FIA aktiviert Partikelfiltersystem auf Rennstrecken in den Niederlanden – 3.300 Quadratmeter ab August abgedeckt
de.wedoany.com-Bericht: Die Fédération Internationale de l'Automobile (FIA) arbeitet mit der Technischen Universität Berlin und dem deutschen Unternehmen Urbanfilter zusammen, um Filtersysteme in den Entwässerungssystemen von Rennstrecken zu installieren und so Schadstoffe wie Reifenabriebpartikel zurückzuhalten. Das erste Filtersystem wurde vom 21. bis 23. August während des Großen Preises von Zandvoort in den Niederlanden in Betrieb genommen.
Reifenpartikelverschmutzung ist ein gemeinsames Umweltproblem von Motorsport und alltäglichem Straßenverkehr. Bei Formel-1-Rennen verlieren Rennreifen bei hohen Geschwindigkeiten große Mengen an Gummiresten, den sogenannten „Marbles". Ein Teil dieser Partikel ist so klein, dass er mit bloßem Auge nicht sichtbar ist und über das Wassersystem in die Kanalisation gelangt, um schließlich in Flüsse, Seen und Meere zu fließen. Auf Alltagsstraßen gelangen Gummi, Staub, Mikroplastik und andere Schadstoffe auf demselben Weg in die Umwelt.
Um die Menge dieser schädlichen Partikel, die in Ökosysteme gelangen, zu reduzieren, hat die FIA zusammen mit der Technischen Universität Berlin und Urbanfilter Filtervorrichtungen für die Entwässerungssysteme von Rennstrecken entwickelt. Urbanfilter integriert das Filtersystem direkt in Straßenabläufe und fängt die Schadstoffe in der Nähe ihrer Quelle ab. Das System ist modular aufgebaut und kann Mikroplastik, Reifenabriebpartikel und andere Straßenschadstoffe zurückhalten, während es gleichzeitig einen effektiven Regenwasserabfluss gewährleistet. Laut Nicolas Aubourg, Forschungsleiter der FIA, kann das System in Labortests bis zu 99 % der Partikel im Wasser erfassen und muss nur etwa einmal pro Jahr gewartet werden.
Ingenieure entnahmen Partikelproben von der Rennstrecke in Zandvoort, um die spezifischen Eigenschaften der während Rennveranstaltungen entstehenden Partikel zu verstehen. Die Erkenntnisse dienten als Grundlage für das Design von zwei Prototyp-Filtereinheiten. Diese beiden Einheiten wurden in das Entwässerungsnetz der Rennstrecke integriert und decken eine Fläche von 3.300 Quadratmetern in der Boxengasse und in der Nähe der berühmten Tarzanbocht-Haarnadelkurve ab. Sie filtern das Regenwasser, bevor es die Rennstrecke verlässt, und halten Partikel zurück, die andernfalls aus dem Gelände getragen würden.
Aubourg erklärte, dass bei zivilen Fahrzeugen Partikelemissionen nicht nur vom Antriebsaggregat, sondern auch von Bremsen und Reifen stammen. Diese Partikel werden in die Luft und auf den Boden freigesetzt, gelangen bei Regen mit dem Regenwasser in die Gewässer und können im Laufe der Zeit ins Meer gelangen. Er bezeichnete dieses Problem als zunehmend gravierend für die Gesellschaft, und der Motorsport könne zur Lösung beitragen. Die Formel 1 dient oft als Testfeld, bevor neue Technologien in Serienfahrzeugen Anwendung finden – viele heutige Erkenntnisse über Biokraftstoffe und Hybridsysteme in zivilen Autos stammen aus dem Motorsport. Die FIA achtet nicht nur auf ihre eigenen Umweltauswirkungen, sondern möchte auch Rennwochenenden nutzen, um Technologien zu testen, die künftig auf öffentlichen Straßen eingesetzt werden könnten.
Ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2024 zeigt, dass im Jahr 2020 etwa 2,7 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt gelangten; bis 2040 wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppeln. Eine weitere internationale Studie aus dem Jahr 2024 unter der Leitung der University of Portsmouth ergab, dass allein Reifenpartikel etwa 28 % des weltweit in die Umwelt gelangenden Mikroplastiks ausmachen.
Die Rennstrecke von Zandvoort liegt an der Küste, und die FIA hält sie für einen idealen Testort, da der Schutz der umliegenden Wasserqualität von entscheidender Bedeutung ist. Die Anlage wird unter realen Rennbedingungen Betriebsdaten liefern, die Forschern zur Bewertung der Langzeitleistung dienen. Aubourg erklärte, dass bei erfolgreicher Validierung der Prototypen eine Ausweitung des Konzepts auf andere Rennstrecken möglich sei und die Filter nach den Rennen für den alltäglichen Straßenverkehr genutzt werden könnten, um den Eintrag von Partikeln in die Umwelt zu reduzieren.





















