de.wedoany.com-Bericht: Die brasilianische Regierung plant, in den nächsten fünf Jahren 14,8 Milliarden Real zu investieren, um bis 2030 landesweit eine sinnvolle universelle digitale Konnektivität auszubauen.
Das brasilianische Kommunikationsministerium (MCom) hat den Abschlussbericht des Nationalen Digitalen Inklusionsplans (PNID) vorgelegt. Das Dokument zielt darauf ab, Defizite in den Bereichen Infrastruktur, Gerätezugang und digitale Kompetenzen zu beheben sowie Inklusionsprojekte zu fördern.
Der Plan erstellt eine Roadmap zur Verringerung der Ungleichheiten beim Internetzugang und zur Beschleunigung der nationalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Seine Prämisse ist, dass die Netzabdeckung allein nicht mehr die einzige Herausforderung für eine effektive Inklusion darstellt.
Die für die Umsetzung des PNID erforderlichen Mittel stammen hauptsächlich aus Frequenzversteigerungen (etwa 81 %), dem Universaldienstfonds für Telekommunikation (Fondo del Servicio Universal de Telecomunicaciones, 16 %) sowie aus Bundeshaushaltsmitteln (2,5 %).
Zur Erstellung des PNID führte eine interministerielle Arbeitsgruppe (Grupo de Trabajo Interministerial, GTI) eine Diagnose der technischen und sozialen Lage Brasiliens bis Ende 2025 und Anfang 2026 durch.
Die Analyse zeigt, dass die physische Infrastruktur zwar unverzichtbar ist, aber nicht mehr das Haupthindernis für die internetlose Bevölkerung darstellt. Im Jahr 2024 deckte der Internetdienst bereits 93,6 % der ständig bewohnten Privathaushalte in Brasilien ab, insgesamt 74,9 Millionen Haushalte.
Bei der Bewertung der Erlebnisqualität sieht die Situation jedoch völlig anders aus: Nur 20 % der brasilianischen Bevölkerung erreichen die höchste Stufe sinnvoller Konnektivität, während 30 % sich noch im verletzlichsten digitalen Nutzungsbereich befinden.
Von den 5,1 Millionen vollständig offline lebenden Haushalten spiegeln die Hauptgründe wirtschaftliche und bildungsbezogene Hürden wider. 57 % dieser Haushalte gaben an, dass kein Familienmitglied über die digitalen Fähigkeiten zur Internetnutzung verfügt; 49 % nannten die zu hohen Kosten für den Zugangsdienst; nur 15 % führten die fehlende Verbindung auf die Nichtverfügbarkeit des lokalen Netzes zurück. Der technische Bericht stellt fest: „Die digitale Ausgrenzung hat einen multidimensionalen Charakter, der Infrastruktur, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit geeigneter Geräte und Kompetenzentwicklung umfasst."
Obwohl Glasfaser 79 % der Festnetz-Breitbandanschlüsse ausmacht und die durchschnittliche Vertragsgeschwindigkeit Anfang 2026 auf 491,45 Mbps anstieg, zeigt die Diagnose eine starke Konzentration der Modernisierung auf städtische Umgebungen. Die Abdeckungskarte der Nationalen Telekommunikationsbehörde (Anatel) zeigt, dass 83 % der Gemeinden über eine Glasfaser-Backbone-Infrastruktur (Backhaul) verfügen. Allerdings haben 11 % (628 Gemeinden) keinerlei Abdeckungspläne unter bestehenden regulatorischen Verpflichtungen, wobei 40 % der Lücken in der Region Nordosten liegen. Laut Analyse werden dadurch strukturell 8,9 Millionen Bürger marginalisiert.
Im Mobilfunknetz deckt 4G 99,62 % der städtischen Bevölkerung ab, aber nur 49,58 % der ländlichen Gebiete. Gleichzeitig beträgt die 5G-Abdeckung in städtischen Gebieten 77,71 %, in ländlichen Gebieten jedoch nur 3,63 %. Darüber hinaus weist der PNID-Technikbericht darauf hin, dass der Mangel an Computern die produktive Integration und digitale Bildung stark einschränkt. 65 % der Internetnutzer des Landes greifen nur über Mobiltelefone auf das Internet zu.
Die Abhängigkeit von mobilen Geräten ist in einkommensschwachen Gruppen noch ausgeprägter. In den Schichten D und E liegt der Anteil derjenigen, die nur über mobile Geräte online gehen, bei bis zu 87 %, während nur 10 % der Haushalte dieser Schichten einen Computer besitzen, verglichen mit 97 % in Schicht A. Die Abhängigkeit von Mobiltelefonen und Prepaid-Diensten erschwert andere Aktivitäten wie Online-Bildung oder Telearbeit.
Um diese Asymmetrien zu korrigieren, sieht der Plan Investitionen in drei vorrangige Bereiche in den nächsten fünf Jahren vor. Im Bereich Infrastruktur sind Investitionen von 3,87 Milliarden Real vorgesehen, darunter die Installation von 16.190 km Glasfaser in rückständigen Gemeinden und die Bereitstellung von Hochgeschwindigkeitsverbindungen für 10.487 grundlegende Gesundheitseinheiten und 2.029 Sozialhilfezentren. Im Bereich Zugangsverbreitung sind Investitionen von 7,3 Milliarden Real geplant, darunter die Entwicklung eines Konnektivitätszuschusses für Nutzer des Einheitlichen Registers (CadÚnico), die Ausweitung von Computer-Refurbishment-Zentren auf alle Hauptstädte und die Schaffung einer Zugangspolitik durch Sponsoring von E-Government-Plattformen. Im Bereich digitale Kompetenzen sind Investitionen von 3,6 Milliarden Real vorgesehen, darunter die Finanzierung der Lieferung von 1,11 Millionen Lehrcomputern an öffentliche Schulen, der Start von Pilotprojekten zur digitalen Alphabetisierung für gefährdete Erwachsene und die Durchführung nationaler Kampagnen zur Cybersicherheitssensibilisierung.
Darüber hinaus schlägt der GTI-PNID-Bericht eine vom Kommunikationsministerium geleitete institutionelle Governance vor. Diese wird innerhalb des Interministeriellen Ausschusses für digitale Transformation (Comité Interministerial para la Transformación Digital) koordiniert und durch die Einrichtung des Nationalen Ausschusses für digitale Inklusion (Comité Nacional de Inclusión Digital) ergänzt. Dieser ist ein multisektoraler kollegialer Ausschuss, der Vertreter von Regierung, Bundesstaaten, Gemeinden, Privatsektor, Wissenschaft und Zivilgesellschaft integriert. Diese Zentralisierung reagiert auf die Warnung des Bundesrechnungshofs (Tribunal de Cuentas de la Unión) im Beschluss Nr. 1.699/2025, der feststellte, dass Fragmentierung und fehlende einheitliche Governance historische Mängel sind, die die Wirksamkeit der brasilianischen Digitalinklusionspolitik geschwächt haben.










