Eine neue Studie, die auf einer Vielzahl von Satellitendaten basiert, zeigt, dass das Material, aus dem die tektonischen Platten der Erde bestehen, nicht vollständig starr ist. Seine Fließfähigkeit und die Fragilität der Verwerfungszonen übertreffen bisherige Annahmen. Diese Forschungsergebnisse, die sich auf die tektonische Deformation des Tibetischen Plateaus konzentrieren, wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

Die Studie wurde von einem internationalen Team unter der Leitung von Professor Tim Wright von der University of Leeds durchgeführt. Zu den kooperierenden Einrichtungen gehören die China University of Geosciences (Peking), die South China Agricultural University sowie weitere Universitäten und Forschungsinstitute aus mehreren Ländern. Das Team analysierte über 44.000 Radarbilder des europäischen Copernicus Sentinel-1-Satelliten sowie eine große Menge an bodengestützten Messdaten und erstellte einen hochauflösenden Atlas der Oberflächenbewegungen des Tibetischen Plateaus.
„Durch die Kartierung der Oberflächenbewegungen der gesamten Region in erstaunlichem Detail konnten wir endlich sehen, wie sich das Tibetische Plateau tatsächlich bewegt, und das enthüllte Bild unterscheidet sich grundlegend von den Vorhersagen früherer Modelle“, sagte der Erstautor der Studie, Tim Wright. Die Beobachtungen zeigen, dass der östliche Teil des Plateaus sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 Millimetern pro Jahr nach Osten bewegt, während andere Regionen unterschiedliche Bewegungsraten aufweisen und es auch eine Ost-West-Ausdehnung gibt.
Die Studie weist darauf hin, dass das traditionelle Modell starrer Platten die beobachtete großflächige tektonische Deformation nicht vollständig erklären kann. Koautor Greg Houseman meinte: „Die Daten zeigen, dass kontinentale Platten nicht wie ein Mosaik aus starren Blöcken sind. Sie fließen, aber dieses Fließen wird von den Hauptverwerfungen als Schwächezonen angetrieben.“ Insbesondere die relative Schwäche der Kunlun-Verwerfungszone wird als wichtiger Mechanismus für die Dehnung im Inneren des Plateaus angesehen.
Diese detaillierte Studie zum Tibetischen Plateau bietet eine neue Perspektive für das Verständnis der Prozesse der kontinentalen tektonischen Deformation. Die darauf basierenden neuen Werkzeuge und hochpräzisen Karten können zur Verbesserung von Erdbebenrisikomodellen eingesetzt werden und dienen der Risikobewertung und -vorsorge. Nuno Miranda, Missionsmanager der ESA-Sentinel-1-Mission, bewertete die Arbeit als einen Beitrag, der das grundlegende Verständnis der kontinentalen Deformation vertieft und einen neuen Referenzpunkt für die Bewertung von Erdbebenrisiken setzt.
Veröffentlichungsdetails: Autoren: T.J. Wright et al., Titel: „High-resolution geodetic velocities reveal role of weak faults in Tibetan Plateau deformation“, erschienen in: Science (2026). Journal Information: Science














