Am 14. August fiel der Wasserstand des Rheins bei Kaub auf 8 Zentimeter – historischer Tiefststand
de.wedoany.com-Bericht: Am Morgen des 14. August sank der am Pegel Kaub am Rhein gemessene Wasserstand auf 8 Zentimeter – erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen an dieser Messstelle fiel der Wert in den einstelligen Bereich. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein erklärte, dies sei ein historischer Niedrigwasserstand, die Schifffahrt sei bereits erheblich eingeschränkt, was sich auf Logistik, Industrie und Versorgungssicherheit auswirke.
Kaub liegt am Mittelrhein zwischen St. Goar und Budenheim bei Mainz und ist einer der wichtigsten Überwachungspunkte für die Rheinschifffahrt. Vor knapp drei Wochen lag der Wasserstand dort noch bei über 50 Zentimetern. Der bisherige extreme Tiefststand stammte aus dem Niedrigwasserjahr 2018, als 25 Zentimeter gemessen wurden. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde bestätigte, dass der aktuelle Messwert von 8 Zentimetern um 17 Zentimeter unter dem bisherigen Niedrigststand seit Beginn der Aufzeichnungen in Kaub liegt, wies jedoch darauf hin, dass es sich weiterhin um Rohdaten handele. Die Wasserstandsmessung in Kaub reicht bis ins Jahr 1856 zurück, damals wurde ein Lattenpegel verwendet.

Zu unterscheiden ist, dass der Wasserstand die Höhe der Wasseroberfläche relativ zu einem festen Bezugspunkt angibt und nicht die tatsächliche Tiefe des Flusses; für die Binnenschifffahrt ist die verfügbare Fahrrinnentiefe entscheidend. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein teilte mit, dass die Fahrrinnentiefe bei Kaub am Freitagmorgen knapp über 1,20 Meter lag und dass die Fahrrinnentiefe mit jedem Zentimeter, den der Wasserstand fällt, entsprechend abnimmt.
Der Flussabschnitt zwischen St. Goar und Budenheim gilt als kritischer Engpass für die Rheinfracht. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) erklärte, dieser Abschnitt sei im Vergleich zu anderen Rheinstrecken weniger stark ausgebaut, Schiffe könnten weder ausweichen noch den Abschnitt überspringen, daher bestimme die Wassersituation bei Kaub maßgeblich die Transportkapazität des wichtigsten deutschen Binnenwasserwegs. BDB-Präsident Jens Schwanen hatte bereits Anfang der Woche gewarnt, dass der Wasserstand auf einstellige Werte fallen könnte, dann verliere die gewerbliche Schifffahrt ihren Sinn und Schiffe könnten nicht mehr fahren. Auch die Industrie- und Handelskammern von Rheinhessen und der Pfalz betrachten diesen Flussabschnitt als zentralen Frachtengpass.
Die Auswirkungen des Niedrigwassers beschränken sich nicht nur auf die Schifffahrt. Der sinkende Wasserstand verringert die Ladekapazität der Binnenschiffe, der Transport von Rohstoffen, Gütern und Energie wird schwieriger, der Druck auf Logistikunternehmen, Industriebetriebe und Teile der Lieferketten steigt entsprechend.
Umweltverbände weisen zugleich auf die ökologischen Risiken für den Fluss hin. Der Naturschutzbund Rheinland-Pfalz bewertet die aktuelle Niedrigwasserlage als Alarmsignal für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten: Der Druck auf Fische, Muscheln und Amphibien nehme mit sinkendem Wasserstand zu, die Flusserwärmung beschleunige sich, der Sauerstoffgehalt im Wasser könne sinken; Schadstoffe und Nährstoffe würden weniger stark verdünnt, was die Wasserqualität beeinträchtigen und die Bildung von Algenblüten fördern könne.
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