de.wedoany.com-Bericht: Die Hitzewelle zwingt das südfranzösische Gaskraftwerk in Martigues in die Gefahr einer Abschaltung. Rekordtemperaturen im Mittelmeer führen zu einem Mangel an Kühlwasser und verschärfen die ohnehin angespannte Stromversorgungslage des Landes weiter.

Seit Frühsommer ist Europa ununterbrochen von extremer Hitze betroffen, was zu Wasserknappheit und Waldbränden führt. Der französische Energiekonzern EDF hat für das 930-Megawatt-Kraftwerk in Martigues eine Drosselungsanordnung erlassen. Es ist das erste Mal in diesem Sommer, dass ein Gaskraftwerk in Frankreich aufgrund von Hitze von einer Abschaltung bedroht ist.
EDF teilte Reuters mit, dass das Kraftwerk trotz Überschreitung der üblichen Kühlwassertemperaturgrenze von 30 Grad Celsius eine Ausnahmegenehmigung erhalten habe, die den Betrieb bis zum 15. September erlaubt. Allerdings droht auch die neue Obergrenze von 32 Grad Celsius überschritten zu werden.
Druck auf Kernkraft nimmt zu
Eine Abschaltung des Kraftwerks würde das Stromsystem zusätzlich belasten. Am Donnerstagabend waren bereits rund 4,9 Gigawatt Kernkraftwerksleistung aufgrund erhöhter Flusswassertemperaturen nicht nutzbar; weitere 2,5 Gigawatt waren wegen gesunkener Wasserstände abgeschaltet.
Die Kernkraft ist das Rückgrat der französischen Stromversorgung und deckt etwa 70 % des nationalen Strombedarfs. Die derzeit stillgelegte Kernkraftwerksleistung entspricht rund 14 % der gesamten installierten Leistung Frankreichs.
Thibault Laconde, Gründer des Klimadatenanalyseunternehmens Callendar, sagte gegenüber Reuters, Frankreich habe bereits zwei klimabedingte Nichtverfügbarkeitswellen erlebt, deren Intensität und Zeitpunkt beispiellos seien und die auch Reaktoren beträfen, die normalerweise nicht von solchen Bedingungen betroffen seien.
Temperaturen voraussichtlich sinkend, Dürre hält an
Am Freitag könnten weitere Kernreaktoren aufgrund der anhaltenden Hitze ihre Leistung drosseln. Mit dem beginnenden Temperaturrückgang wird erwartet, dass der Reaktor Bugey 3 am Freitagabend wieder in Betrieb geht. Der Kernreaktor Golfech 2 in Südfrankreich wurde hingegen aufgrund der Hitzewelle vollständig abgeschaltet; dies wird voraussichtlich bis zum 25. Juli andauern.
Darüber hinaus sind im Kraftwerk Chooz weiterhin rund 2,5 Gigawatt installierter Leistung aufgrund des gesunkenen Wasserstands der Maas (Meuse) abgeschaltet. Für die Nutzung des Flusswassers besteht ein Abkommen mit Belgien.
Der französische Wetterdienst Météo-France erklärte, die Hitzewelle werde in den kommenden Tagen abklingen und sich bis zum Wochenende voraussichtlich hauptsächlich auf den Südosten beschränken. Die Behörde warnte jedoch, dass die Dürre seit Ende Mai aufgrund fehlender starker Regenfälle und ungewöhnlich hoher Temperaturen zunehmend verschärft werde.










