Unicamp entwickelt Rechner zur Umwandlung landwirtschaftlicher Abfälle in CO₂-Zertifikate
2026-06-07 14:27
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de.wedoany.com-Bericht: Forscher der Universität von Campinas (Unicamp) in Brasilien haben ein Computerprogramm namens Biomassa_Compensa entwickelt, das den vermiedenen CO₂-Fußabdruck und potenzielle CO₂-Zertifikate bei der Behandlung organischer Abfälle aus der Lebensmittelindustrie quantifiziert. Das Tool basiert auf wissenschaftlichen Daten und soll Unternehmen, Ingenieuren und Forschern helfen, Umweltauswirkungen zu bewerten, ohne dass Fachkenntnisse erforderlich sind. Es ermöglicht eine schnelle Berechnung von CO₂-Zertifikaten und die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten.

Das Forschungsteam stammt vom Labor für Bioingenieurwesen, Wasser- und Abfallbehandlung (BIOTAR) der Fakultät für Lebensmitteltechnik (FEA) der Unicamp, koordiniert von Professorin Tânia Forster Carneiro, in Zusammenarbeit mit Professor Hudson Giovani Zanin von der Fakultät für Elektro- und Computertechnik (FEEC). Zu den Teilnehmern gehören die FEA-Forscher Manoel Victor Frutuoso Barrionuevo, Josiel Martins Costa, Larissa Ampese, Henrique Ziero, Eric Gama Felix da Silva von der Fakultät für Chemieingenieurwesen (FEQ) sowie Reinaldo Cesar vom Zentrum für Erdöltechnik (CEPETRO).

Die Entwicklung des Rechners basiert auf umfangreichen Daten, die im Labor gesammelt wurden. Während der Betreuung von Master- und Doktorarbeiten zur Aufwertung organischer Abfälle sammelte Koordinatorin Professorin Tânia Forster experimentelle Daten zu Apfeltrester, Orangenschalen, Jabuticaba-Schalen, Cambuci-Früchten, Biertreber, Geflügelabfällen und Açaí-Samen. Der Rechner soll diese verstreuten Daten bündeln und Restaurants, kleinen Lebensmittel- oder Agrarindustrieunternehmen schnelle und präzise Bewertungen ermöglichen, beispielsweise zur Umwandlung von Biomasse in Biogas sowie Strom oder Wärme. Das erste Ergebnis war der Rechner Biomassa2Biogás zur Berechnung des Energiepotenzials von Abfällen; anschließend wurde er zum Biomassa_Compensa-Rechner erweitert, der sich speziell auf den CO₂-Fußabdruck und potenzielle CO₂-Zertifikate aus der Biomassebehandlung konzentriert.

Nutzer wählen über das Tool die Abfallart aus, geben die verarbeitete Menge (in Tonnen) ein und erhalten eine Schätzung der vermiedenen Emissionen, ausgedrückt in CO₂-Äquivalenten, sowie eine Schätzung der generierten CO₂-Zertifikate. Das System umfasst derzeit Apfeltrester, Orangenschalen, Zuckerrohr, Açaí-Samen und Nebenprodukte der Kaffeeindustrie. Der Rechner bietet auch Vergleichswerte, wie z. B. wie viele Autos stillgelegt, wie viele internationale Flugstunden ausgeglichen oder wie viele Bäume gepflanzt werden müssten, um den gleichen Effekt zu erzielen. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Behandlung von Abfällen und die Umwandlung des entstehenden Methangases in Energie deutlich höhere CO₂-Zertifikate generiert als die traditionelle Aufforstung. Methan ist das Hauptgas, das bei der anaeroben Zersetzung organischer Stoffe auf Deponien entsteht, und sein Treibhauspotenzial über einen Zeitraum von 100 Jahren (GWP100) ist etwa 29-mal höher als das von CO₂.

Der Biomassa_Compensa-Rechner unterscheidet sich von anderen Softwarelösungen auf dem Markt durch seinen spezifischen Fokus: Restbiomasse aus der Lebensmittel- und Landwirtschaft, wie Schalen, Kerne und Trester. Das Tool kann als Leitfaden für Unternehmensentscheidungen zur Investition in Infrastruktur dienen und Unternehmen helfen, die wirtschaftliche Machbarkeit umweltverträglicher Praktiken zu erkennen. Die Forscher gehen davon aus, dass mit dem Fortschritt der Umweltregulierung und der zunehmenden Beschränkung der Deponierung organischer Abfälle ein Boom bei Investitionen in CO₂-Zertifikate einsetzen wird, wobei Technologien wie Kompostierung und anaerobe Vergärung eine Schlüsselrolle spielen werden. Derzeit sind die Rechner Biomassa_Compensa und Biomassa2Biogás auf der Website des BIOTAR-Labors öffentlich zugänglich. Für Unternehmen, die eine individuelle Anpassung der Software oder eine erweiterte Analyse wünschen, wird die Technologielizenzierung von der Innovationsagentur Inova Unicamp koordiniert.

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