de.wedoany.com-Bericht: Der Berliner Fernwärmeversorger BEW Berliner Energie und Wärme hat in seiner langfristigen Strategie zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung konkrete Ziele für die Geothermie festgelegt. Laut dem Fahrplan könnte die geothermische installierte Leistung bis 2045 250 Megawatt (MWth) erreichen.
Dieser Plan ist Teil des aktualisierten Dekarbonisierungsfahrplans der BEW, der darauf abzielt, das größte Fernwärmenetz Deutschlands von Kohle und fossilen Brennstoffen zu transformieren. Obwohl die Geothermie noch von den Ergebnissen der Erkundung abhängt, hat sie sich zu einer der wichtigsten Optionen für lokale erneuerbare Wärmequellen des Versorgungsunternehmens entwickelt.
Die BEW versorgt rund 700.000 Haushalte sowie Tausende von Gewerbe- und öffentlichen Gebäuden und plant, bis 2030 rund 3,5 Milliarden Euro zu investieren, um das Berliner Wärmesystem umzubauen.
In diesem Fahrplan wird die Geothermie zusammen mit wichtigen lokalen Wärmequellen wie Abwasserwärme, Flusswasserwärme, Kläranlagenwärme und Abwärme aus Rechenzentren als zentrale lokale Wärmequelle identifiziert, die die Umstellung Berlins auf eine klimaneutrale Fernwärme unterstützen soll. Die BEW strebt an, den Anteil erneuerbarer und unvermeidbarer Wärmequellen bis 2030 auf mindestens 40 %, bis 2035 auf 50 % und bis 2040 auf 80 % zu erhöhen. Von der Geothermie wird erwartet, dass sie zu diesen drei Meilensteinen beiträgt, als Teil eines diversifizierten Wärmequellenmixes, der auch Großwärmepumpen, Wärmespeicher, Power-to-Heat-Anlagen und Biomasse umfasst. Das Versorgungsunternehmen hält die Geothermie für besonders attraktiv, da sie nach der Erschließung zuverlässige Grundlastwärme mit niedrigen Betriebskosten liefern kann.
Im Gegensatz zu vielen anderen Geothermieprojekten in Deutschland, die auf tiefere und heißere Reservoire abzielen, konzentriert sich die aktuelle Bewertung der BEW auf geologische Formationen in Tiefen von etwa 500 bis 2000 Metern. Das Versorgungsunternehmen erwartet Temperaturen von 30 °C bis 70 °C und plant, die geothermische Produktion mit Großwärmepumpen zu kombinieren, um die Temperatur auf das Niveau der Fernwärme anzuheben. Derzeit wird eine direkte hydrothermale Nutzung aus 2 bis 3 Kilometern Tiefe in Berlin als unwahrscheinlich angesehen. Nach aktuellen Annahmen kann ein einzelnes Geothermieprojekt maximal etwa 20 Megawatt (MWth) Wärmekapazität liefern, sodass für eine größere Skalierung mehrere Projekte im gesamten Stadtgebiet verteilt werden müssen.
In den kommenden Jahren wird daran gearbeitet, die geologischen Unsicherheiten zu verringern. Das Land Berlin plant eine stadtweite 3D-Seismik, deren erste Ergebnisse etwa Mitte 2028 erwartet werden. Parallel dazu plant die BEW an vier Standorten Erkundungsbohrungen, von denen ab 2027 erste Hinweise auf Temperatur und Reservoirproduktivität erwartet werden. Dieses Erkundungsprogramm zielt darauf ab, die wirtschaftliche Machbarkeit der geothermischen Ressourcen zu bestimmen und das Investitionsrisiko vor einer großflächigen Erschließung zu reduzieren.
Der Fahrplan der BEW geht davon aus, dass die geothermische installierte Leistung bis 2035 etwa 70 Megawatt (MWth) betragen wird, was ausreicht, um etwa 5 % des Fernwärmenetzes zu versorgen. Danach sieht das Versorgungsunternehmen ein größeres Potenzial. Nach aktuellen Studien und bei günstigen Erkundungsergebnissen könnte die geothermische Erschließung bis 2045 auf etwa 250 Megawatt (MWth) anwachsen, was etwa 15 über Berlin verteilte Geothermiestandorte erfordern würde. Bereits vorher schätzt die BEW, dass bei Verfügbarkeit geeigneter Standorte außerhalb der bestehenden Kraftwerksstandorte eine geothermische Kapazität von über 100 Megawatt (MWth) erschlossen werden könnte.
Der Fahrplan nennt mehrere entscheidende Erfolgsbedingungen, darunter: ausreichende Reservoirproduktivität, geeignete Bohrstellen, Netzkapazität für Großwärmepumpen, Genehmigungseffizienz sowie die Verfügbarkeit von Bohranlagen und Fachpersonal. Die Standortverfügbarkeit wird voraussichtlich eine der größten Herausforderungen sein. Die BEW weist darauf hin, dass Geothermieprojekte ausreichend Platz für Bohrarbeiten, eine Nähe zur Fernwärme-infrastruktur und einen angemessenen Abstand zu Wohngebieten benötigen. Das Versorgungsunternehmen plant eine enge Zusammenarbeit mit den Berliner Bezirken und öffentlichen Grundstückseigentümern, um geeignete Standorte zu identifizieren. Obwohl der endgültige Umfang der geothermischen Erschließung von den Ergebnissen des laufenden Erkundungsprogramms abhängt, zeigt der Fahrplan, dass die Geothermie von einer zukünftigen Option zu einem geplanten Bestandteil der Berliner Strategie für eine klimaneutrale Fernwärme geworden ist.

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