Polen stuft Offshore-Windenergie als kritische Infrastruktur ein und begegnet hybriden Bedrohungen in der Ostsee
2026-06-15 15:06
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de.wedoany.com-Bericht: Cyberangriffe, Infrastrukturschäden sowie die Aktivitäten der russischen „Schattenflotte“ machen die Ostsee zu einer der sensibelsten Sicherheitsregionen Europas. Die Offshore-Windenergie wird daher zunehmend als strategische Infrastruktur und nicht mehr nur als reines Klimaprojekt betrachtet. Laut der Polnischen Windenergie-Vereinigung (Polish Wind Energy Association, PSEW) bilden Energiesicherheit, Schutz kritischer Infrastruktur, Cybersicherheit und Systemresilienz die Hauptthemen ihrer Konferenz 2026 (8. bis 10. Juni in Świnoujście).

Die polnischen Offshore-Windparks unterliegen bereits heute strengen Anforderungen an Verteidigung und Grenzschutz. Investoren müssen die Auswirkungen ihrer Projekte auf Radar-, Überwachungs-, Funkkommunikations- und Flugsicherungssysteme des Militärs und des Grenzschutzes bewerten sowie Expertenberichte erstellen, die vor Erteilung der Baugenehmigung vom Verteidigungsministerium und vom Innenministerium genehmigt werden müssen. Die Kosten für etwaige Ausgleichs- oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen trägt der Investor.

Janusz Gajowiecki, Präsident der PSEW, erklärte, dass die laufende Gesetzgebung die Offshore-Windparks offiziell als kritische Infrastruktur einstufen werde, was neue Verpflichtungen in den Bereichen physische und Cybersicherheit, Krisenmanagement und Bedrohungsüberwachung mit sich bringe. Im praktischen Betrieb müssten die Betreiber Systeme zur Erkennung und Aufzeichnung von nahen Schiffen, Unterwasserobjekten und Drohnen einsetzen, wobei Umspannwerke und Kabeltrassen besonders geschützt würden.

Der Verband wies darauf hin, dass Polen zu den am stärksten von Cyberangriffen betroffenen Ländern der Region zähle. Im Jahr 2025 wurden bei öffentlichen Einrichtungen wöchentlich mehrere tausend Vorfälle registriert, von denen jedoch noch kein erfolgreicher Angriff die Energieinfrastruktur schwer beschädigt habe. Die PSEW ist der Ansicht, dass die Branche nicht bei null anfange: Investoren, Übertragungsnetzbetreiber und Behörden hätten seit Jahren gemeinsame Sicherheitsverfahren aufgebaut, während die NATO-Operation „Baltic Sentry“ die Patrouillen und die Unterwasserüberwachung verstärkt habe. Der Verband kommt zu dem Schluss, dass die Zukunft der Offshore-Windenergie gleichermaßen von Resilienz, Technologie und Finanzierung abhängen werde.

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