de.wedoany.com-Bericht: Das brasilianische Unternehmen Better Beef hat im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo ein Kreislaufwirtschaftsmodell etabliert. Dabei werden Süßkartoffeln, die zuvor als landwirtschaftliche Abfälle galten, in Rohstoffe für die Produktion von Ethanol, hochwertigem Tierfutter und künftig auch Biomethan für die eigene Fahrzeugflotte umgewandelt. Innerhalb eines Jahres wurden über 40.000 Tonnen Industrieabfälle in Tiernahrung umgewandelt. Dies entspricht laut branchenüblichen Emissionsfaktoren (GHG Protocol) einer Reduktion von 20.537 Tonnen CO₂-Emissionen.

Everton Gardezan, Marketingmanager der Better Group, erklärte, dass das Unternehmen in jeder Stufe der Wertschöpfungskette nachhaltige Konzepte umsetze und ein System aufbaue, das hochwertiges Rindfleisch bei gleichzeitiger Reduzierung der Umweltauswirkungen biete. Es handle sich um ein bewährtes Kreislaufwirtschaftsmodell für die Viehwirtschaft. Die Investition ist Teil der vertikalen Integrationsstrategie des Unternehmens, die darauf abzielt, einen Teil der Futtermittel für die Rinderherde intern zu produzieren und die Abhängigkeit von externen Lieferanten zu verringern. Das Projekt wird im Viehzuchtbetrieb Agropecuária Vista Alegre, einer Tochtergesellschaft der Gruppe, in der Region Presidente Prudente durchgeführt, einem der größten Süßkartoffelanbaugebiete des Landes.
Die Initiative entstand aus einer vor Ort erkannten Gelegenheit: Etwa 30 bis 40 % der regionalen Ernte entsprechen nicht den Standardgrößen des Verbrauchermarktes. Diese Knollen haben zwar die gleichen Nährstoffeigenschaften, verlieren jedoch ihren kommerziellen Wert oder werden bei niedrigen Preisen gar nicht erst geerntet. David Oliveira, Industrieleiter von Agropecuária Vista Alegre, erklärte, dass genau dieser Überschuss das Interesse des Unternehmens geweckt habe. Das Unternehmen erkannte, dass ein reichlich vorhandener lokaler Rohstoff in seinem Produktionsökosystem mehr Wert schaffen könnte, und entwickelte eine Lösung, die auf der lokalen landwirtschaftlichen Realität basiert, anstatt vollständig auf Mais angewiesen zu sein.
Ursprünglich prüfte das Unternehmen den Bau einer Mais-Ethanol-Anlage, doch die hohen Kosten für lokalen Mais machten das Projekt undurchführbar. Als Alternative wurde Mais durch Süßkartoffeln ersetzt, da das lokale Angebot groß und die Menge an nicht marktfähigen Produkten enorm ist. Geplant ist die jährliche Verarbeitung von etwa 36.000 Tonnen Süßkartoffeln, um rund 5 Millionen Liter Industrieethanol zu produzieren. Mit der Inbetriebnahme des „Süßkartoffel-Projekts“ (Projeto Batata-Doce) werden diese Zahlen noch steigen. Das Projekt soll aus lokalen landwirtschaftlichen Abfällen 15.000 Liter Alkohol, 20 Tonnen WDG (Nährstoffzusatz) und etwa 10.000 Nm³/Tag Biogas produzieren, das zunächst als Prozesswärme genutzt wird.
Nach der Alkoholextraktion werden die nährstoffreichen Rückstände jährlich in etwa 7.000 Tonnen Rinderfutter umgewandelt. Laut Unternehmensangaben hat diese Komponente einen Proteingehalt von etwa 29 % und wird Teil der Tagesration für Mastrinder. Better Beef verwendet zudem Hefe aus der Ethanolindustrie als Futterergänzungsmittel. Diese Komponente wirkt als natürliches Probiotikum, verbessert die Pansengesundheit und steigert die Futterverwertungseffizienz. Oliveira erklärte, das Ziel sei es, den Großteil des benötigten Proteins für die Herde intern zu produzieren, den Betrieb zunehmend autark zu gestalten und die Kostenplanbarkeit sowie die operative Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Unternehmensstudien zeigen, dass das bei der Süßkartoffelverarbeitung anfallende Abwasser ein hohes Biogaspotenzial aufweist. In der zweiten Projektphase soll dieses Gas zu Biomethan aufbereitet werden, das den Diesel in der unternehmenseigenen Flotte ersetzen und die Fabrik mit Energie versorgen kann. Better Beef kontrolliert nahezu alle Stufen der Wertschöpfungskette, von der Zucht über die Aufzucht und Mast bis zur Rindfleischverarbeitung. Die Gruppe bewirtschaftet rund 7.000 Hektar Land, produziert Zuckerrohr, Heu und andere Betriebsmittel für die Stallhaltung und recycelt das in den Anlagen gesammelte Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung und Düngung. Das Projekt hat auch positive Auswirkungen auf die lokalen Landwirte, indem es eine Nachfrage nach Süßkartoffeln schafft, die sonst keinen Absatzmarkt hätten, eine alternative Einkommensquelle bietet und Lebensmittelverschwendung reduziert. Das Unternehmen arbeitet zudem mit ländlichen Siedlungen bei der Heuproduktion zusammen und stärkt so die Integration von Landwirtschaft und Viehzucht.
In der Agropecuária Vista Alegre – dem größten überdachten Mastbetrieb mit Betonbuchten in Lateinamerika – wendet die Gruppe Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft an, indem Abfälle in landwirtschaftliche Betriebsmittel umgewandelt werden. Der jährlich anfallende Dung von über 136.000 Tieren wird zur Bodenverbesserung recycelt, wodurch die Abhängigkeit von Düngemitteln verringert und die Kohlenstoffbindung gefördert wird. Everton Gardezan betonte, dass es im Geschäft nicht nur um die Produktion von Rindfleisch gehe, sondern auch um die Wiederherstellung von Ökosystemen, um hohe Produktivität bei gleichzeitiger Landkonsolidierung zu erreichen. Der Schlachthof exportiert derzeit Rindfleisch in über 30 Länder auf fünf Kontinenten und beliefert den brasilianischen Markt über eine Premium-Rindfleisch-Serie. Derartige Maßnahmen stärken die Strategie, durch Innovation, Nachhaltigkeit und Senkung der Betriebskosten einen Mehrwert in der Produktion zu schaffen.









