de.wedoany.com-Bericht: Die britische Normungsorganisation BSI hat kürzlich PAS 1958:2026 „Bauwerke: Leitfaden zur Landschaft der Daten- und Informationsstandards" veröffentlicht. Die Norm richtet sich an Szenarien im Bauwesen, der Infrastruktur, der Anlagenverwaltung und der digitalen Übergabe. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, Unternehmen dabei zu helfen, die Beziehungen zwischen bestehenden Daten- und Informationsmanagementstandards zu verstehen, sodass Projektdaten in den Phasen Planung, Bau, Übergabe und Betrieb leichter organisiert, validiert und kontinuierlich genutzt werden können.
In der Bauwirtschaft besteht seit langem ein grundlegendes Problem: Während der Bauphase eines Projekts entstehen zahlreiche Modelle, Zeichnungen, Gerätelisten, Produktunterlagen, Betriebshandbücher, Garantieinformationen, Sensordaten und Anlagenverzeichnisse. Diese Informationen sind jedoch oft über verschiedene Softwarelösungen, Auftragnehmer, Fachteams und Lieferformate verstreut. Zum Zeitpunkt der Projektübergabe erhalten Eigentümer und Betreiber häufig lediglich „Dateipakete" und keine Datenbestände, die direkt in Systeme für Facility Management, Anlagenmanagement, Digitale Zwillinge oder KI-Analysen eingespeist werden können. Die Aufgabe von PAS 1958 besteht nicht darin, ein neues einheitliches Datenformat zu erfinden, sondern die bereits im Bauwesen existierenden Standards für BIM, Informationsmanagement, Datenstandards, Qualitätsmanagement, Beschaffung und Lebenszyklusmanagement in eine einzige Referenzkarte zu integrieren. Dies hilft den Projektbeteiligten zu bestimmen, welche Standards und Informationsanforderungen in welcher Phase und für welches Geschäftsziel anzuwenden sind.
Diese Änderung hat direkte Auswirkungen auf die Art und Weise der Projektübergabe. Bislang wurde die Datenübergabe oft als abschließende Tätigkeit nach der Fertigstellung betrachtet. Der Auftragnehmer reichte gemäß Vertrag Modelle, Tabellen, Spezifikationen und Betriebsunterlagen ein, und das Betriebsteam musste anschließend Zeit für die Bereinigung, Nacherfassung oder Neuordnung aufwenden. Mit der zunehmenden digitalen Bewirtschaftung von Gebäudeanlagen, intelligenten Gebäuden, der Infrastrukturwartung und der Nutzung Digitaler Zwillinge muss die Datenübergabe nun frühzeitig in die Phasen der Projektplanung, Ausschreibung, Planung und Bauleitung integriert werden. Der von der BSI veröffentlichte PAS 1958 bietet Unternehmen ein Werkzeug zur Strukturierung der Standardbeziehungen und ermöglicht es Projekt eigentümern, Planern, Generalunternehmern, Fachunternehmern und Betriebsteams, sich auf eine gemeinsame Sprache für das Informationsmanagement zu einigen, um Übergabegrenzen festzulegen. Dies reduziert spätere Probleme wie fehlende Daten, inkonsistente Felder, nicht nutzbare Modelle und nicht kompatible Systeme.
Die Norm steht auch im Zusammenhang mit dem Trend, dass KI in die Bauwirtschaft Einzug hält. Damit KI in Bauprojekten wirksam werden kann, müssen die Daten identifizierbar, rückverfolgbar, beherrschbar und wiederverwendbar sein. Wenn Projektdaten nur in unstrukturierten Dateien vorliegen, können KI-Systeme Aufgaben wie Anlagenerkennung, Risikowarnung, Kostenanalyse, Energieeffizienzoptimierung oder Entscheidungsunterstützung für die Wartung nur schwer zuverlässig durchführen. PAS 1958 betont die Landschaft der Daten- und Informationsstandards und schafft damit im Wesentlichen eine klarere Datenbasis für die Bauwirtschaft. Dies ermöglicht es Unternehmen, vor der Einführung von KI, Digitalen Zwillingen und Automatisierungswerkzeugen zunächst die Fragen der Standardauswahl, des Informationsflusses und der Verantwortungsverteilung zu klären.
Die gleichzeitig von der BSI veröffentlichte Norm BS EN 18162:2026 ergänzt die Konzepte und Definitionen für Digitale Zwillinge in der bebauten Umwelt. Diese Norm legt grundlegende Konzepte für Digitale Zwillinge in Bezug auf die Beziehung zu Bauwerksinformationsmodellen, Terminologiesysteme und Qualitätsanforderungen fest und bietet einen Ausgangspunkt für den zukünftigen Rahmen von Digital-Twin-Standards. Während PAS 1958 darauf abzielt, „bestehende Daten- und Informationsstandards zu verstehen und zu verbinden", konzentriert sich BS EN 18162:2026 darauf, „Digitale Zwillinge in der bebauten Umwelt zu definieren". Betrachtet man beide im selben Kontext, wird deutlich, dass die Digitalisierung der britischen Bauwirtschaft sich von der Übergabe einzelner BIM-Projekte hin zur Datenverwaltung und Vernetzung digitaler Systeme über den gesamten Lebenszyklus von Anlagen entwickelt.
Die zukünftigen Auswirkungen werden davon abhängen, ob Eigentümer und Lieferkette PAS 1958 frühzeitig in Projektverträge, Informationsanforderungen, Ausschreibungsunterlagen und die Betriebsvorbereitung integrieren. Für große Infrastrukturprojekte, öffentliche Gebäude, Gewerbeparks und komplexe Industrieanlagen wird die Verfügbarkeit nutzbarer Daten bei Projektabschluss direkte Auswirkungen auf die Betriebskosten, den Anlagenwert, die Sanierungseffizienz und die Tiefe der digitalen Anwendungen haben. Die Veröffentlichung dieser neuen Normen durch die BSI zeigt auch, dass die Datenübergabe in der Bauindustrie sich von einer „Dokumentenarchivierung" zu einem entscheidenden Schritt für den „Aufbau von Anlagenbetriebsfähigkeiten" entwickelt.
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