de.wedoany.com-Bericht: Bangladeschs erstes Kernkraftwerk – das am westlichen Ufer des Padma-Flusses gelegene Kernkraftwerk Rooppur – ist mit zwei russisch konstruierten Reaktoren ausgestattet und hat eine Gesamtleistung von 2,4 Gigawatt. Nach der vollständigen Inbetriebnahme im Jahr 2028 soll es voraussichtlich knapp 15 % des Strombedarfs des Landes decken und damit ein wichtiges Beispiel für Entwicklungsländer auf der Suche nach zuverlässiger sauberer Energie darstellen.

Während der Bauphase hat das Projekt bereits zahlreiche Besucher angezogen, die vor den vier riesigen elfenbeinfarbenen Kühltürmen Selfies machen – ein unerwarteter Anziehungspunkt. Das Hauptmotiv Bangladeschs für den Ausbau der Kernenergie ist die Verringerung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen, um die Wirtschaft vor den Auswirkungen globaler Energieversorgungsunterbrechungen zu schützen. Die jüngsten Unterbrechungen der Öl- und Gasversorgung im Persischen Golf infolge des Iran-Konflikts haben bereits zu Brennstoffknappheit und langen Schlangen an Tankstellen im Land geführt.
Das Rooppur-Projekt wurde über mehr als ein Jahrzehnt entwickelt und stand während des Baus vor zahlreichen Herausforderungen, darunter die COVID-19-Pandemie, der Russland-Ukraine-Krieg und geopolitische Spannungen im Nahen Osten, was dazu führte, dass der erste Reaktor nicht wie ursprünglich für 2023 geplant in Betrieb genommen werden konnte. Das Projekt wird derzeit von der Regierung von Premierminister Tarique Rahman geleitet, die nach den Wahlen im Februar ihr Amt antrat, und gilt als wichtige Maßnahme zur Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums des Landes nach dem Ende der jahrelangen autoritären Herrschaft im Jahr 2024.
Laut Angaben der World Nuclear Association belaufen sich die Kosten des Projekts im Rahmen einer Vereinbarung mit der russischen Staatsgesellschaft Rosatom auf schätzungsweise etwa 12,65 Milliarden US-Dollar, einschließlich der anfänglichen Brennstoffversorgung. Aufgrund der starken Abwertung des bangladeschischen Taka gegenüber dem US-Dollar sind die Kosten des Projekts in Landeswährung im Vergleich zur Genehmigung vor zehn Jahren um fast 25 % gestiegen.
Md. Zahedul Hassan, Geschäftsführer der Nuclear Power Plant Co. Bangladesh Ltd., erklärte, dass der erste Reaktor voraussichtlich Anfang 2027 den vollständigen kommerziellen Betrieb aufnehmen werde, die zweite Einheit könne 2028 folgen. Hassan ist der Ansicht, dass das Kraftwerk trotz der gestiegenen Kosten durch die Bereitstellung stabiler und preiswerter Elektrizität langfristigen Wert für Bangladesch schaffen werde.
Md. Shafiqul Islam, Professor für Nukleartechnik an der University of Dhaka, wies darauf hin, dass die Verzögerungen des Projekts bereits enorme finanzielle Auswirkungen auf Bangladesch hätten. Eine rechtzeitige Fertigstellung könne nicht nur weitere Kostensteigerungen vermeiden, sondern auch dazu beitragen, die Ausgaben für den Import fossiler Brennstoffe zu senken.
Bangladesch erforscht zudem die nächste Generation der Nukleartechnologie, um die Energiesicherheit weiter zu stärken. Energieminister Iqbal Hassan Mahmood gab bekannt, dass bereits erste Gespräche mit potenziellen Anbietern über Small Modular Reactor (SMR)-Technologie geführt wurden, darunter Rolls-Royce Holdings Plc und chinesische Unternehmen. Mahmood erklärte, die Regierung erwäge den Bau von Kraftwerken mit einer Leistung von 300 bis 400 Megawatt. Diese Anlagen seien klein genug, um entlang von Flussufern errichtet zu werden, und ließen sich schneller als herkömmliche Reaktoren einsetzen. Er stellte klar, dass keine großen Kraftwerke mehr gebaut würden.
Experten weisen darauf hin, dass Kernkraftprojekte weiterhin vor großen Hürden stehen, darunter hohe Anfangsinvestitionen, lange Bauzeiten und Verzögerungen, die die Kosten in die Höhe treiben können. Zu den entscheidenden Vorteilen der Kernenergie zählen jedoch geringe CO₂-Emissionen, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit zur rund um die Uhr Stromerzeugung. Während die Länder den Übergang zu sauberer Energie beschleunigen, gilt die Kernenergie als Grundlaststromquelle, die intermittierende erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft ergänzen kann. Das Rooppur-Projekt in Bangladesch könnte anderen Entwicklungsländern, die Energiesicherheit anstreben und Dekarbonisierungsziele verfolgen, eine wichtige Referenz bieten.










