de.wedoany.com-Bericht: Ein Pilotversuch des finnischen Verteilnetzbetreibers (DSO) KSS Verkko in Zusammenarbeit mit Imatran Seudun Sähkönsiirto (ISSOY) und dem Flexibilitätsplattform-Anbieter Synergi hat gezeigt, dass die Flexibilität beim Laden von privaten Elektroautos (EV) ein wirksames Instrument zur Bewältigung lokaler Netzengpässe sein kann. Der Versuch mit 150 Elektroautofahrern testete die Möglichkeit, die aggregierten Haushaltsladungen ein- und auszuschalten, um zu bewerten, ob dies dem Verteilnetz bei der Bewältigung von Spitzenlasten helfen und möglicherweise unnötige Investitionen in die Netzinfrastruktur vermeiden kann.

Der Hintergrund des Versuchs ist der Druck durch die Elektrifizierung und das Wachstum der Netzkapazität, dem die finnischen Verteilnetzbetreiber ausgesetzt sind. Laut Synergi-Daten wird sich der Übertragungskapazitätsbedarf von KSS Verkko bis 2033 voraussichtlich fast verdoppeln, und auch ISSOY steht vor ähnlichen langfristigen Herausforderungen. Das Projekt wurde durch die Flexibilitätsanreize der finnischen Energiebehörde (Finnish Energy Authority) für den Regulierungszeitraum 2024 bis 2027 unterstützt, die es DSOs erlauben, bis zu 1 % ihrer Netzerlöse für die Entwicklung marktbasierter Flexibilitätslösungen zu verwenden.
Eine der auffälligsten Erkenntnisse des Pilotversuchs war, dass die Haushalte eher aus Motivation zur Unterstützung des lokalen Stromnetzes teilnahmen als aus wirtschaftlichen Anreizen. Eine Umfrage nach dem Versuch ergab, dass 37 % der Teilnehmer die Hilfe für das lokale Netz als Hauptgrund nannten, 30 % wurden durch die Optimierung der Energiekosten motiviert, und nur 10 % gaben an, dass die Versuchsvergütung selbst der Hauptanreiz war. Dieses Ergebnis stellt die langjährige Annahme in Frage, dass Verbraucher nur dann an Flexibilitätsprogrammen teilnehmen, wenn die finanziellen Erträge beträchtlich sind.
Jyri Tompuri, Entwicklungsleiter bei KSS Verkko, sagte, die Reaktionsgeschwindigkeit sei erstaunlich schnell gewesen, etwa eine Minute, was für den Netzbetrieb entscheidend sei, da sich die Netzkapazität im Betriebsfall schnell ändern könne. Antti Hämmäinen, CEO und Mitbegründer von Synergi, wies darauf hin, dass der Versuch gezeigt habe, dass Haushalte eher aus einem Verantwortungsgefühl für das lokale Netz handeln als aus rein wirtschaftlichen Anreizen. Er erwähnte, dass Haushalte, die in neue Energietechnologien wie Elektroautos und Wärmepumpen investieren, neue Werkzeuge testen und von Dienstleistungen zur Optimierung ihrer Geräte profitieren möchten.
Tompuri ist der Ansicht, dass das Modell hoch skalierbar sei, da es auf Software basiere und keine zusätzliche Installation umfangreicher Hardware erfordere. Auf städtischer Ebene könne das aggregierte Laden von Elektroautos eine sinnvolle lokale Flexibilitätsressource darstellen. Auf nationaler Ebene bestehe die zentrale Herausforderung darin, die Flexibilität aus Netzperspektive am richtigen Ort und zur richtigen Zeit zu positionieren. Er sagte auch, dass Flexibilität nicht als Ersatz für Netzinvestitionen betrachtet werden sollte; DSOs müssten weiterhin ihre Netze verstärken, um langfristige Kapazität und Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Flexibilität könne jedoch einen größeren operativen Spielraum bieten, um den Investitionszeitpunkt besser zu bestimmen und einzelne Spitzenlastsituationen wirtschaftlicher zu bewältigen.
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