de.wedoany.com-Bericht: Die russische Regierung hat einen Resolutionsentwurf veröffentlicht, der dem Ministerium für digitale Entwicklung, Kommunikation und Massenmedien (Минцифры) die Befugnisse einer einheitlichen Regulierungsbehörde im Bereich der Künstlichen Intelligenz verleihen soll. Der Entwurf ändert die Verordnung über das Ministerium aus dem Jahr 2008 und soll am 1. September 2026 in Kraft treten. Sollte der Entwurf angenommen werden, wären rund 28.000 IT-Unternehmen in ganz Russland von der Regulierung betroffen.
Laut dem Entwurf erhält das Ministerium für digitale Entwicklung 20 neue Funktionen, darunter: die Entwicklung der staatlichen Politik und der Rechtsvorschriften im Bereich der Künstlichen Intelligenz; die Ausarbeitung spezieller Gesetze und dazugehöriger Verordnungen; die Koordinierung von Regulierungsdokumenten anderer Ministerien im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz; die Festlegung von Fördermaßnahmen für Entwickler, wie Steuervergünstigungen und Subventionen; die Regulierung des Zugangs zu staatlichen Daten, die für das Training von KI-Modellen erforderlich sind; die Beteiligung an der Entwicklung von Talenten und der Festlegung von Bildungsstandards; die Sicherstellung der Bereitstellung von KI-Technologien für Nutzer über die Plattform „GosTech“ (ГосТех); und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Innerhalb des Ministeriums für digitale Entwicklung wird eine neue KI-Abteilung eingerichtet, die für die Bereitstellung von neuronalen Netzwerklösungen im öffentlichen Sektor zuständig ist, während die bestehende Abteilung sich weiterhin auf die Optimierung der neuronalen Netze selbst konzentriert. Bisher war der Großteil der KI-bezogenen Arbeit dem Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (Минэкономразвития) zugeordnet, wurde aber vor einigen Monaten an das Ministerium für digitale Entwicklung übertragen.
In Bezug auf die Regulierungskosten und den Umfang der Betroffenheit könnten bis zu fast 28.000 Unternehmen reguliert werden, darunter juristische Personen und Einzelunternehmer (mit Ausnahme von Kleinstunternehmen), die in der Softwareentwicklung und Informationstechnologie tätig sind. Die Autoren des Entwurfs schätzen, dass die Unternehmen in den nächsten sechs Jahren Kosten in Höhe von 300 Millionen bis 3 Milliarden Rubel tragen könnten, weisen jedoch darauf hin, dass es sich bei dieser Schätzung um eine Annahme handelt. Die Resolution ist lediglich ein Rahmendokument, das keine spezifischen verbindlichen Anforderungen einführt, sondern lediglich die für diesen Bereich zuständige Regierungsbehörde festlegt.
Die Einrichtung einer einheitlichen Regulierungsbehörde ist Teil eines größeren Prozesses, den die Regierung seit Anfang 2026 vorantreibt. Im März dieses Jahres legte das russische Ministerium für digitale Entwicklung einen Rahmenentwurf für die staatliche Regulierung von Künstlicher Intelligenz vor, der erstmals auf gesetzlicher Ebene eine Definition von Künstlicher Intelligenz festlegte und die Klassifizierungen „souveränes Modell“, „staatliches Modell“ und „vertrauenswürdiges Modell“ einführte. Während der Ausarbeitung des Entwurfs wurde über die Kennzeichnung schädlicher Inhalte, die obligatorische Zertifizierung von Modellen und die drei Klassifizierungen von KI-Modellen diskutiert. Im Juni dieses Jahres wurde der Inhalt des Dokuments von 21 auf 13 Artikel reduziert, und die Bestimmungen zur obligatorischen Kennzeichnung von Inhalten sowie die Beschränkungen für ausländische Technologien wurden gestrichen.
Das Aufkommen einer einheitlichen Regulierungsbehörde könnte die Prozesse für Entwickler vereinfachen, da sie nicht mehr mit mehreren Ministerien koordinieren müssten, sondern nur noch eine zentrale Anlaufstelle hätten. Es gibt jedoch auch Bedenken, dass eine zu strenge Regulierung die Entwicklung der Branche behindern könnte. Darüber hinaus berichtete die russische Wirtschaftszeitung RBK im Mai dieses Jahres, dass das russische Ministerium für digitale Entwicklung eine Umstrukturierung durchführt, bei der 15 % der Stellen gestrichen und einige Befugnisse formell an den Föderalen Sicherheitsdienst (FSB) übertragen werden sollen. Die Konzentration der KI-Regulierungsbefugnisse findet im Rahmen einer Neuverteilung der Macht zwischen den Sicherheitsbehörden und dem digitalen Ministerium statt.
Der Resolutionsentwurf befindet sich derzeit in der öffentlichen Diskussionsphase. Bis zum 1. September hat der Markt Zeit, über seine potenziellen Auswirkungen nachzudenken.










