Wissenschaftler des australischen QIMR Berghofer Medical Research Institute haben eine neue Art von krebsbekämpfenden RNA-Molekülen entdeckt, die neue Hoffnung für die Behandlung der häufigsten Form von hormonrezeptorpositivem (HR+) Brustkrebs bieten. Diese Entdeckung könnte zu RNA-Therapien für Patienten mit fortgeschrittenen, therapieresistenten Erkrankungen führen. Das Forschungsteam treibt derzeit die Entwicklung für den klinischen Einsatz voran.

Die siebenjährige Studie wurde von einem Team unter der Leitung von Professorin Stacey Edwards und Professorin Juliet French durchgeführt. Die zugehörigen Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Molecular Cancer“ veröffentlicht. Das entdeckte lange nichtkodierende RNA (lncRNA)-Molekül besitzt einen doppelten krebsbekämpfenden Mechanismus: Es kann sowohl direkt den Tod von Tumorzellen auslösen als auch das Immunsystem aktivieren, um Krebszellen zu erkennen und anzugreifen. Professorin French erklärt: „In präklinischen Modellen zielte dieses Molekül spezifisch auf HR+-Brustkrebszellen ab und zeigte keine Toxizität gegenüber gesunden Zellen. Diese Präzision macht es zu einer vielversprechenden Therapieoption.“
Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen in Australien und weltweit, wobei etwa 70 % der Fälle dem HR+-Subtyp angehören. Obwohl Hormonblocker-Therapien die Überlebensraten deutlich verbessert haben, entwickeln bis zu ein Drittel der Patienten Resistenzen, die zu einem Rückfall oder einer Metastasierung führen können. Diese sogenannten „kalten Tumore“ entziehen sich oft dem Immunsystem, weshalb herkömmliche Immuntherapien nur begrenzt wirksam sind. Die neue RNA-Therapie könnte diesen Teufelskreis durchbrechen – sie kann sowohl allein als auch in Kombination mit bestehenden Immuntherapien eingesetzt werden, um deren Wirksamkeit durch Aktivierung des Immunsystems zu verstärken.
Das Forschungsteam entwickelt derzeit ein Lipid-Nanopartikel-Transportsystem, um die Effizienz der gezielten Abgabe des RNA-Moleküls an Krebszellen zu erhöhen. Ein Vorteil RNA-basierter Therapien ist ihre relativ kurze Entwicklungszeit, eine Eigenschaft, die bereits bei der Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen unter Beweis gestellt wurde. Professorin Edwards weist darauf hin: „Nichtkodierende RNA wurde einst als ‚Junk-DNA‘ angesehen, aber unsere Forschung zeigt ihr Potenzial zur Regulierung der Genexpression. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu zielgerichteten RNA-Krebstherapien.“
Veröffentlichungsdetails: Autoren: Haran Sivakumaran et al., Titel: BRRIAR lncRNA modifiziert Brustkrebsrisiko durch Regulierung von cis- und trans-Interferonsignalen, Veröffentlicht in: Molecular Cancer (2026), Zeitschrifteninfo: Molecular Cancer














