de.wedoany.com-Bericht: Das deutsche Luftfahrt-Umrüstungsunternehmen Aerodata AG steht kurz vor dem Jungfernflug seiner selbst entwickelten MALE-Drohne (Medium Altitude Long Endurance) AeroForce X. Diese zweimotorige Drohne mit Doppelheckausleger wurde innerhalb von 18 Monaten vom Design bis zur Endmontage fertiggestellt und soll im Oktober ihren Erstflug absolvieren.

Das in Braunschweig ansässige Unternehmen Aerodata ist hauptsächlich auf die Umrüstung von Aufklärungs-, Überwachungs- und Spionageflugzeugen (ISR) spezialisiert. Das Unternehmen gab das Entwicklungsprojekt der Drohne im Dezember bekannt und präsentierte Anfang dieses Monats am Rande der Eröffnung der ILA Berlin Air Show auf einem nahegelegenen Flughafen einen Prototypen. Der CEO und Präsident von Aerodata, Neset Tukenmez, sagte gegenüber Aviation Week, dass das Unternehmen seit Jahren unbemannte Plattformen in sein Produktportfolio aufnehmen wolle, die vorhandenen Plattformen jedoch entweder zu klein seien oder Plattformen aus den USA oder Israel nicht zu den Kundenszenarien passten. Daher habe man sich letztendlich für die Investition in eine eigene Plattform entschieden.
Aerodata hat mit Unterstützung seiner Aktionäre Forschungs- und Entwicklungsmittel bereitgestellt. Tukenmez nannte keine genaue Investitionssumme, sagte jedoch, sie sei „für ein kleines Unternehmen enorm“. Die Drohne wiegt fünf Tonnen, hat eine Nutzlastkapazität von 1,3 Tonnen und eine maximale Flugdauer von 40 Stunden. Tukenmez gab an, dass der Listenpreis der Maschine im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich liege und damit deutlich unter anderen vergleichbaren Plattformen wie der General Atomics MQ-9. Er betonte zudem, dass die Maschine zu 100 Prozent in Deutschland gefertigt werde, einschließlich Triebwerk, Missionspaket und Kommunikationssystem, und daher nicht den International Traffic in Arms Regulations (ITAR) unterliege. Er gab weder die Quelle des Triebwerks noch bekannt, ob es sich um einen Kolben- oder Turboprop-Motor handelt, wies jedoch darauf hin, dass die deutsche Industrie über tiefgreifende Expertise bei Kolbenmotoren verfüge.
Das Aerodata-Ingenieurteam hat bereits die Spannungsprüfung der Tragflächen mit einer Spannweite von 26 Metern abgeschlossen. Bodenroll- und Rolltests stehen unmittelbar bevor. Die Flugerprobung ist in Deutschland geplant. Tukenmez sagte, dass eine Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden vor einigen Jahren nahezu unmöglich gewesen wäre, die regulatorische Denkweise sich jedoch inzwischen grundlegend geändert habe. Er zeigte sich ermutigt durch die Strategie der deutschen Regierung zur Stärkung der Luftfahrtindustrie. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Luftfahrt während der Luftfahrtmesse als „eine der großen Wachstumsindustrien unserer Zeit“.
Aerodata hat bereits großes Interesse an der AeroForce X erhalten, hauptsächlich aus Ländern außerhalb Europas. Seit der Bekanntgabe der Details führt das Unternehmen vertiefte Gespräche. Das Interesse aus Europa ist derzeit begrenzt, jedoch laufen Kontakte mit deutscher Seite. In der Standardkonfiguration ist die AeroForce X mit einer optoelektronischen Kamera und Radar ausgestattet, optional kann die Signals Intelligence (SIGINT)-Fähigkeit hinzugefügt werden. Das Unternehmen prüft auch die Möglichkeit, Abfangdrohnen für Missionen zur Abwehr von Einweg-Angriffsdrohnen zu integrieren. Aerodata zielt primär auf eine militärische Zulassung ab, das Design wurde jedoch bereits mit Blick auf eine zukünftige zivile Zulassung entwickelt. Tukenmez bezeichnete dies als „langfristiges Ziel“.
Der europäische Markt für MALE-Drohnen ist hart umkämpft. Airbus führt die Entwicklung der Eurodrohne an, deren erster Prototyp voraussichtlich 2027 seinen Jungfernflug absolvieren wird – sechs Jahre später als der Projektstart. Die Entwicklung der Hammerhead-Drohne, einer Abwandlung des Piaggio P.180 Avanti Turboprop-Flugzeugs, scheiterte, nachdem der Prototyp ins Mittelmeer stürzte. Leonardo hat sich kürzlich mit dem türkischen Unternehmen Baykar zusammengetan, um in den europäischen Markt einzusteigen. Die AeroForce X ähnelt optisch der zweimotorigen Drohne Aksungur der Turkish Aerospace Industries (TAI), jedoch betonte Tukenmez, dass sich die Aerodata-Maschine in einer anderen Gewichtsklasse befinde und 1,7 Tonnen schwerer sei als die TAI-Plattform.
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