Finnischer IQM-Quantencomputer: HPC-Integrationsservice geht am deutschen LRZ in Betrieb – Slurm orchestriert hybride Rechenaufgaben einheitlich
2026-05-13 13:44
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de.wedoany.com-Bericht: Der finnische Quantencomputer-Hardwarehersteller IQM Quantum Computers hat am 12. Mai 2026 einen HPC-Integrationsservice vorgestellt, der seinen supraleitenden Quantencomputer IQM Radiance in Form eines Slurm-Knotens direkt in Hochleistungsrechnerumgebungen einbettet und so eine einheitliche Orchestrierung und Verwaltung hybrider Aufgaben zusammen mit CPUs und GPUs ermöglicht. Der Service wurde bereits am deutschen Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in den Produktivbetrieb überführt, wo vier IQM-Quantensysteme integriert und bereitgestellt wurden. Nutzer können nun über denselben Workload-Manager hybride Aufgaben aus klassischen und Quantenberechnungen einreichen.

Der Kern des Integrationsservices liegt in der Beseitigung von Integrationsengpässen zwischen Quantengeräten und dem HPC-Software-Stack. Quantencomputer werden zwar seit Jahren vor Ort installiert, doch die meisten Systeme laufen nach der Installation neben dem HPC-Software-Stack her, anstatt in diesen eingebunden zu sein. Jede Ausführung erforderte maßgeschneiderte Integrationsarbeit, deren Ergebnisse sich nicht für nachfolgende Ausführungen wiederverwenden ließen. Der HPC-Integrationsservice vereinheitlicht die Schnittstellen direkt auf Softwarearchitekturebene, sodass Endnutzer Quantenrechenaufgaben über dieselbe Oberfläche und denselben Slurm-Scheduler aufrufen können, mit denen sie auch CPU- und GPU-Aufgaben einreichen.

IQM-CEO und Mitgründer Jan Goetz erklärte bei der Vorstellung des Dienstes ausdrücklich, dass HPC-Kunden seit Jahren auf den Integrationsengpass hingewiesen hätten. Diese wichtige Integrationsarbeit nehme die Komplexität direkt heraus, sodass sich Endnutzer auf die Ausführung von Quanten-Workloads konzentrieren könnten, anstatt Zeit mit dem Schreiben neuer Routineprogramme zu verbringen. Professor Dieter Kranzlmüller, Vorsitzender des LRZ-Direktoriums, unterstrich gleichzeitig die physikalische Realität des Leistungssprungs: Die Speicherkapazität von SuperMUC-NG stoße bereits an die Grenze der Simulierbarkeit von Quantenzuständen – mit der Inbetriebnahme des Euro-Q-Exa-Systems mit 54 Qubits werde die klassische Reproduktion seiner Rechenergebnisse zunehmend schwieriger.

Öffentlich zugängliche technische Dokumentationen zeigen, dass das dem HPC-Integrationsservice zugrundeliegende QDMI (Quantum Device Management Interface) als quelloffene, standardisierte Zwischenschicht fungiert und die Fragmentierung der Quantenintegration, die lange durch proprietäre Softwareschnittstellen der verschiedenen Hersteller verursacht wurde, direkt vereinfacht. Ein gemeinsam mit der Munich Quantum Software Company (MQSC) veröffentlichter arXiv-Artikel legt die Funktionsweise dieser Lösung in der Produktionsumgebung offen. Das LRZ betreibt das SuperMUC-NG-System mit einer Spitzenleistung von 26,9 Petaflops und versorgt Forschende aus Bereichen wie Physik, Chemie, Biowissenschaften und Klimaforschung. Nach Einführung der QDMI-Standardschicht bleibt das bestehende Betriebsmodell auf Systemebene erhalten, und Forschende können mit vertrauten Werkzeugen wie Qiskit oder PennyLane systemübergreifend Benchmark-Tests durchführen. Die offene Architektur reduziert zudem das Risiko einer Herstellerbindung und schafft die Möglichkeit, Quantengeräte verschiedener Anbieter in dieselbe HPC-Umgebung einzubinden.

IQM unterhält derzeit Niederlassungen im finnischen Espoo, in München und an weiteren Standorten. Die Systeme des Unternehmens sind bereits in vier der weltweit zehn größten Supercomputing-Zentren vertreten, womit IQM bei der Anzahl installierter Quantensysteme unter vergleichbaren Anbietern führend ist. Im Februar 2026 hat das Unternehmen durch einen Fusionsplan mit der Real Asset Acquisition Corp. den Weg an den öffentlichen Markt beschritten. Der Freistaat Bayern, in dem sich das LRZ befindet, hat dem Zentrum 500 Millionen Euro für den Ausbau des Rechenzentrums sowie die Modernisierung der Strom- und Kühlinfrastruktur bereitgestellt, um den enormen Energiebedarf der nächsten Supercomputer-Generation, von KI-Clustern und Quantencomputern decken zu können.

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