de.wedoany.com-Bericht: Die indische NE-Metallrecyclingindustrie steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Mit der Umsetzung der Vision „Viksit Bharat 2047" wird das Recycling zu einer tragenden Säule für die Sicherung der Versorgung, die Steigerung der Kosteneffizienz, die Verbesserung der Ressourcennutzung und die Erreichung der Dekarbonisierungsziele. Trotz zunehmender politischer Impulse behindern strukturelle Defizite bei der Schrottstatistik, der Infrastruktur, der Formalisierung der Branche und der Importabhängigkeit die vollständige Ausschöpfung des Potenzials dieser Branche.
Eine bedeutende regulatorische Änderung ist die Einführung des Systems der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR). Gemäß den „Gefährliche Abfälle und andere Abfälle (zweite Änderung) Regeln" von 2024 müssen sich Hersteller ab April 2025 bei der Zentralen Kontrollbehörde für Umweltverschmutzung registrieren und sind für die Sammlung und das Recycling von Altprodukten verantwortlich. Zur Förderung der Kreislaufwirtschaft hat die Regierung Mindestziele für den Rezyklatanteil festgelegt: 5 % bis zum Geschäftsjahr 2028 und 10 % bis zum Geschäftsjahr 2029. Bis zum Geschäftsjahr 2031 sollen die Ziele für Aluminium, Kupfer und Zink auf 10 %, 20 % bzw. 25 % steigen.
Branchenakteure gehen davon aus, dass der tatsächliche Rezyklatanteil in der Praxis in Indien diese Schwellenwerte bereits überschritten haben könnte. Derzeit wird der Mindestrezyklatanteil für Kupfer auf etwa 35–40 % und für Aluminium und Zink auf jeweils 25–30 % geschätzt. Das Problem liegt darin, dass ein Großteil der Recyclingaktivitäten immer noch über parallele und informelle Kanäle abläuft, sodass die offiziellen Statistiken die tatsächliche Situation nicht genau widerspiegeln. Branchenrückmeldungen zeigen, dass die indische Regierung derzeit den in den Recyclingkreislauf zurückfließenden inländischen Schrott (insbesondere Post-Consumer-Schrott) nicht umfassend erfasst, weshalb der tatsächliche Umfang des Recycling-Ökosystems erheblich unterschätzt wird.
Diese neuen Vorschriften könnten die Recyclingquoten erhöhen, das fragmentierte Schrott-Ökosystem integrieren, die Rückverfolgbarkeit verbessern und Investitionen in eine standardisierte Recyclinginfrastruktur anziehen. Kurzfristig könnten jedoch die Compliance-Kosten steigen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die von informellen Betrieben zu regulierten Systemen übergehen.
Die politische Ausrichtung Indiens zielt zunehmend auf eine ausgewogenere Versorgungskombination aus Primär- und Sekundärmetallen ab. Am Beispiel Aluminium: Die Sekundärnachfrage wächst mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 10,7 % und übertrifft damit deutlich das Wachstum der Primärnachfrage. Langfristig könnte Sekundäraluminium bis 2070 fast 50 % des Angebots ausmachen, was auf einen um 95 % geringeren Energieverbrauch und deutlich reduzierte Emissionen im Vergleich zur Primäraluminiumproduktion zurückzuführen ist. Der Wandel bei Kupfer ist komplexer. Indien ist derzeit zu über 90 % auf Importe von Kupferkonzentrat angewiesen, was eine erhebliche Lieferkettenanfälligkeit darstellt. Gleichzeitig wird die Sekundärkupfernachfrage voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 13–14 % wachsen und bis zum Geschäftsjahr 2030 etwa 1,4 Millionen Tonnen erreichen. Die politischen Entscheidungsträger streben einen Anteil von 55 % für Sekundärkupfer an der Versorgung an.

Im Gegensatz zu etablierten Recyclingwirtschaften basiert die indische Kupferrecyclingindustrie immer noch hauptsächlich auf direktem Einschmelzen, was fast 38 % des Angebots ausmacht und oft zu Schwankungen in Reinheit und Produktqualität führt. Branchenvertreter sind jedoch der Ansicht, dass das indische Ökosystem für Sammlung, Sortierung und Bündelung bereits sehr effizient ist. Sobald der Schrott korrekt nach Spezifikationen sortiert und direkt für geeignete Legierungssysteme verwendet wird, ist dies oft wirtschaftlicher als eine teure Sekundärraffination. Beispielsweise könnte Kupferschrott mit Spuren von Aluminium besser für Aluminiumbronze geeignet sein als für die Raffination zu reinem Sekundärkupfer. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer anwendungsorientierten Recyclingstrategie.
Eine der größten Herausforderungen für die NE-Metallindustrie ist ihre starke Abhängigkeit von importiertem Schrott. Im Aluminiumbereich deckt Indien etwa 85–90 % seines Schrottbedarfs durch Importe und wurde im Geschäftsjahr 2026 mit Importen von etwa 2 Millionen Tonnen zu einem der weltweit größten Schrottimporteure. Im Kupferbereich ist Indien der drittgrößte Schrottimporteur weltweit, mit geschätzten Importen von etwa 410.000 Tonnen im Geschäftsjahr 2026. Die Zollstruktur beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit, aber das größere Problem ist die strukturelle Abhängigkeit.

Berichten zufolge hat eine Arbeitsgruppe des Bergbauministeriums empfohlen, den Basisimportzoll von 2,5 % auf Aluminiumschrott abzuschaffen, um die inverse Zollstruktur zu korrigieren und die Wettbewerbsfähigkeit der nachgelagerten Hersteller zu verbessern. Es wird erwartet, dass diese Empfehlung bald dem Finanzministerium vorgelegt wird. Derzeit importiert Indien jährlich 1,6–1,8 Millionen Tonnen Aluminiumschrott. Aufgrund des Nachfragewachstums und des begrenzten inländischen Schrottangebots wird erwartet, dass die Importe in diesem Geschäftsjahr auf 1,9–2,0 Millionen Tonnen steigen. Im Kupferbereich könnte die Abschaffung des Importzolls auf Schrott im Haushalt 2026 die inländische Produktion und das Recycling unterstützen. Gleichzeitig verschärfen sich die globalen Versorgungsrisiken: Die USA und die EU erwägen Beschränkungen für Schrottexporte, was die Rohstoffversorgung importabhängiger Volkswirtschaften wie Indien erheblich einschränken könnte. Maßnahmen wie die Qualitätskontrollverordnung gestalten die Handelsströme ebenfalls neu, indem sie Importe minderer Qualität einschränken und die inländische Wertschöpfung fördern.
Die Kostenstruktur beeinträchtigt weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit der indischen Recyclingindustrie. Recycler sind mit einer inversen Zollstruktur bei Maschinen und Verarbeitungsanlagen konfrontiert, die Skalierung und Technologieeinführung einschränkt. Branchenvertreter weisen darauf hin, dass die Waren- und Dienstleistungssteuer auf Konzentrate hauptsächlich als Vorsteuerabzugsmechanismus dient, während Zölle der bedeutendere Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit sind. Die Branche setzt sich seit langem für eine Unterstützung der Recycling- und nachgelagerten Industrien durch ein produktionsgebundenes Anreizprogramm ein. Angesichts der kapitalintensiven Natur der Recyclinginfrastruktur ist diese Unterstützung von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise könnte der Bau einer Kupferrecyclinganlage mit einer Kapazität von 500.000 Tonnen Investitionen von fast 100 Milliarden Indischen Rupien erfordern. Gleichzeitig werden die bestehenden Kohle- und Stromsteuern in Indien als implizite CO2-Bepreisungsmechanismen betrachtet, die den heimischen Markt schrittweise an globale Kohlenstoffrahmen anpassen.
Trotz der starken politischen Dynamik sind Branchenakteure der Ansicht, dass das indische Recycling-Ökosystem nicht unterentwickelt, sondern unterbewertet ist. Indien verfügt bereits über ein aktives Ökosystem für Sammlung, Sortierung und Bündelung, das sicherstellt, dass NE-Metallschrott selten auf Deponien landet. Die Herausforderung besteht darin, dass ein Großteil der Aktivitäten außerhalb des offiziellen Meldesystems stattfindet, sodass das wahre Ausmaß des Recyclings in den offiziellen Statistiken fehlt. Um die Effizienz zu steigern und zu formalisieren, plädiert die Branche für die Entwicklung von Recyclingclustern in der Nähe von städtischen Abfallentstehungszentren, um die logistische Machbarkeit zu verbessern und Transportkosten zu senken. Darüber hinaus wird zunehmend die formelle Anerkennung und Legalisierung des bestehenden urbanen Bergbau-Ökosystems gefordert. Die Technologieeinführung ist eine weitere Priorität. Es wird empfohlen, innerhalb der Recyclingcluster gemeinsame Infrastrukturplattformen zu schaffen, die es KMU ermöglichen, über gemeinsame Einrichtungen Zugang zu fortschrittlichen Sortier- und Raffinationstechnologien zu erhalten. Für Kupfer schlagen Experten außerdem einen „Green Fence Mechanismus" vor, um Importe von Schrott minderer Qualität zu beschränken und so die Zufuhr von höherwertigem Material in den inländischen Recyclingkreislauf sicherzustellen.

Um das volle Potenzial des NE-Metallrecyclings auszuschöpfen, haben Branchenakteure mehrere langfristige Prioritäten skizziert. Dazu gehören die Entwicklung einer umfassenden nationalen Politik für das Recycling von NE-Metallschrott, die Formalisierung informeller Recyclingkanäle durch EPR und damit verbundene Steuermechanismen, die Schaffung spezieller Normungs- und Anwendungsentwicklungsstellen sowie die Förderung von geschlossenen Recyclingsystemen in der Automobil-, Elektronik- und Verpackungsindustrie. Darüber hinaus wird zunehmend betont, dass hochwertiger inländischer Schrott durch geeignete Exportkontrollen und Anreize zur Wertschöpfung in Indien gehalten werden sollte.
Indiens Vorstoß in Richtung einer Kreislaufwirtschaft für NE-Metalle gewinnt an Fahrt. Angesichts der steigenden Nachfrage aus den Bereichen Infrastruktur, erneuerbare Energien, Verkehr und verarbeitendes Gewerbe wird das Recycling eine wichtigere Rolle bei der Verringerung der Importabhängigkeit, der Senkung der Emissionen und der Sicherung der langfristigen Versorgungssicherheit spielen. Der Wandel ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Das nächste Wachstum hängt davon ab, ob Indien die bestehenden parallelen Aktivitäten effektiv regulieren, die inländische Verarbeitungsinfrastruktur stärken, die Rückverfolgbarkeit verbessern und die Anfälligkeit gegenüber Unterbrechungen im globalen Schrotthandel verringern kann. Die Chancen sind enorm, die Umsetzung wird entscheidend sein. Diese wichtigen Branchenentwicklungen werden auf dem Global Commodity Summit, der vom 12. bis 14. August 2026 im JIO World Convention Centre in Mumbai stattfindet und von MCX ausgerichtet und von BigMint mitveranstaltet wird, im Mittelpunkt stehen.










