US-amerikanisches Unternehmen Island Roadhouse stellt Design für nuklear betriebenen KI-Rechenzentrumscampus in Missouri vor
de.wedoany.com-Bericht: Am 9. September 2026 stellte das Rechenzentrumsunternehmen Island Roadhouse Data Centers das Design für einen geplanten integrierten, wassersparenden, nuklear betriebenen Rechenzentrumscampus in Missouri vor. Der Campus soll im Betrieb hinter dem Stromzähler betrieben werden, wobei die Stromerzeugung vor Ort erfolgt, um den Strombedarf für KI-Rechenlasten zu decken. Hochdichte Datenhallen sollen durch geschlossene Warmwasser-Flüssigkühlung und Trockenkühlungssysteme gekühlt werden, während Abwärme über ein Wärmenetz des Campus an industrielle Drittnutzer geliefert werden soll.

Das Design zielt hauptsächlich auf die Einschränkungen bei der Stromversorgung und den Netzanschlusszyklen beim Aufbau von KI-Infrastruktur ab. Der im Juni 2026 vom Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL) veröffentlichte Bericht „Queued Up: 2026 Edition" zeigt, dass Ende 2025 in den USA etwa 8.200 Projekte auf den Netzanschluss warteten, mit einer Gesamtkapazität von 1.312 Gigawatt; bei den 2025 fertiggestellten Projekten lag die mediane Zeit vom Netzanschlussantrag bis zum kommerziellen Betrieb bei über 5 Jahren. Der im April 2026 von der Internationalen Energieagentur (International Energy Agency, IEA) veröffentlichte Bericht „Energy and AI" prognostiziert, dass der Stromverbrauch globaler Rechenzentren von 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf 950 Terawattstunden im Jahr 2030 steigen wird, was nahezu einer Verdopplung entspricht. Der Bericht weist zudem darauf hin, dass US-amerikanische Rechenzentrumsentwickler aufgrund der Geschwindigkeit des Netzanschlusses zunehmend Lösungen mit Stromerzeugung vor Ort in Betracht ziehen.
Auch der Wasserverbrauch stellt eine der Einschränkungen beim Bau von Rechenzentren dar. Der im Dezember 2024 von LBNL veröffentlichte Bericht „2024 United States Data Center Energy Usage Report" schätzt, dass der direkte Wasserverbrauch von US-Rechenzentren im Jahr 2023 etwa 66 Milliarden Liter betrug.
Nach dem Konzept von Island Roadhouse soll der Campus den Strombedarf für Rechenlasten und die Kernsysteme des Campus durch Stromerzeugung vor Ort decken. Die Energiebasis bilden fortschrittliche Kernreaktoren in N+1-Konfiguration, um Redundanz auf Reaktorebene zu erreichen. Die von den Reaktoren erzeugte Wärme soll über einen indirekten geschlossenen überkritischen Kohlendioxid-Brayton-Zyklus in elektrische Energie umgewandelt werden. Der Campus ist nicht als Anlage zur externen Stromversorgung geplant und soll auch keinen Strom in das Netz einspeisen.
David Kinsman, Chief Technology Officer von Island Roadhouse, erklärte, Strom und Kühlung seien keine zwei isolierten Probleme, sondern Teil desselben Systems. Das Unternehmen plane, Reaktoren, Stromumwandlung, Flüssigkühlung und Wärmenetz auf demselben Campus zu integrieren, sodass der Strom am Standort der Rechengeräte, also hinter dem Stromzähler, erzeugt werde. Er erklärte weiter, Rechenzentren erzeugten üblicherweise große Wärmemengen; das Campusdesign betrachte Abwärme als messbares, verkaufbares Wärmeenergieprodukt, das den Nutzern über das Wärmenetz zur Verfügung gestellt werde.
Hinsichtlich des Kühlkonzepts setzt der Campus für hochdichte Rechenlasten auf geschlossene Warmwasser-Chip-Flüssigkühlung, wobei Trockenkühlung als primäre und abschließende Kühlmethode dient. Der Campus ist auf das Ziel eines geringen Wasserverbrauchs ausgelegt und sieht einen jährlichen Planungsindikator für die Wassereffizienz vor. Thermische Energiespeicherung wird als optimiertes Asset einbezogen; netzgekoppelte Batterien sind auf dem Campus nicht geplant, die einzige geplante Speicherform ist thermische Energiespeicherung.
Die Abwärme des Campus soll über ein Wärmenetz an industrielle Prozesse Dritter und andere nichtindustrielle Nutzer geliefert werden. Die Servicemodelle umfassen Wärmekapazitätsreservierung, gemessene Wärmeversorgung und Wärmeinterkonnektion. Die betreffenden Nutzer werden ihre Anlagen selbst finanzieren, errichten, besitzen und betreiben. Island Roadhouse erklärt, der Campus sei so ausgelegt, dass er die gesamte erforderliche Wärme selbst abgeben könne; die Wärmenutzung sei daher eine Optimierungs- und Nachhaltigkeitsverbesserung und keine Bedingung, von der der Betrieb des Campus abhänge.
Die Geschäftspositionierung von Island Roadhouse besteht darin, langfristige, stromgesicherte Rechenzentrumskapazität und damit verbundene Anlagendienstleistungen anzubieten. Kunden stellen ihre Rechenressourcen selbst bereit und betreiben sie; zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören weder Stromverkauf noch Cloud-Computing oder GPU-as-a-Service. Die erste Projektphase soll eine vermarktbare IT-Last von bis zu 154 Megawatt bereitstellen, mit dem Ziel der Aufnahme des kommerziellen Betriebs im Jahr 2034. Die Erweiterung der zweiten Phase ist bereits in die Gesamtplanung des Campus aufgenommen.
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