de.wedoany.com-Bericht: Die japanische Regierung hat das zuvor kursierende Ziel für den Einsatz von Robotern offiziell bestätigt: Bis 2040 sollen in 18 Branchen zehn Millionen künstlich intelligente Roboter eingesetzt werden, wofür innerhalb von fünf Jahren öffentliche Mittel in Höhe von bis zu einer Billion Yen (etwa 6,1 Milliarden US-Dollar) bereitgestellt werden. Dieser Plan hat sich von einer politischen Diskussion zu einer nationalen Strategie entwickelt und ist keine bloße Wunschliste auf dem Papier, sondern ein offiziell in Auftrag gegebenes Bauprojekt der Regierung.
Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) und die Organisation für die Entwicklung neuer Energien und industrieller Technologien (NEDO) haben offiziell das Unternehmenskonsortium Noetra und das Nationale Institut für fortgeschrittene Industriewissenschaft und -technologie (AIST) beauftragt, ein multimodales Basismodell namens „Physical AI" zu entwickeln. Dieses Modell ist als Teil des Förderprogramms für die Geschäftsjahre 2026 bis 2030 geplant und soll gleichzeitig Sprache, Bilder, Videos und Sensordaten verstehen können, sodass Roboter ihre Umgebung tatsächlich analysieren und eigenständig handeln können, anstatt nur voreingestellte Programme auszuführen. Eine erste Version wird voraussichtlich in diesem Geschäftsjahr veröffentlicht und danach jährlich aktualisiert; die Trainingsdaten werden von den Herstellern und anderen beteiligten Unternehmen freiwillig bereitgestellt.
Die Mittel werden nicht bedingungslos ausgezahlt. Berichten zufolge beläuft sich der Auftragswert für dieses Geschäftsjahr auf etwa 2,3 Milliarden US-Dollar, finanziert aus Mitteln in Höhe von 387,3 Milliarden Yen, die über die GX-Wirtschaftstransformationsanleihen bereitgestellt werden. Nur die Mittel für die ersten beiden Jahre sind gesichert; danach wird jedes Jahr eine Überprüfung mittels eines Phasen-Gate-Prozesses durchgeführt. Sollte Noetra die Meilensteine nicht erreichen, hat Tokio das Recht, die Mittel zurückzuziehen. Dies bedeutet, dass die Obergrenze von einer Billion Yen kein garantierter Betrag ist.
Noetra wird mehrheitlich von SoftBank, NEC, der Sony Group und Honda gehalten; Fujitsu und Rakuten prüfen Berichten zufolge einen Beitritt. Ingenieure von SoftBank arbeiten bereits mit Forschern von Preferred Networks und dem Nationalen Institut für fortgeschrittene Industriewissenschaft und -technologie (AIST) zusammen. Dieses Modell folgt einem in der japanischen Industrie üblichen Weg: Der Staat bestimmt nicht ein einzelnes Unternehmen für die Entwicklung modernster Modelle, sondern gründet ein Konsortium, das mehrere Hardwarehersteller umfasst – darunter die Robotik von Honda und die Bildsensoren von Sony –, die bereits die für den Betrieb der Modelle erforderliche Hardware produzieren.
Der japanische Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Ryosei Akazawa, erklärte die Beweggründe für den Plan und sagte, dieser werde „die gesellschaftliche Umsetzung massiv vorantreiben" und Branchen wie Gastronomie, Lebensmittelherstellung und Medizin abdecken. Dahinter steht der demografische Mangel auf dem Arbeitsmarkt: Eine alternde Bevölkerung in Verbindung mit einer strengen Einwanderungspolitik führt in weiten Teilen der Wirtschaft zu einem Arbeitskräftemangel, der kurzfristig kaum zu beheben ist. Japan beginnt nicht bei null; das Land verfügt über jahrelange Erfahrung in der Robotertechnik in Bereichen wie Altenpflege, Katastrophenhilfe, Fertigung und sogar bei den Aufräumarbeiten im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Ziel des Projekts ist es, diese Erfahrungen in exportierbare Ergebnisse umzuwandeln, anstatt sie nur auf nationale Lösungen zu beschränken. Weniger als einen Tag nach der Bestätigung des japanischen Plans kündigte auch Südkorea seinen eigenen Roboter-Förderplan an; beide Länder betrachten Physical AI als das nächste Wettbewerbsfeld nach Chatbots und Cloud-Verträgen.
Für Japan wird die wahre Bewährungsprobe nicht das langfristige Ziel für 2040 sein, sondern die Phasen-Gate-Überprüfung am Ende der ersten Phase. Sollte Noetra die frühen Meilensteine erreichen und in diesem Geschäftsjahr ein nutzbares Modell veröffentlichen, wird eine deutliche Ausweitung der Investorenliste erwartet. Im umgekehrten Fall bietet die Finanzierungsstruktur Tokio auch einen triftigen Grund, sich bei einem Stillstand des Projekts leise zurückzuziehen.









