de.wedoany.com-Bericht: Die Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen, und der brasilianische Staatssekretär für Technologie, Alex Giacomelli da Silva, haben in Brasilien ein Abkommen über eine digitale Partnerschaft unterzeichnet. Beide Seiten werden die Zusammenarbeit in gemeinsamen technologischen Schwerpunktbereichen wie Datenmanagement, Künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur, Konnektivität und Online-Plattformen verstärken.

Diese Partnerschaft ist eines der zentralen Instrumente der digitalen Außenpolitik der EU, um mit Ländern, die ähnliche Werte teilen, zu gemeinsamen Prioritäten zusammenzuarbeiten. Virkkunen erklärte bei der Unterzeichnungszeremonie, dass Brasilien und die EU in Bezug auf offene Märkte, sichere Technologien und eine regelbasierte internationale Ordnung weitgehend übereinstimmen. Die EU suche solche Kooperationen, weil sie allein nur schwer wettbewerbsfähig bleiben könne, und bemühe sich gleichzeitig, ihre technologische Abhängigkeit von den USA in Bereichen wie Chipfertigung und Cloud-Computing zu verringern. Brasilien ist nach Kanada, Japan, Südkorea und Singapur das fünfte Land, das eine digitale Partnerschaft mit der EU eingeht.
Gemäß dem Abkommen werden die EU und Brasilien gemeinsam daran arbeiten, die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten zu stärken und zu einem inklusiven und regelbasierten globalen System der digitalen Governance beizutragen. Das Abkommen baut auf dem im Januar unterzeichneten Kooperationsabkommen zum Datenaustausch auf, in dem beide Seiten bereits festgestellt haben, dass ihre jeweiligen Datenschutzniveaus vergleichbar sind. Dies ermöglicht es Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Forschern, Daten ohne zusätzliche Anforderungen zwischen Brasilien und der EU frei auszutauschen.
Die digitale Partnerschaft wird durch spezielle technische Arbeitsabläufe und hochrangigen Austausch vorangetrieben. Innerhalb der nächsten zwölf Monate wird eine Sitzung des Rates der digitalen Partnerschaft stattfinden, um strategische Richtungen und gemeinsame Aktionspläne festzulegen.
Wie aus einer am 12. Juni von der Europäischen Kommission veröffentlichten offiziellen Mitteilung hervorgeht, positioniert Brüssel diese Abkommen zunehmend als industriepolitische und geopolitische Instrumente und nicht nur als Rahmen für technische Zusammenarbeit. Die Partnerschaft mit Brasilien sei nicht nur deshalb bedeutsam, weil sie die Zusammenarbeit der beiden großen Volkswirtschaften in den Bereichen Daten, Künstliche Intelligenz, Infrastruktursicherheit und Plattformen verbinde, sondern auch, weil Brasilien ein zentraler demokratischer und marktwirtschaftlicher Ankerpunkt der EU in Lateinamerika sei.
Für Europa ist dieser Schritt Teil des Aufbaus eines Netzwerks „vertrauenswürdiger digitaler Partner“ jenseits des traditionellen transatlantischen Raums, insbesondere da die EU ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen und asiatischen Technologiesystemen verringern möchte. Brasilien wiederum erhält die Möglichkeit einer engeren institutionellen und technischen Zusammenarbeit mit der EU in den Bereichen Regeln, Infrastruktur und Datenverkehr. Der tatsächliche Wert dieser Partnerschaft wird davon abhängen, ob sie sich schnell in konkrete Projekte, gemeinsame Standards und Investitionen umsetzen lässt, anstatt nur eine politische Erklärung zu bleiben.
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