Deutschland und Frankreich veröffentlichen gemeinsame Definition digitaler Souveränität
2026-06-18 10:31
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de.wedoany.com-Bericht: Anlässlich der Eröffnung der VivaTech 2026 in Paris haben Deutschland und Frankreich eine offizielle Definition digitaler Souveränität veröffentlicht, um die digitale Unabhängigkeit Europas zu stärken. Dieser Schritt basiert auf der vorläufigen Vereinbarung des Berliner Gipfels zur Souveränität vom November letzten Jahres und zielt darauf ab, die Abhängigkeit von Schlüsseltechnologien aus dem Ausland weiter zu reduzieren.

Die Definition beschreibt digitale Souveränität als die umfassende Fähigkeit, Hardware und Software sowie andere Technologien „unabhängig, autonom und sicher zu entwickeln, bereitzustellen, zu nutzen, anzupassen und zu kontrollieren“ und dadurch die Entscheidungsgewalt über eigene Prozesse und Aktivitäten zu gewährleisten. Das Dokument wurde von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe beider Länder erstellt und soll politische Impulse für die Diskussionen der Europäischen Kommission über technologische Souveränität liefern.

Der deutsche Bundesminister für Digitales, Karsten Wildberger (CDU), bezeichnete die Initiative als notwendige Reaktion auf die geopolitische Lage und wies auf die zunehmende Häufigkeit von Cyberangriffen und das Risiko von Lieferkettenunterbrechungen hin. Er betonte, dass Europa sich nicht selbst beschränken dürfe, sondern seine Kräfte bündeln müsse, um heimische Start-ups zu unterstützen und global wettbewerbsfähige Unternehmen zu schaffen. Als größte EU-Mitgliedstaaten wollen Deutschland und Frankreich mit gutem Beispiel vorangehen, weitere Partner mobilisieren und das Thema in künftige Rechtsdokumente aufnehmen.

Die neue Definition erläutert digitale Souveränität aus sechs Dimensionen und enthält eine konkrete Liste von Kriterien. Im Mittelpunkt stehen die Durchsetzbarkeit rechtlicher Maßnahmen, der Schutz sensibler Daten und die Resilienz kritischer Infrastrukturen. In der Praxis bedeutet diese Strategie, bei der Beschaffung digitaler Produkte bevorzugt Anbieter aus der EU oder anderen vertrauenswürdigen Partnerländern zu wählen.

Um Technologie-Lock-in-Effekte zu vermeiden, fördert die Strategie den Einsatz von Open-Source-Lösungen und modularen Architekturen und plant den gezielten Aufbau und Ausbau eigener Recheninfrastrukturen für Künstliche Intelligenz und Cloud Computing.

Begleitend dazu wurde die neue „Deutsch-Französisches Zukunftswerk“ ins Leben gerufen, um den Austausch zwischen den Privatsektoren und digitalen Ökosystemen beider Länder zu vertiefen. Die französische Digitalministerin Anne Le Hénanff nannte die Zusammenarbeit zwischen SAP und Mistral AI als typisches Beispiel, das zeige, wie europäische souveräne KI die realen Anforderungen von Regierungen und Unternehmen erfüllen könne. Zu den ersten Aufgaben der Zukunftswerk gehören die Erstellung eines gemeinsamen Katalogs souveräner digitaler Lösungen sowie die Entwicklung eines Analyseframeworks zur Bewertung kritischer gegenseitiger Abhängigkeiten.

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