Brasilianisches Abgeordnetenhaus verabschiedet Profert-Programm zur Entwicklung der Düngemittelindustrie
2026-06-03 17:17
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de.wedoany.com-Bericht: Das brasilianische Abgeordnetenhaus hat das Programm zur Entwicklung der Düngemittelindustrie (Profert) verabschiedet, das darauf abzielt, die strukturelle Abhängigkeit der heimischen Landwirtschaft von importierten Düngemitteln zu verringern. Branchenvertreter äußern jedoch weiterhin Zweifel, ob die Maßnahmen in eine langfristige Produktionsstrategie umgesetzt werden können.

Vertreter der Düngemittelbranche bewerteten das Programm positiv und bezeichneten seine Diagnose als zutreffend: Die Versorgungssicherheit eines der weltweit größten Getreideexporteure mit Düngemitteln dürfe nicht übermäßig von internationalen Marktschwankungen oder geopolitischen Ereignissen abhängig sein. Die Branchenanalyse weist jedoch darauf hin, dass dieses Thema in der Regel nur in Krisenzeiten Beachtung findet. Der nationale Düngemittelplan wurde 2022 auf den Weg gebracht, als der Krieg in der Ukraine den globalen Rohstoffhandel erschütterte; derzeit stehen die internationalen Rohstoffpreise unter Druck, die Lage im Nahen Osten ist angespannt, und die Diskussion rückt wieder ins Zentrum der politischen Agenda. Branchenvertreter sind der Ansicht, dass dieses wiederkehrende Phänomen zeigt, dass die Debatte über Produktionssouveränität weiterhin stark mit internationalen Schocks verknüpft ist und nicht zwangsläufig in die langfristige Planung der nationalen Industrie integriert wird.

Während Profert voranschreitet, bleiben die inländischen Produktionskosten weiterhin hoch. Laut Vertretern der Düngemittel-Wertschöpfungskette leidet die brasilianische Industrie bereits unter einer Kostenstruktur, die über der mancher internationaler Märkte liegt, und steht nun zusätzlich unter dem Druck steigender Schwefelpreise (enxofre). Schwefel ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Phosphatdüngemitteln; sein internationaler Marktpreis liegt bei über 1.250 US-Dollar pro Tonne und damit auf einem historischen Höchststand. Das Ziel einer Pflichtbeimischung inländischer Düngemittel gewinnt genau in dem Moment an Dynamik, in dem die Rohstoffkosten die lokale Produktion wirtschaftlich unrentabel machen.

Branchenvertreter sind der Ansicht, dass die Aufrechterhaltung der inländischen Produktion nicht nur für Düngemittelunternehmen, sondern auch für andere Glieder der Agrarkette von Bedeutung ist. In einem Umfeld hoher Kosten, hoher Zinsen und finanzieller Herausforderungen für ländliche Produzenten ist die Düngemittelversorgung zu einem wichtigen Faktor geworden. Die Hauptfrage ist, ob Profert strukturelle Effekte erzielen kann, die seinen Zielen entsprechen. Der Bau neuer Industrieanlagen, die Kapazitätserweiterung und die Anziehung von Investitionen erfordern mehrjährige Planungszyklen, während Notfallanreize in der Regel auf kurzfristige Bedarfe abzielen und eine begrenzte Gültigkeitsdauer haben.

Der vom Abgeordnetenhaus verabschiedete Gesetzentwurf 699/23 sieht Steuergutschriften, Finanzierungslinien, Unterstützung für die Modernisierung und Erweiterung von Fabriken sowie die Einrichtung eines speziellen Fonds für die Entwicklung der Düngemittelindustrie für zertifizierte Unternehmen vor. Der Entwurf legt schrittweise Mindestziele für die Beimischung inländischer Düngemittel fest: ab 2027 2 %, bis 2037 10 %, mit der Möglichkeit einer weiteren Erhöhung je nach inländischer Produktionskapazität. Neben traditionellen Mineraldüngemitteln umfasst der Vorschlag auch Anreize für biologische Einsatzstoffe, Biodüngemittel und Remineralisierungsmittel, um die Beteiligung der nationalen Industrie an der landwirtschaftlichen Lieferkette auszuweiten.

Der Text ist in die breitere Diskussion in Brasília über die fiskalischen Auswirkungen von Agrarmaßnahmen eingebettet. Die Bundesregierung koordiniert eine Offensive, um die Auswirkungen von Kongressvorlagen auf den Haushalt zu begrenzen; diese Vorlagen umfassen die Umschuldung ländlicher Schulden, die Ausweitung der Ressourcen für die Agrarversicherung, Profert sowie Änderungen von Projekten im Zusammenhang mit Steuervergünstigungen. Dieser Hintergrund führt dazu, dass Profert aus industrieller, produktionstechnischer, politischer und fiskalischer Perspektive betrachtet wird. Das Programm kehrt nun in den Senat zurück, der die vom Abgeordnetenhaus vorgenommenen Änderungen prüfen muss, um das Verfahren abzuschließen.

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