de.wedoany.com-Bericht: Nokia und Amazon Web Services (AWS) weiten ihre Zusammenarbeit aus, indem sie die autonome Netzwerkarchitektur von Nokia auf die AWS-Plattform bringen. Ziel ist es, Telekommunikationsdienstanbietern den Betrieb eines vollständigen Betriebsstapels in der Cloud zu erleichtern. Die neue Lösung soll vor Ende dieses Jahres auf den Markt kommen.

Autonome Netze entwickeln sich von einer Laborvision zu einer zentralen Priorität für Telekommunikationsbetreiber. Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Nokia und AWS zielt nicht nur auf die Migration von Netzwerkfunktionen in die Cloud ab, sondern auch auf die Neugestaltung der Art und Weise, wie Betreiber komplexe Infrastrukturen beobachten, verwalten und monetarisieren. Das Projekt baut auf einer bestehenden Linie auf – einige digitale Anwendungen von Nokia laufen bereits auf dieser Plattform, darunter Orchestrierung, Gewährleistung und einheitliche Bestandsverwaltung. Im nächsten Schritt werden erweiterte Fähigkeiten integriert, die die Betreiber näher an die Autonomiestufe L4 heranführen.
Das Kernthema ist der Übergang von verteilten Verwaltungswerkzeugen zu einer programmierbaren Plattform. Derzeit werden Mobilfunk-, Festnetz- und Transportnetze weiterhin in Silos verwaltet, wobei jede Domäne über eigene Systeme, Prozesse und Fachkenntnisse verfügt. Dieses Modell wird zunehmend schwer aufrechtzuerhalten. Der Datenverkehr ändert sich schnell, Dienste werden dynamischer, und Unternehmen fordern garantierte Leistung, Sicherheit und kürzere Aktivierungszeiten. Vor diesem Hintergrund können autonome Netze manuelle Eingriffe reduzieren und operative Entscheidungen beschleunigen.
AWS bringt für dieses Projekt elastische Skalierbarkeit, globale Verfügbarkeit sowie KI- und Machine-Learning-Dienste wie Amazon Bedrock und Amazon SageMaker ein. Nokia steuert KI-Modelle bei, die für den Telekommunikationsbereich trainiert wurden, sowie Netzwerkexpertise und Betriebssoftware. Diese Kombination zielt darauf ab, die Betriebsgeschwindigkeit näher an die Maschinengeschwindigkeit zu bringen, ohne die menschliche Kontrolle zu eliminieren, sondern sie auf Governance, Strategie, Überwachung und Ausnahmemanagement zu verlagern.
Nokia weist darauf hin, dass die autonome Netzwerkarchitektur vier Kernfähigkeiten bietet: domänenübergreifendes einheitliches Datenmanagement, Anwendung von Agentic AI auf Betrieb und Optimierung, Simulation realer Netzwerkauswirkungen durch digitale Zwillinge sowie intent-based Networking. Letzteres übersetzt Geschäftsziele in automatische Aktionen im Netzwerk: Betreiber definieren gewünschte Ergebnisse, die Plattform interpretiert den Kontext, bewertet Ressourcen und leitet Korrektur- oder Optimierungsprozesse ein.
Oguz Sunay, Chief Technology Officer für KI und autonome Netze bei Nokia, erklärte, dass autonome Netze von einer fernen Vision zu einer geschäftlichen Notwendigkeit geworden seien. Die Verschmelzung von intent-based Networking, Agentic AI und cloudnativen Architekturen werde zu einem Wettbewerbshebel. Amir Rao, Global Director für Telekommunikationslösungen bei AWS, verknüpfte den Übergang zu autonomem Betrieb mit drei Dimensionen: der Geschwindigkeit der Problemerkennung, der Geschwindigkeit der Problemlösung und der Geschwindigkeit der Dienstmonetarisierung.
Nokia verweist auf messbare Ergebnisse aus seinem Produktportfolio, darunter eine Automatisierungsrate von über 90 %, eine Servicebereitstellungszeit von höchstens vier Stunden und eine jährliche Dienstunterbrechungszeit von höchstens einer Minute. Darüber hinaus konnte die Zeit für die Bereitstellung von Slices um bis zu 85 % und die Anzahl kundenwirksamer Vorfälle um bis zu 50 % reduziert werden.
Diese Ankündigung kommt nicht aus dem Nichts. Nokia und AWS haben bereits in anderen Bereichen der Cloud-Transformation von Netzen zusammengearbeitet. Auf dem MWC im März zeigten die beiden Unternehmen gemeinsam mit du und Orange Network Slicing auf Basis von Agentic AI; im Februar wurde der erste kommerzielle mobile Dienst auf Basis von 5G-Kernnetz-SaaS im Citymesh-Netz in Belgien gestartet. Diese Schritte zeigen, dass die Cloud nicht nur als Ausführungsinfrastruktur dient, sondern auch als Plattform zur Integration von KI, Automatisierung und cloudnativen Telekommunikationsfunktionen.
Die Vereinbarung zwischen Nokia und AWS bestätigt einen breiteren Trend: Die Grenzen zwischen Netzwerkanbietern und Hyperscale-Cloud-Anbietern verschieben sich. Telekommunikationsanbieter bringen vertikale Fachkenntnisse, domänenspezifische Software und Betreiberbeziehungen ein, während Cloud-Anbieter globale Infrastruktur, KI-Dienste und schnelle Innovationsfähigkeit bereitstellen. In diesem Spiel wird das autonome Netz zum strategischen Terrain – die Fähigkeit, Betriebsdaten, KI-Modelle und Automatisierungszyklen zu kontrollieren, wird die Zukunft des Telekommunikationsbetriebs prägen.
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