Washington State Ferries plant Auslieferung der ersten Hybrid-Elektro-Fähre bis 2030
2026-06-28 14:47
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de.wedoany.com-Bericht: Steve Nevey, stellvertretender Direktor der Washington State Ferries (WSF), leitet eines der ambitioniertesten Transformationsprojekte einer Fährflotte in Nordamerika – und steht dabei vor gleich mehreren Herausforderungen: einer alternden Flotte, Schiffsengpässen, Infrastruktureinschränkungen und finanziellen Zwängen im öffentlichen Sektor. Die Behörde betreibt 21 Autofähren auf zehn Routen und 20 Anlegestellen über den Puget Sound und die Salish Sea und befördert jährlich 19 bis 20 Millionen Passagiere sowie rund 10 Millionen Fahrzeuge – gemessen am Passagieraufkommen das größte Fährsystem der USA.

Im Kern der operativen Herausforderungen von WSF steht der Schiffsengpass. Das System benötigt 24 Schiffe, um das aktuelle Serviceniveau zuverlässig bereitzustellen, verfügt aber nur über 21. Je nach saisonaler Nachfrage sind täglich 17 oder 18 Schiffe im Einsatz, sodass nur wenige für Wartungsarbeiten zur Verfügung stehen. Für unerwartete mechanische Ausfälle gibt es keine Reserve, sodass ein einziger Defekt zu einem betrieblichen Problem für das gesamte Netz wird. Steve Nevey erklärt, dass in den nächsten vier Jahren – bis zur Auslieferung neuer Schiffe durch Eastern Shipbuilding – jeder unerwartete Ausfall eine Kettenreaktion in der gesamten Flotte auslösen werde. Das Durchschnittsalter der Flotte liegt bei etwa 36 Jahren, einige Schiffe sind über 65 Jahre im Dienst, und der Betrieb dieser Schiffe unter Engpassbedingungen erschwert die Herausforderung zusätzlich.

Die Dekarbonisierungsstrategie von WSF umfasst drei Maßnahmen: die Nachrüstung bestehender Schiffe, die voraussichtlich bis nach 2040 in Dienst bleiben, den Bau neuer Hybrid-Elektro-Fähren und die Installation von Ladeinfrastruktur an allen Anlegestellen des Netzes. Das erste große Nachrüstungsprojekt, die Wenatchee, war auf zehn Monate ausgelegt, dauerte letztlich aber 22 Monate. Das technische Konzept sah vor, zwei der vier Dieselmotoren an Bord zu entfernen und durch Batteriepakete sowie zugehörige Infrastruktur zu ersetzen. Die tatsächlichen Baupläne spiegelten jedoch nicht die Gegebenheiten an Bord wider; nach dem Ausbau der Anlagen stellte sich heraus, dass die Positionen von Rohrleitungen und Kabeln nicht mit den Konstruktionsannahmen übereinstimmten. Das Projekt wurde wie eine normale Trockendockwartung behandelt, war aber in Wirklichkeit ein großes Bauvorhaben – eine Lehre, die WSF daraus gezogen hat. Derzeit hat WSF weitere Nachrüstungen ausgesetzt, um Zeitpunkt und Umsetzungsstrategie neu zu bewerten.

Das Neubauprojekt stellt den klarsten Weg in die Zukunft für WSF dar. Das in Zusammenarbeit mit ABB entwickelte Design der Hybrid-Elektro-Fähre hat sich bereits im europäischen Betrieb bewährt. Die Eastern Shipbuilding Group erhielt Ende 2025 den Neubauauftrag. Steve Nevey betont, dass die oberste Priorität darin liege, das erste Schiff bis 2030 termingerecht und im Budgetrahmen zu bauen. Derzeit werde durch einen detaillierten Konstruktionsprüfprozess versucht, Unsicherheiten zu beseitigen und die Unschärfen zu vermeiden, die beim Wenatchee-Projekt aufgetreten seien.

Der Bau der landseitigen Ladeinfrastruktur stellt eine weitere große Herausforderung dar. Jeder Anleger hat seine eigenen Einschränkungen, darunter komplexe Versorgungsschnittstellen in städtischer Umgebung sowie kleine Gemeinden mit begrenzter Infrastrukturkapazität. Es handelt sich nicht um ein sich wiederholendes Projekt, sondern um 20 verschiedene Infrastrukturprojekte, die ein gemeinsames strategisches Ziel verfolgen. Bis diese Infrastruktur fertiggestellt ist, bleiben die Hybridschiffe von WSF eine Übergangslösung. Steve Nevey ist der Ansicht, dass ein überwiegender Batteriebetrieb die Laufzeit der Dieselmotoren reduzieren und so den Verschleiß und den Wartungsaufwand verringern könne.

Im Bereich der Arbeitskräfte hat WSF das Beförderungsmodell geändert. Historisch gesehen bedeutete der Aufstieg von Einstiegspositionen zu zertifizierten Stellen unbezahlte Freistellung und selbst zu tragende Kosten für die Prüfungen. Heute vergütet die Behörde ihren Mitarbeitern die Fortbildung für den Aufstieg und übernimmt die Ausbildungskosten. Die Wirkung ist beachtlich: Kapitänsposten sind nun fest besetzt, die Risikoindikatoren für Pensionierungen haben sich verbessert, und viele neue Mitarbeiter kommen aus Bereichen außerhalb der traditionellen maritimen Kanäle, wie dem Einzelhandel oder dem Dienstleistungssektor. Steve Nevey ist der Ansicht, dass das Problem nicht darin liege, wie man Menschen anzieht, sondern darin, vorhandenen Talenten den Aufstieg zu ermöglichen.

Steve Nevey wurde in eine britische Marinefamilie hineingeboren und entwickelte bereits in jungen Jahren eine Leidenschaft für Schiffe. Mit 16 Jahren trat er in ein Stipendienprogramm von Chevron ein, mit 20 erhielt er die Qualifikation als Dritter Nautischer Offizier und arbeitete anschließend auf Tankern, Fähren, Privatyachten und Kreuzfahrtschiffen. Nach verschiedenen Beförderungen bei Holland America Line wechselte er in das maritime Management und wurde schließlich Betriebsleiter von Holland America Line und Seabourn. Vor viereinhalb Jahren kam er als Betriebsdirektor zu WSF und übernahm zwei Jahre später die Leitung des Systems. Seine Vision für die Zeit in zehn bis 15 Jahren ist eine Flotte, die überwiegend aus Hybrid-Elektro-Schwesterschiffen besteht, mit vollständiger Ladeinfrastruktur an den Anlegestellen und geringerem Wartungsaufwand – doch die entscheidende Phase sei die Aufrechterhaltung des Dienstes bis zur ersten Erneuerungswelle.

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