Deutsches Unternehmen Solid Air Dynamics entwickelt biobasierte Aerogelfaser-Dämmstoffe
2026-06-25 11:16
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de.wedoany.com-Bericht: Das aus der Aachener Hochschulforschung hervorgegangene Startup Solid Air Dynamics hat erfolgreich einen biobasierten Aerogelfaser-Dämmstoff auf Cellulosebasis entwickelt, der sich wie herkömmliche Textilfasern verarbeiten lässt und eine mit erdölbasierten Dämmstoffen vergleichbare oder sogar bessere Dämmleistung erzielt. Die vier Gründer des Unternehmens umfassen drei promovierte Ingenieure und einen Textiltechnologie-Experten, deren interdisziplinärer Hintergrund die Bereiche Chemie, Verfahrenstechnik, Textil- und Wärmetechnik sowie Industrieingenieurwesen abdeckt.

Das Unternehmen zielt auf das Problem ab, dass weltweit große Mengen an Heiz- und Kühlenergie aufgrund unzureichender Gebäudedämmung verschwendet werden. Allein in Europa müssen in den nächsten Jahren rund 200 Millionen Gebäude energetisch saniert werden, um die Klimaziele zu erreichen. Herkömmliche Dämmstoffe wie Polystyrolplatten oder Polyesterfasern basieren größtenteils auf Erdöl und weisen Probleme wie fehlende Recyclingfähigkeit sowie die Freisetzung von Mikroplastik während der Nutzung und Entsorgung auf. Schätzungen zufolge gelangen jährlich bis zu 500.000 Tonnen Mikroplastik in die Meere, wovon ein Teil auf den Abrieb synthetischer Textilfasern und Dämmstoffe zurückzuführen ist.

Die vier Geschäftsführer von Solid Air Dynamics: Christian Schwotzer, Jens...

Aerogele als hochporöse Feststoffe bestehen zu bis zu 99,8 % aus Luft, sind extrem leicht und verfügen über eine hervorragende Dämmleistung. Herkömmliche Aerogele liegen jedoch meist in Form von starren Platten oder Partikeln (häufig auf Silicatbasis) vor, sind spröde, teuer in der Herstellung und schwierig zu verarbeiten. Solid Air Dynamics wählt einen anderen Ansatz: Das Aerogel wird zu flexiblen Fasern verarbeitet, die wie normale Textilfasern verwendet werden können. Das patentierte Verfahren basiert auf Cellulose (einem nachwachsenden Rohstoff) und erzeugt eine faserförmige Aerogelmatrix. Das resultierende Gewebe besteht aus reinem biobasiertem Aerogel mit einem feinen Nanoporensystem, das zu 90 % aus Luft besteht. Tests zeigen, dass die Dämmleistung dieses Aerogelgewebes mindestens so gut ist wie die herkömmlicher Materialien wie Mineralwolle oder Schäume auf Basis von PET, PP, PE, in einigen Fällen sogar besser. Gleichzeitig ist das Material recycelbar und verursacht keine Mikroplastikemissionen.

Die Besonderheit des Produkts liegt in der erstmaligen erfolgreichen Herstellung flexibler Aerogelfasern, die Nachhaltigkeit, hohe Leistung und industrielle Verarbeitbarkeit vereinen. Bestehende Aerogel-Dämmstoffe sind entweder starr oder liegen in Pulver- oder Partikelform vor, was sie in vielen Anwendungen unpraktisch macht. Die Aerogelfasern aus Aachen hingegen können mit gängigen Textilmaschinen verarbeitet werden und eröffnen so neue Anwendungsbereiche. Handwerker können das Material wie Mineralwolle oder Dämmmatten zuschneiden und installieren, während Textilhersteller es wie herkömmliche Fasern verarbeiten können. Diese Verarbeitbarkeit und Skalierbarkeit sind zentrale Vorteile, die zu niedrigeren Produktionskosten führen und auf textilen Fertigungsprozessen aufbauen.

In der Marktstrategie hat das Unternehmen die Textilindustrie als erstes Zielsegment identifiziert, insbesondere funktionelle Textilien wie Outdoor-Bekleidung und Schutzkleidung. Dieser Markt ermöglicht es dem Unternehmen, das Material in kleinerem Maßstab zu testen und sich an zahlungskräftigere Kunden zu richten. Im zweiten Schritt ist der Bau einer Pilotanlage im vorindustriellen Maßstab bis 2028 geplant, um eine Tonnenkapazität zu erreichen, gefolgt vom Einstieg in den Markt für Gebäudedämmstoffe. Europa wird aufgrund strenger Nachhaltigkeitsvorschriften als günstiger Markt für den Übergang zu grünen Baumaterialien angesehen. Das Management erwartet, dass das Unternehmen nach Produktionsstart innerhalb eines Jahres die Gewinnschwelle erreichen kann, mit einem Umsatzziel von rund 120 Millionen Euro bis 2035. Der globale Dämmstoffmarkt wurde 2023 auf über 66 Milliarden Euro geschätzt und könnte bis 2033 auf 121 Milliarden Euro wachsen; das Unternehmen strebt einen Marktanteil von etwa 0,3 % an. Neben der Bau- und Textilbranche sieht das Unternehmen auch Anwendungspotenzial in den Bereichen Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik sowie industrielle Hochtemperaturdämmung.

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