de.wedoany.com-Bericht: Der Ausbau des Kopenhagener U-Bahn-Netzes schreitet weiter voran. Metroselskabet hat die Ausschreibung für die Tiefbau- und Transportsysteme der ersten Phase der zukünftigen Linie M5 gestartet. Das Gesamtprojekt wird auf rund 1,35 Milliarden Euro geschätzt. Die Ausschreibung umfasst zwei Hauptvertragspakete, wobei das Tiefbaupaket auf 800 Millionen Euro und das Transportsystempaket auf 550 Millionen Euro geschätzt wird. Die Ausschreibung für das Transportsystem umfasst zunächst die Beschaffung von mehr als 5 automatisierten U-Bahn-Zügen. Laut offiziellen Daten beförderte die Kopenhagener U-Bahn im Jahr 2025 135 Millionen Fahrgäste, ein Anstieg von rund 8 % im Vergleich zum Vorjahr, was einen neuen Rekord in der Netzgeschichte darstellt.

In den letzten Jahren ist der Ausbau des U-Bahn-Netzes zu einem entscheidenden Treiber der Stadtplanung und -entwicklung Kopenhagens geworden. Im Juni 2024 wurde die südliche Verlängerung der Linie M4 bis nach Sydhavn und Valby eröffnet. Die Fahrgastzahlen an den fünf neuen Stationen übertrafen die anfänglichen Prognosen um 50 %. Die Station Havneholmen verzeichnete 2026 einen Anstieg der Fahrgastzahlen um 22 % gegenüber dem Vorjahr, hauptsächlich bedingt durch die rasche Entwicklung von Wohn- und Bürogebieten. Dieses Ergebnis zeigt, dass Verkehrsinfrastruktur nicht nur der Stadtentwicklung folgt, sondern diese auch vorantreibt.

Die Linie M5 ist eine geplante eigenständige Strecke mit 9 Stationen, die in zwei Phasen gebaut wird. Die erste Phase umfasst 6 Stationen (5 unterirdische und 1 oberirdische Station), zwei Tunnelbohrungen mit einer Gesamtlänge von 7 Kilometern, einen 2 Kilometer langen Viadukt sowie ein Kontroll- und Wartungszentrum. In der ersten Phase werden 14 automatisierte Züge in Betrieb genommen. Der südliche Abschnitt der ersten Phase erstreckt sich vom Kopenhagener Hauptbahnhof (København H) bis zum Gebiet nördlich des Prags Boulevard. Die Ausschreibungsunterlagen wurden nach einem dreijährigen Dialog mit der Branche erstellt, wobei beide Seiten die technischen Anforderungen und Vertragsvorlagen an die aktuellen europäischen Marktbedingungen angepasst haben. Die Frist für die Einreichung von Teilnahmeanträgen endet am 25. August, und das Vergabeverfahren ist für den Zeitraum vom 16. September bis 27. Dezember 2026 geplant.

Die Ausschreibung für das Transportsystem umfasst die Planung, Lieferung und Integration der wichtigsten Komponenten für den Betrieb der neuen Strecke, darunter Fahrzeuge, Schieneninfrastruktur (einschließlich CBTC-Signalsystem der Stufe GoA4) sowie das Kontroll- und Wartungszentrum (CMC). Der Vertrag umfasst auch langfristige Wartungsdienstleistungen nach der Inbetriebnahme des Systems, einschließlich Wartungsaktivitäten, Erstellung von Wartungsplänen und Schulung der Mitarbeiter. Das Transportsystem und die Wartungsdienstleistungen werden als integriertes Paket beschafft, für das ein einziger Bieter ausgewählt wird. Der Vertrag enthält außerdem drei Erweiterungsoptionen: Beschaffung von bis zu 5 zusätzlichen Zügen, Verlängerung der Strecke vom Prags Boulevard nach Refshaleøen sowie eine weitere Verlängerung von Refshaleøen nach Lynetteholm. Die U-Bahn-Züge werden speziell nach bestimmten Anforderungen konstruiert und in kleinen Chargen ausgeliefert. Der anfängliche Vertrag umfasst die Lieferung von 10 bis 30 Fahrzeugen, ohne Garantie für Folgeaufträge. Der erste Abschnitt soll 2036 in Betrieb genommen werden.

Beide Verträge werden im Design-and-Build-Verfahren vergeben, jedoch mit unterschiedlichen Verfahren: Das Transportsystem wird im wettbewerblichen Dialog vergeben, der Tiefbau im Verhandlungsverfahren. Metroselskabet führt moderne Risikoteilungsmechanismen ein, darunter das Konzept der geotechnischen Basislinie, bei dem der Begünstigte einen Teil des geologischen Risikos trägt, sowie einen Mechanismus basierend auf dem „Pain/Gain"-Konzept, bei dem beide Parteien zusätzliche Kosten und Einsparungen nach vereinbarten Regeln teilen. Dieser Ansatz spiegelt den Trend zur kooperativen Zusammenarbeit bei großen Infrastrukturprojekten wider.

Die Linie M5 ist als automatisierte Strecke konzipiert, die das Netz erweitert und gleichzeitig die Systemkapazität erhöht. Der Abschnitt über den Hafen ist derzeit einer der am stärksten frequentierten im Netz, und die anhaltende Stadtentwicklung wird den Druck auf die bestehende Infrastruktur erhöhen. Der nördliche Abschnitt der Strecke ist als Vertragsoption im Transportsystemvertrag enthalten. Es wird erwartet, dass der letzte Abschnitt 2045 in Betrieb genommen wird, und eine zukünftige Verlängerung zu einer Ringschluss ist möglich. Die neue Strecke wird direkte Verbindungen zu den bestehenden Linien M1, M2, M3, M4, Regional- und Fernzügen sowie zum S-Bahn-Netz haben und den Kopenhagener Hauptbahnhof zu einem noch wichtigeren multimodalen Verkehrsknotenpunkt machen. Bei der Gestaltung der Stationen ist geplant, mehr natürliches Licht, direkte Zugänge von der Straßenebene zu den Bahnsteigen an einigen Stationen sowie eine intuitivere räumliche Führung zu bieten. Die Architektur soll sich in die Charakteristika der Gemeinden einfügen. Durch die Verwendung einer begrenzten Anzahl von Materialien und einer kompakteren Konstruktion soll der CO2-Fußabdruck im Vergleich zu früheren U-Bahn-Linien um 50 % reduziert werden. Sowohl der Tiefbauvertrag als auch der Transportsystemvertrag enthalten verbindliche Ziele zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks. Das neue Kontroll- und Wartungszentrum muss hohe Standards in Bezug auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit erfüllen. Der CEO von Metroselskabet, Mikkel Kjær Jensen, erklärte, dass die neue Linie die Verbindungen zwischen verschiedenen Stadtteilen stärken und engere Verbindungen zwischen bestehenden Gemeinden sowie zu neuen Stadtentwicklungsgebieten schaffen wird.






