de.wedoany.com-Bericht: Das japanische Startup für autonomes Fahren, Turing Inc., hat eine Investition von AMD Ventures erhalten und betreibt sein KI-System nun auf AMD-Chips, um die Abhängigkeit vom Branchenriesen Nvidia zu reduzieren. Das in Tokio ansässige Unternehmen plant, bis 2028 seine Software für autonomes Fahren in Serienfahrzeugen und Robotertaxis einzusetzen.
Zu Beginn setzte Turing auf Nvidia-Hardware für seine Systeme, was in der Branche üblich ist. Derzeit wurden etwa 10 % der KI-Trainingsworkloads des Unternehmens auf AMD-Grafikchips verlagert. AMD, ebenfalls im kalifornischen Santa Clara ansässig wie Nvidia, bietet Turing zwei entscheidende Vorteile: eine Alternative als Zweitlieferant und geringere Kosten. Diese Entwicklung spiegelt den branchenweiten Trend wider, nach Alternativen zu Nvidia-Chips zu suchen. Kosten sind ein zentraler Faktor, da die Entwicklung autonomer Fahrzeuge hohe Investitionen erfordert; günstigere Rechenleistung verschafft kleineren Unternehmen einen praktischen Wettbewerbsvorteil. AMD Ventures ist nun im Aktionärskreis von Turing vertreten, jedoch haben beide Seiten keine Angaben zur Investitionssumme gemacht. AMD hat kürzlich auch in das britische Unternehmen Wayve investiert, um sich im Bereich autonomes Fahren zu positionieren.
Turing ist kein Pionier auf dem Markt. Finanzvorstand Masato Morishima erklärte, dass das Unternehmen zwar spät zu kommen scheine, aber davon überzeugt sei, mit höherer Kosteneffizienz erfolgreich zu sein. Er ist der Ansicht, dass die Entwicklungszyklen neuer Modelle drei bis fünf Jahre betragen und zeitliche Verzögerungen nur begrenzte Auswirkungen haben. „Der Fortschritt der Technologieeinführung kann extrem langsam sein“, fügte er hinzu. Die Konkurrenz ist aktiv: Nissan, Wayve und Partner von Uber planen, noch in diesem Jahr in Tokio einen Pilotdienst für Robotertaxis zu starten. Das US-Unternehmen Nuro testet ebenfalls auf Japans Straßen. Turing hat bereits eigene Versuche durchgeführt, darunter eine 30-minütige Testfahrt in einem Vorort von Tokio im letzten Jahr, die in verkehrsreicheren Gebieten wiederholt wurde.
Gemessen an Branchenstandards ist die Finanzierung von Turing nicht groß. Nach Abschluss der Serie-A-Finanzierung hat das Unternehmen 79 Millionen US-Dollar durch Eigen- und Fremdkapital aufgebracht, bei einer Bewertung von rund 600 Millionen US-Dollar. Diese Summe liegt weit unter den Finanzierungsvolumina asiatischer Wettbewerber und zeigt auch eine deutliche Kluft zu den Bewertungen westlicher Robotaxi-Unternehmen. Für Mitgründer und CEO Issei Yamamoto geht es um die Zukunft der japanischen Automobilindustrie. „Autos sind eine sehr wichtige Industrie für Japan. Wenn Japan diese Industrie letztlich verliert, werden wir kaum noch etwas exportieren können“, so seine Einschätzung. Er glaubt, dass die Technologie des autonomen Fahrens die nächste Generation der Fahrzeugproduktion prägen wird. Günstigere Chips sind das Mittel, mit dem der japanische Nachzügler wettbewerbsfähig bleiben will. Für AMD hingegen ist jeder gewonnene Design-Auftrag gegen Nvidia ein Erfolg.










