de.wedoany.com-Bericht: Das US-amerikanische Raumfahrt-Infrastruktur-Startup Mantis Space hat den Bau des weltweit ersten „Orbitalen Stromnetzes“ (Orbital Power Grid) vorgeschlagen. Geplant ist, Strom per Laser an andere Satelliten zu übertragen, um das bestehende Energieversorgungsmodell zu verändern, bei dem Satelliten auf große Batterien angewiesen sind.

Die globale Beratungsfirma McKinsey & Company prognostiziert, dass die Weltraumwirtschaft bis 2035 ein Volumen von 1,8 Billionen US-Dollar erreichen wird. Mit sinkenden Startkosten und fortschreitender Satellitentechnologie verlagert sich der Wettbewerb von Raketen- und Satellitenstarts hin zur Infrastruktur, die eine nachhaltige Weltraumwirtschaft unterstützt, wie Stromnetze, Kommunikation und Rechenzentren. Derzeit treten die meisten Satelliten etwa alle 90 Minuten in den Erdschatten ein und sind für mehrere Dutzend Minuten ohne Sonnenlicht, weshalb sie große Batterien mitführen müssen.
Mantis Space wurde 2025 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Albuquerque, New Mexico, USA, und bezeichnet sich selbst als „Weltraum-Energieunternehmen“ (Space Energy Company). Die Idee des Unternehmens besteht darin, Satelliten in die mittlere Erdumlaufbahn (MEO) zu bringen, die mit Solarenergie Strom erzeugen und speichern, um ihn dann über militärische Hochpräzisionslaser an Satelliten mit unzureichender Stromversorgung zu übertragen. Laut der Unternehmenswebsite benötigen Satelliten nach der Kommerzialisierung dieser Technologie keine großen Batterien mehr, das Startgewicht wird reduziert, und der freiwerdende Platz kann für zusätzliche Beobachtungs- oder Kommunikationsgeräte genutzt werden. Die Lebensdauer der Satelliten könnte sich von derzeit 3 bis 5 Jahren auf 10 bis 12 Jahre verlängern.
Mitgründer und CEO Eric Truitt erklärte im Forbes-Magazin, dass SpaceX mit der Falcon-9-Rakete eine Ära eingeläutet habe, in der jeder ins All gelangen könne. Die Startkosten für Weltraumprojekte seien von mehreren Hundert Millionen Dollar auf 5 bis 15 Millionen Dollar gesunken. Das Unternehmen erwog zunächst, Strom zur Erde zu übertragen, doch Mitgründer und COO Jeremy Scheerer hielt diese Idee für unrealistisch, da dafür riesige Stromerzeugungsanlagen gebaut werden müssten, um mit billigem Strom am Boden zu konkurrieren. Daher konzentrierte man sich auf die Stromversorgung im Weltraum.
Das Technologieentwicklungsteam umfasst Forscher, die an der optischen Technologie des iPhones, dem optischen System des James-Webb-Weltraumteleskops und der Entwicklung der nächsten Display-Generation von Google beteiligt waren. Huch Wyman Howard III, der 32 Jahre lang an nationalen Sicherheits-Weltraumprojekten für die US-Marine arbeitete, kam als Mitgründer und Vorstandsvorsitzender hinzu. Er wies darauf hin, dass die größte Einschränkung für nationale Sicherheitsmissionen im Weltraum die Stromversorgung sei; eine stabile Stromversorgung werde die Nutzung des Weltraums erweitern.
Zu den Partnern von Mantis Space gehören Risikokapitalgeber wie Mentor Capital, Rule 1 Ventures, Hatch Bridge Incubator und Planet Ventures. Maureen Haverty, Investmentverantwortliche bei der auf den Weltraum spezialisierten Risikokapitalfirma Seraphim Space, wies darauf hin, dass in der Luft- und Raumfahrtbranche früher nur die technische Machbarkeit nachgewiesen werden musste, heute aber auch die kommerzielle Rentabilität. Darüber hinaus gelten das US-amerikanische Weltraumverteidigungssystem und das „Golden Dome“-Bauprojekt, Direct-to-Cell-Dienste sowie Weltraum-Computing-Technologien als nächste Investitionsbereiche, wobei orbitale Rechenzentren als Schlüsselkandidaten für die Rechenanforderungen des KI-Zeitalters angesehen werden.
Das Konzept des Weltraumstromnetzes steht vor mehreren technischen Herausforderungen, darunter Energieverluste bei der Laserübertragung, präzise Zielerfassung über große Entfernungen, Empfangseffizienz und Wärmemanagement. Das Unternehmen plant, im Jahr 2028 den ersten Satelliten zu starten, um die Weltraumstromübertragungstechnologie zu validieren. Wenn diese Herausforderungen gelöst werden können, wird das Weltraumstromnetz voraussichtlich neue Märkte in Bereichen wie KI-Rechenzentren, Mondbasen, Tiefraumforschung und militärischem Satellitenbetrieb schaffen.










