de.wedoany.com-Bericht: Der argentinische Bergbau ist für die Europäische Union (EU) in ihrer geopolitischen Strategie zur obersten Priorität geworden. Im Rahmen einer Diskussion während der Ingenieurswoche erklärte Olivier Luyckx, Leiter der bilateralen Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika, dass das Land fest in die erste Reihe der Zusammenarbeit der europäischen Gruppe aufgerückt sei.

Luyckx äußerte sich in einer auf Finanzierung fokussierten Diskussionsrunde. Zu den weiteren Teilnehmern gehörten Federico Elewaut, CEO der Citibank Argentina, und Silvina Bellantig, Generaldirektorin der Banco San Juan, die gemeinsam die Machbarkeit lokaler Großbergbauprojekte erörterten. Analysten wiesen darauf hin, dass die derzeitige Häufung globaler Konflikte und die makroökonomische Stabilität Argentinien in eine günstige Position brächten, um das benötigte Kapital anzuziehen.
Der EU-Vertreter erklärte, dass die Gruppe aufgrund der komplexen und konfliktreichen globalen Lage eine bedeutende strategische Neuausrichtung ihrer internationalen Beziehungen vornehme. Seit 2023 habe Europa die Wiederaufnahme der Kontakte mit Lateinamerika massiv vorangetrieben und die Region als „die weltweit kompatibelste mit Europa“ bezeichnet. Dieses politische Bekenntnis konkretisiere sich in der Global-Gateway-Initiative. Die EU wolle mit diesem Plan alte Entwicklungskonzepte ersetzen und auf ein Modell umsteigen, das von Anfang an Staaten, Provinzen, den Privatsektor und das Finanzsystem integriert. Luyckx betonte, der Schlüssel liege darin, vor Ort Wertschöpfung zu schaffen, anstatt wie andere zu kaufen und zu gehen – dies sei eine große Wette. Der Fonds verfüge über 300 Milliarden Euro weltweit, wovon 45 Milliarden Euro für Lateinamerika und die Karibik vorgesehen seien. Er verriet, dass die EU-Kommission den Einsatz neuer technologischer Mechanismen für öffentliche Einrichtungen erwäge, beispielsweise die Möglichkeit eines direkten Einstiegs in Unternehmensbeteiligungen.
Hinsichtlich der Investitionsstruktur stellte Elewaut klar, dass Großprojekte nicht allein durch Fremdkapital finanziert würden. In der Regel müssten die Aktionäre selbst ein Drittel des Anfangskapitals als Eigenkapital bereitstellen, bevor Bankkredite ins Spiel kämen. Der Manager wies zudem darauf hin, dass die derzeitigen Spannungen und Kriege globale Unternehmen zu einer dringenden Diversifizierung ihrer Lieferquellen zwängen, was Argentinien direkt zugutekomme. Gleichzeitig korrigierte er lokale Indikatoren und meinte, dass ein Länderrisiko von 500 Basispunkten nicht bedeute, dass diese Projekte nicht finanzierbar seien.
Bellantig wiederum konzentrierte sich aus der Perspektive einer Regionalbank auf das, was sie als „unsichtbare Infrastruktur“ bezeichnete – die notwendige finanzielle Unterstützung, damit die Kette aus Lieferanten, Subunternehmern und lokalen Akteuren die globalen Standards der großen Bergbauanforderungen termingerecht und qualitätsgerecht erfüllen könne. Sie wies darauf hin, dass viele lokale KMU aufgrund von Vermögensschwierigkeiten Schwierigkeiten hätten, die Bedingungen für traditionelle Kreditlinien zu erfüllen. Dazu stellte sie die von der Banco San Juan entwickelte erste landesweite, auf den Bergbausektor spezialisierte gegenseitige Bürgschaftsgesellschaft (SGR) vor, ein Instrument, das darauf abzielt, den Kreditzugang auf kooperative Weise zu fördern und die finanzielle Inklusion des lokalen Ökosystems voranzutreiben. Bellantig forderte multinationale Betreiber auf, vorhersehbare und „bankfähige“ Vertragsmodelle zu entwerfen, damit Finanzinstitute die langfristige Finanzierung und Nachhaltigkeit lokaler Lieferanten unterstützen könnten.
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