de.wedoany.com-Bericht: Der deutsche Spezialchemiekonzern Evonik Industries hat eine grundlegende Neuorganisation seiner Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsabteilung (Research, Development & Innovation, RD&I) angekündigt, um auf die veränderten Branchenbedingungen durch Rohstoffmarktvolatilität, technologischen Wandel und geopolitische Risiken zu reagieren. Kern dieser Umstrukturierung ist die Einrichtung einer neuen Einheit namens „Evonik Innovation Factory", die aus der bisherigen Creavis-Abteilung hervorgeht. Diese soll bis 2032 einen Umsatzbeitrag von bis zu 300 Millionen Euro zu den innovativen Wachstumskernen leisten.
Lauren Kjeldsen, Leiterin des Innovationsgeschäfts bei Evonik, erklärte, dass Unternehmen im aktuellen Marktumfeld neu darüber nachdenken müssten, wie sie operieren, innovieren, wachsen und erfolgreich bleiben. Durch den Fokus auf Innovation könne man sowohl die eigene Widerstandsfähigkeit stärken als auch die Nähe zu den Kunden erhöhen. Zukünftig werden etwa zwei Drittel der Forscher direkt in den Geschäftsbereichen (Business Lines) arbeiten, eng mit Kunden zusammenarbeiten und klare wirtschaftliche Verantwortung tragen. Die forschungsbezogenen Fähigkeiten und langfristigen Innovationsprojekte, die mehrere Geschäftsbereiche betreffen, werden weiterhin zentral gesteuert.
Christian Eilbracht, Chief Innovation Officer bei Evonik, wies darauf hin, dass die neu organisierte Innovationsorganisation auf Geschwindigkeit und Effektivität setze. Eine klare Aufgabenteilung beschleunige Entscheidungsprozesse und erhöhe die Erfolgswahrscheinlichkeit von Innovationen. Die Evonik Innovation Factory werde strategisch wichtige Entwicklungsprojekte bündeln und beschleunigen, mit dem Ziel, diese im Durchschnitt innerhalb von fünf Jahren zur Marktreife zu bringen. Dies werde durch zwei Mechanismen erreicht: erstens durch kombinatorische Innovation, also die gezielte Verknüpfung von Technologien, Fähigkeiten sowie internen und externen Partnern entlang der Wertschöpfungskette; zweitens durch die selektive Nutzung vorhandenen internen und externen Wissens durch die Forscher und den Start von Projekten in späteren Phasen des Innovationsprozesses. Die Kombination beider Ansätze ziele darauf ab, die Entwicklungszeit zu verkürzen, den kommerziellen Erfolg besser vorhersagbar zu machen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens gegenüber plötzlichen Marktturbulenzen zu stärken.
Derzeit konzentrieren sich fünf bis sieben Projekte der Innovationsfabrik auf die drei großen Innovationswachstumskerne von Evonik: biobasierte Lösungen, Energiewende und Kreislaufwirtschaft. Evonik erwartet, dass diese Kerne bis 2032 insgesamt zusätzliche Umsätze von rund 1,5 Milliarden Euro generieren werden, wovon die Innovationsfabrik bis zu 300 Millionen Euro beisteuern soll.
Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen und geopolitischen Umfelds hat Evonik seine Innovationsausgaben nicht reduziert. Im Jahr 2025 blieb der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz mit rund 3 % stabil auf dem Niveau des Vorjahres und belief sich auf etwa 418 Millionen Euro (2024: 459 Millionen Euro). Davon flossen rund 82 % direkt in geschäftsnahe Entwicklungen, weitere 15 % in langfristige Innovationsprojekte. Gleichzeitig baut Evonik sein Portfolio an nachhaltigen Lösungen aus. Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen rund 48 % seines Umsatzes mit Produkten, die herausragende Nachhaltigkeitsvorteile bieten. Der Anteil dieser Next Generation Solutions stieg von 2024 bis 2025 um 3 Prozentpunkte. Dafür investiert Evonik kontinuierlich in den Ausbau des internationalen Geschäfts, platziert Innovation, Anwendung und Produktion in Regionen mit Marktwachstum und guten Ökosystemen und arbeitet daran, die industrielle Wertschöpfungskette widerstandsfähiger zu machen und nachhaltigere Lösungen zu etablieren.
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