Anträge auf Lastanschluss die Erwartungen übertroffen habe und ein Risiko für strategische Projekte darstelle.

Analysen zufolge sind Rechenzentren nicht nur energieintensive Einrichtungen; ihre integrierten fortschrittlichen digitalen Managementsysteme und die Infrastruktur für Notstromversorgung verleihen ihnen eine hochgradig steuerbare Lastcharakteristik, die Voraussetzungen für die Bereitstellung von Netzelflexibilität schafft. Laut Berechnungen von LCP Delta beliefen sich die Ausgleichskosten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber für Systemdienstleistungen im Jahr 2025 bereits auf rund 6 Milliarden Euro. Wenn Rechenzentren Flexibilität auf der Nachfrageseite bieten können, umfasst ihr Potenzial: Reduzierung der Last in Netzbelastungsphasen zur Entlastung von Engpässen, Teilnahme an Märkten für Systemdienstleistungen zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität, Akzeptanz nicht-fester Netzanschlüsse zur Nutzung von Spitzenlastreserven außerhalb der Spitzenzeiten sowie Anpassung des Verbrauchs an die Erzeugungsmuster erneuerbarer Energien zur Aufnahme überschüssigen Wind- und Solarstroms.

Einige europäische Länder haben bereits mit entsprechenden politischen Maßnahmen begonnen. Die irische Regulierungsbehörde verlangt von großen Rechenzentren, dass sie über eine an den Strombedarf angepasste lokale Erzeugungs- oder Speicherkapazität verfügen und in Systembelastungsphasen Strom ins Netz einspeisen. In einem Test des britischen National Grid (National Grid) zeigte sich, dass Rechenzentren ihre Last innerhalb von etwa 30 Sekunden um 30 % reduzieren können, um die Resilienz aufrechtzuerhalten. Es wird erwartet, dass die in Großbritannien bis 2030 installierten 6 Gigawatt Rechenzentrumsleistung dem Netz bei Bedarf eine Kapazität von über 2 Gigawatt zur Verfügung stellen können.

In den Niederlanden hat die Regulierungsbehörde ACM Rechenzentren von der Liste der Projekte zur Entlastung von Netzengpässen ausgeschlossen. Dies spiegelt wider, dass das Potenzial flexibler Nachfrage in der Politik noch nicht ausreichend berücksichtigt wird. Die Branche ist der Ansicht, dass die Erschließung dieses Potenzials eine engere Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, Regulierungsbehörden und dem digitalen Infrastruktursektor erfordert. Durch Anschlussreformen, Proof-of-Concept-Pilotprojekte und nachhaltigkeitsbezogene Anreize soll die Flexibilität von Rechenzentren von der Theorie in die kommerzielle Nutzung überführt werden.

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