de.wedoany.com-Bericht: Der Ausschuss für Wissenschaft, Technologie und Innovation des brasilianischen Abgeordnetenhauses hat am Dienstag (16. Juni) den Gesetzentwurf zur Schaffung einer nationalen Datencenter-Politik (Política Nacional de Data Center) gebilligt. Kernmaßnahme dieser Politik ist die Sicherstellung des vorrangigen Zugangs zu Übertragungsnetzen in Regionen mit Stromüberschuss für Datencenter sowie die Festlegung entsprechender Regeln für deren Betrieb und Sicherheit.

Gemäß dem gebilligten Vorschlag können Datencenter die Kosten für Netzinfrastruktur übernehmen, beispielsweise für die Installation eigener oder gemeinsam genutzter Strommasten und -kabel. Dies soll die Stromversorgung der Einrichtungen gewährleisten, unter der Voraussetzung, dass die Investitionskosten nicht in die Strompreise für Haushalte einfließen. Der Ausschuss billigte den Ersatztext des Berichterstatters, Abgeordneter David Soares (Podemos – Bundesstaat São Paulo), zum Gesetzentwurf Nr. 1680/25 (eingebracht von Abgeordnetem Pedro Lucas Fernandes (União Brasil – Bundesstaat Maranhão)). Der Berichterstatter strich in der Beratung die Teile zur Steuerbefreiung und wies darauf hin, dass dieses Thema bereits durch das Sondersteuersystem für Datencenter (Redata) in der Maßnahme mit Gesetzeskraft Nr. 1318/25 (Medida Provisória 1318/25) behandelt worden sei, diese jedoch ihre Gültigkeit verloren habe. Soares ist der Ansicht, dass die Infrastruktursicherung den Wegfall der Steuervergünstigungen ausgleichen könne, da eine schnelle Anbindung inzwischen ein ebenso wichtiger Wettbewerbsvorteil sei wie steuerliche Anreize.
Der Gesetzentwurf schafft zudem das System der Datenbotschaften (Embaixadas de Dados), das es Brasilien erlaubt, sensible Daten ausländischer Regierungen zu speichern, sofern ein entsprechendes internationales Abkommen auf Gegenseitigkeit besteht. Diese Daten gelten rechtlich als territoriale Erweiterung des Herkunftslandes. In diesem spezifischen Fall sind die Einrichtungen von der Einhaltung des Allgemeinen Datenschutzgesetzes (LGPD) und der brasilianischen Vorschriften zur Cybersicherheitsresilienz befreit, müssen jedoch weiterhin die geltenden brasilianischen Umwelt-, Stadtplanungs- und Brandschutzvorschriften einhalten.
Der Vorschlag sieht vor, dass strategische brasilianische Daten im Zusammenhang mit Verteidigung, öffentlicher Sicherheit und Verbrechensbekämpfung ausschließlich in Datencentern auf brasilianischem Hoheitsgebiet (oder in von Brasilien im Ausland eingerichteten Datenbotschaften) verarbeitet und gespeichert werden müssen. Darüber hinaus sind die Betreiber von Datencentern von der zivil- und strafrechtlichen Haftung sowie von der Haftung nach dem Allgemeinen Datenschutzgesetz befreit, sofern der Dienstleistungsvertrag ihnen den Zugriff auf diese Dateninhalte untersagt. Diese Regelung befreit die Unternehmen jedoch ausdrücklich nicht von der Haftung im Falle von Sicherheitsausfällen der Infrastruktur.
Die Politik listet mehrere Grundsätze auf: Förderung der Energie- und Wassereffizienz über den gesamten Lebenszyklus von Datencentern (von der Planung bis zur Stilllegung) unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit; Schutz und Entwicklung kritischer Infrastrukturen zur Gewährleistung der nationalen Konnektivität und digitalen Souveränität; Förderung koordinierter Anstrengungen zwischen dem Privatsektor sowie der Bundes-, Staats- und Kommunalverwaltung; Förderung von Wettbewerbsfähigkeit und Innovation, um sicherzustellen, dass Anreize für den Privatsektor sozioökonomische Vorteile bringen und die lokale Wertschöpfungskette entwickeln; Wahrung der Führungsposition bei Verteidigung und Daten ohne Diskriminierung von Brasilianern oder Ausländern; Gewährleistung der Resilienz der Datencenter-Infrastruktur (Fähigkeit, Ausfälle zu widerstehen und sich schnell zu erholen); Sicherstellung der für die kontinuierliche Datenverarbeitung und -speicherung erforderlichen Energieversorgung; gesellschaftliche Beteiligung und Transparenz bei Entscheidungen über die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Installation großer Infrastrukturen; Förderung der geografischen Verteilung von Datencentern unter Nutzung der Energie- und Logistikvorteile der einzelnen Regionen; Förderung und Entwicklung brasilianischer Fachkräfte im Bereich digitaler Technologien und kritischer Infrastrukturen.
Die Angelegenheit wird anschließend vom Finanz- und Steuerausschuss (Comissão de Finanças e Tributação) sowie vom Ausschuss für Verfassung, Justiz und Bürgerschaft (Comissão de Constituição, Justiça e Cidadania) abschließend analysiert. Um Gesetz zu werden, muss der Entwurf vom Abgeordnetenhaus und vom Senat verabschiedet werden.
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