Vor dem Hintergrund der weltweiten Suche der Stromerzeugungsbranche nach kohlenstoffarmen Transformationslösungen haben GE Vernova und das japanische Schwerindustrieunternehmen IHI Corp. einen bedeutenden technologischen Fortschritt bekannt gegeben. Beide Seiten verkündeten, dass sie erfolgreich die Fähigkeit einer vollmaßstäblichen Brennkammerkomponente einer F-Klasse-Gasturbine von GE Vernova zur Verbrennung von 100% Ammoniak unter Volllastbedingungen validiert haben. Der Erfolg dieses Tests markiert einen Durchbruchserfolg in ihrer gemeinsamen Forschungsinitiative, die darauf abzielt, technologische Hindernisse für die Dekarbonisierung von planbarer Stromerzeugung zu beseitigen.

Der Test fand am großen Brennstoffprüfstand im Aioi Works-Werk von IHI in der Präfektur Hyogo statt. Diese Einrichtung wurde im Juni 2025 offiziell in Betrieb genommen und ist speziell darauf ausgelegt, die Betriebsumgebung einer GE Vernova F-Klasse-Gasturbine unter vollständigen Temperatur-, Druck- und Durchflussbedingungen nachzubilden. Laut einer am 17. März veröffentlichten Erklärung stimmen die gemessenen Emissionsdaten mit der etablierten gemeinsamen Entwicklungs-Roadmap überein, was die Grundlage für eine kommerzielle Bereitstellung bis 2030 schafft.
Dennoch bleiben in der Branche Fragen zu den zentralen technischen Kennzahlen bestehen. Beide Unternehmen haben keine spezifischen Testparameter offengelegt, insbesondere nicht die Emissionswerte für Stickoxide (NOx) – die „rote Linie“, die darüber entscheidet, ob die Ammoniakverbrennungstechnologie die Umweltgenehmigungen in verschiedenen Märkten passieren kann. Das Magazin „POWER“ hat diesbezüglich Nachfragen an die beteiligten Parteien gerichtet, um detailliertere Daten zu erhalten, einschließlich der Leistungsabgabe, des thermischen Wirkungsgrads, der Grenzbedingungen der Brennstoffversorgung und des endgültigen Zeitplans für die Integration in eine komplette Turbine.
Dieser Durchbruch ist das Ergebnis einer fast fünfjährigen technologischen Zusammenarbeit. Bereits im Juni 2021 unterzeichneten GE Vernova und IHI eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MOU) und starteten eine Machbarkeitsstudie für Ammoniak als Gasturbinenbrennstoff. Die im Jahr 2023 veröffentlichten Forschungsergebnisse zeigten, dass Ammoniak als Brennstoff für Gasturbinen auf dem japanischen Markt unter Berücksichtigung der Kosten der gesamten Import-Wertschöpfungskette möglicherweise kostengünstiger als flüssiger Wasserstoff sein könnte.
Basierend darauf unterzeichneten beide Parteien im Januar 2024 eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung (Joint Development Agreement, JDA), die die Entwicklung eines nachrüstbaren (retrofittable) Verbrennungssystems für die GE Vernova Modelle 6F.03, 7F und 9F klar definierte. Diese Zusammenarbeit integriert auch tiefgehend die Erfahrungen von IHI mit der reinen Ammoniakverbrennung, die zuvor an einer 2-MW-Gasturbine des Typs IM270 gesammelt wurden.
Jeremee Wetherby, Leiter der Kohlenstofflösungen bei GE Vernova, kommentierte: „Die Fähigkeit unserer F-Klasse-Gasturbinen, mit 100% Ammoniak zu laufen, ist ein entscheidender Schritt auf unserem Weg in eine kohlenstoffarme Energiezukunft.“
Hinter dem technologischen Durchbruch stehen zunehmend klare politische Vorgaben und Marktanforderungen. Ammoniak, ein effizienter Wasserstoffträger, hat eine deutlich höhere Verflüssigungstemperatur (-33°C) als flüssiger Wasserstoff (-253°C), was die Lager- und Transportanforderungen erheblich senkt. Dies ist von strategischer Bedeutung für Länder wie Japan und Südkorea, die über begrenzte eigene erneuerbare Energieressourcen verfügen und stark von Energieimporten abhängen. Die japanische Regierung hat in ihrem im Februar 2025 finalisierten „Siebten Strategischen Energieplan“ Ammoniak-Mitverbrennung und letztendlich reine Ammoniakverbrennung klar als zentrale Säulen für die Dekarbonisierung von Wärmekraftwerken festgelegt und bereits über einen Differenzvertragsmechanismus (Contract for Difference, CfD) die Lieferung von kohlenstoffarmem Ammoniak aus Louisiana gesichert.
Im Wettbewerbsumfeld treibt auch Mitsubishi Power die Entwicklung einer 40-MW-Ammoniakgasturbine auf Basis des H-25-Modells voran. Für GE Vernova stellt sein umfangreicher installierter Bestand einen großen Vorteil dar. Laut dem Geschäftsbericht 2025 verfügt das Unternehmen weltweit über etwa 7000 in Betrieb befindliche Gasturbinen, wobei F-Klasse-Modelle eine zentrale Rolle spielen. Die erfolgreiche Einführung eines nachrüstbaren Systems für reine Ammoniakverbrennung würde es bestehenden Betreibern (insbesondere in den Märkten Japan und Südkorea) ermöglichen, eine Dekarbonisierung vor Ort zu erreichen, ohne ihre Kernanlagen austauschen zu müssen.
Derzeit erlebt GE Vernova eine Phase mit hoher Auftragseingängen. Bis Ende 2025 belief sich der Auftragsbestand für seine Gas- und Dampfturbinenkraftwerksausrüstung auf 83 GW, mit der Aussicht, bis Ende 2026 die 100-GW-Marke zu überschreiten. Diese starke Marktperformance, kombiniert mit dem Durchbruch in der Ammoniak-Brenntechnologie, wird zweifellos ihre führende Position im Bereich der kohlenstoffarmen Energieanlagen weiter festigen.









